„Alle Stellungen zerstört“: Ukrainischer Zugkommandant enthüllt die wahre Lage seiner Einheit an der Front

Videohilferuf aus dem Ukraine-Krieg: Soldaten trinken eigenen Urin – Vorgesetzte logen

Stand: 12.08.2026, 22:51 Uhr

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Vier Monate ohne Ablösung, zwölf Tage ohne Wasser: Ein Zugkommandant schildert die dramatische Lage seiner Einheit an der Front.

Kiew – Mit einem Videohilferuf an den ukrainischen Armeechef Mychailo Drapaty hat ein Zugkommandant an der Front gegen Russland auf die verzweifelte Lage seiner Einheit aufmerksam gemacht: Anatolij Saitschuk von der 121. Territorialverteidigungsbrigade schilderte darin, dass seine Männer seit vier Monaten nicht abgelöst worden seien.

Einige Soldaten in der Ukraine müssen monatelang ohne Ablösung an der Front bleiben. (Symbolbild)

Einige Soldaten in der Ukraine müssen monatelang ohne Ablösung an der Front bleiben. (Symbolbild) © Dmytro Dokunov/Phalanstery Films/dpa

„Über Zeiträume von drei bis sieben Tagen sind wir nicht mit Lebensmitteln oder Trinkwasser versorgt worden“, sagte er in dem am Dienstag (11. August) veröffentlichten Video, das sich rasch über Online-Netzwerke verbreitete. Vorgesetzte Offiziere hätten derweil die Familien der Soldaten belogen und behauptet, die Männer seien „in vollem Umfang versorgt“.

Soldaten im Ukraine-Krieg: Alle Stellungen der Einheit seien zerstört worden

Die Zustände, die Saitschuk beschreibt, sind drastisch. Alle Stellungen seiner Einheit seien zerstört worden. „Wir sind jetzt in einem Unterschlupf, den wir selbst gefunden haben, weil alle Stellungen zerstört wurden“, sagte er. Einmal seien die Soldaten sogar zwölf Tage lang ohne Trinkwasser gewesen und hätten begonnen, ihren eigenen Urin zu trinken. Ursprünglich war der Einsatz der Einheit auf einen Monat angelegt gewesen – mit gesicherter Drohnenversorgung. Daraus wurden vier Monate ohne reguläre Ablösung.

Das Kommando der 121. Brigade bestätigte auf Facebook die Echtheit des Videos. Man unternehme alle notwendigen Schritte, um die Soldaten in einer „extrem schwierigen“ Gefechtslage angemessen zu versorgen. Das für die Einsatzregion zuständige Truppenkommando räumte ein, der Zug kämpfe in einem „schwierigen und dynamischen Teil der Front“, mahnte jedoch zur Einordnung: Das Video zeige nur „einen isolierten Teil eines komplexen Einsatzumfelds“, das nicht den vollen Umfang der unternommenen Anstrengungen widerspiegele.

Ukraine hat seit längerem Schwierigkeiten, neue Soldaten zu rekrutieren

Der Fall steht nicht allein. Die ukrainische Armee hat seit Längerem Schwierigkeiten, genügend neue Soldaten zu rekrutieren – mit der Folge, dass Einheiten an der Front nicht regelmäßig ausgetauscht werden können. Bereits zuvor hatten ähnliche Fälle, teils mit vor Hunger ausgemergelten Soldaten, öffentliche Aufmerksamkeit erregt.

Erst vor wenigen Monaten zeigten Fotos ausgemergelte Ukraine-Soldaten. Einige hätten 17 Tage keine Nahrung gehabt und nur Regenwasser zum Überleben. (Quellen: dpa) (tt)