AUDIO: Warn-Vorhersagen für Vibrionen-Belastung in der Ostsee (4 Min)
Infektionsgefahr
Stand: 28.07.2026 20:49 Uhr
Hier geht es jetzt um Dinge, die einem den Ostseeurlaub ganz schnell vermiesen können. Das wären zum Beispiel schlechtes Wetter, nervige andere Touristen oder auch – und zwar immer häufiger – Vibrionen. Kleine Bakterien im Wasser, die großen Ärger machen können. Deshalb testet das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) gerade ein Vibrionen-Frühwarnsystem.
von MDR AKTUELL
- Warme Ostsee fördert Vibrionenbefall
- Frühwarnsystem warnt spezifisch
- Aktueller Sommer als Testphase
- Umgang mit Vibrionen im Wasser
Leiter des Projektes am IOW ist Daniel Herlemann. Der Wissenschaftler erklärt, Vibrionen seien Bakterien, die natürlich im Wasser vorkämen und sich bei Temperaturen über 18 Grad stark vermehren könnten. Das Problem bei den Vibrionen sei dabei, dass sie gesundheitsschädlich sein könnten, speziell für ältere Menschen, die offene Wunden hätten. Dies könne zu schweren Blutvergiftungen und Infektionen führen, zum Teil auch mit tödlichem Ausgang.
Warme Ostsee fördert Vibrionenbefall
Herlemann vom Leibniz-Institut ergänzt, steigende Temperaturen und eine warme Ostsee führten eben auch dazu, dass die gefährlichen Bakterien sich ein bisschen besser vermehren könnten. "Hinzu kommt noch die Nährstofffracht, die immer mehr wird, und dadurch können sich derartige Bakterien eben mehr vermehren."
Dies sei aber noch ein seltenes Problem mit wenigen Infektionen pro Jahr. "Dieses Jahr gab es, wenn ich mich recht erinnere, zwei Infektionen. Aber das müssen wir beobachten, weil es natürlich perspektivisch immer problematischer werden kann", so der Forschungsdirektor.
Frühwarnsystem warnt spezifisch
Zur Idee des neuen Frühwarnsystems sagt Herlemann, dass es keine universelle Risikowarnung mehr brauche und man etwas spezifischer warnen könne, weil die Vibrionen nur an relativ wenigen Tagen wirklich problematisch seien. "Diese Vorhersage wollen wir treffen, indem wir durch Drohnenflüge die Farbe des Wassers messen und noch andere Sachen dazu mitnehmen und dann mittels einer KI bestimmen, ob die Situation in den nächsten Tagen gefährlich ist oder nicht."
Diese Vorhersage wollen wir treffen, indem wir durch Drohnenflüge die Farbe des Wassers messen ... und dann mittels einer KI bestimmen, ob die Situation in den nächsten Tagen gefährlich ist oder nicht. Daniel Herlemann vom IOW
Das hänge nicht nur von der Temperatur ab, sondern ganz viele Faktoren spielten eine Rolle. Ein Faktor seien zum Beispiel Algenblüten oder konkreter Cyanobakterienblüten, die dann sozusagen als Nährstoffquelle für diese Vibrionen dienten. Erst wenn diese da seien, könne es auch zu einer Vibrionenblüte kommen, die gefährlich sein könne. Dabei handele es sich nur um Vorhersagen wie bei einer Wettervorhersage, die sich auch ändern könnten, wenn sich die Bedingungen änderten, ergänzt Herlemann.
Eine gewisse Risikoeinschätzung über die Umweltbedingungen für die Vibrionen, die können wir abgeben. Daniel Herlemann vom IOW
Sommer als Testphase
Herlemann zufolge läuft die Testphase in diesem Sommer. Man schaue, ob das überhaupt funktioniere, wie man es sich ausgedacht habe. Das Pilotprojekt laufe etwa bis Oktober. "Sobald wir das System dann verifiziert haben, ob das so gut funktioniert oder ob es eben nur bedingt funktioniert, dann stellen wir das den Landesämtern zur Verfügung." Diese könnten dann entscheiden, inwieweit sie die Informationen nutzen würden. Noch sei aber ungewiss, ob alles richtig gut funktioniere oder ob es Einschränkungen gäbe. Aber bisher funktioniere es, freut sich der Wissenschafter.
Bisher habe es allerdings auch kalte Temperaturen gegeben. "Das heißt, unser Modell hat vorhergesagt, dass wir eben noch keine Vibrionen haben. Und das konnten wir bisher bestätigen." Jetzt gehe die Temperatur erst in den kritischen Bereich und damit komme die wirklich kritische Phase für das Modell, ob es unter diesen Bedingungen auch die richtigen Vorhersagen treffen könne.
Umgang mit Vibrionen im Wasser
Zum Umgang mit einer erhöhten Vibrionenkonzentration im Wasser verweist der Wissenschaftler nochmals auf offene Wunden. Gebe es diese nicht, sei es für die meisten Menschen ungefährlich, ins Wasser zu gehen, und eine erhöhte Konzentration an Vibrionen stelle kein erhöhtes Risiko dar. Aufklärung sei wichtig, betont Herlemann, und bei Infektionen solle der Betreffende einen Arzt aufsuchen.
Keiner muss an diesen Vibrionen sterben, wenn man rechtzeitig zum Arzt geht. Daniel Herlemann vom IOW
Niemand müsse Panik oder Angst haben. Wenn man sich infiziert habe, sei die Infektion gut zu heilen. Wichtig sei, zum Arzt zu gehen.