Alarm kurz vor US-Midterms 2026: Verdächtige Pulverbriefe an Wahlbüros und Senatoren verschickt – FBI ermittelt

Stand: 16.10.2026, 09:03 Uhr

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Wochen vor den US-Wahlen ermitteln FBI und Postbehörden wegen verdächtiger Briefe mit unbekanntem Pulver an Wahlleiter und US-Senatoren.

Washington, DC – Knapp drei Wochen vor den Midterms in den USA haben das FBI und die US-Postinspektionsbehörde bundesweite Ermittlungen aufgenommen. Hintergrund sind Briefe mit „verdächtigen Substanzen“. Betroffen sein sollen auch Büros von Kongressabgeordneten, wie der US-Sender ABC News und die New York Post unter Berufung auf eine Warnmeldung des Sicherheitsbeauftragten des US-Senats berichteten. 

Das FBI und die US-Postinspektionsbehörde ermitteln nach verdächtigen Briefsendungen

Das FBI und die US-Postinspektionsbehörde ermitteln nach verdächtigen Briefsendungen mit Pulver an Wahlbüros und Senatoren. © Julia Demaree Nikhinson / AP / dpa

Nach Angaben der Bundespolizei FBI enthielten einige Sendungen eine unbekannte weiße Substanz. Ob diese gefährlich ist, war zunächst unklar. Die Ermittler machten zunächst keine näheren Angaben zur genauen chemischen Zusammensetzung, rieten jedoch dringend dazu, solche Postsendungen als potenziell gefährlich zu behandeln. Die Behörden versuchen mit Hochdruck, weitere gefährliche Sendungen vor der Zustellung abzufangen, schließen jedoch nicht aus, dass einzelne Briefe ihr Ziel erreichen könnten.

Evakuierungen und Pulverfunde in mehreren Bundesstaaten

In Bundesstaaten wie Louisiana und Oklahoma mussten Wahlbüros nach dem Eintreffen verdächtiger Post geräumt werden. In den Umschlägen befand sich ein pulverartiges Material. Die Staatspolizei von Oklahoma gab nach ersten Tests Entwarnung: Die im Kapitolkomplex gefundene Substanz war ungefährlich. Auch in Ohio fing die Post ein an das Büro des Secretary of State gerichtetes Paket mit weißem Pulver ab. In den US-Bundesstaaten fungiert ein Secretary of State zumeist als oberster Wahlleiter.

Weitere verdächtige Briefe wurden unter anderem in Pennsylvania, Wisconsin, Idaho und Florida abgefangen oder sichergestellt. Tests ergaben in den meisten untersuchten Fällen harmlose Stoffe: Im Cook County in Illinois enthielt ein an die Finanzverwaltung gerichteter Umschlag lediglich Backpulver. Das FBI äußerte sich bislang nicht dazu, um welche Substanzen es sich bei den noch laufenden Analysen konkret handelt.

Senatsbüros im Visier – Behörden warnen vor Drohpost

Die Ermittlungen wurden öffentlich, nachdem der Sergeant at Arms des US-Senats die Büros der Abgeordneten in einer internen Sicherheitsmitteilung gewarnt hatte. Betroffen sind mehrere prominente US-Senatoren, darunter Chris Murphy (Connecticut), Alex Padilla (Kalifornien), Kirsten Gillibrand (New York) sowie Lisa Blunt Rochester (Delaware). Der Sicherheitsdienst der Capitol Police fing die meisten verdächtigen Briefe ab, bevor sie die Büros erreichten.

In der Mitteilung des Senats heißt es, verdächtige Briefe seien häufig an auffällig vielen Portomarken oder handschriftlichen Merkmalen zu erkennen. Brendan Donahue von der US-Postinspektionsbehörde betonte: „Wir sind entschlossen, die Wahlbeamten unseres Landes vor bedrohlicher und gefährlicher Post zu schützen. Jede Drohung oder jeder Angriff auf einen Wahlbeamten ist inakzeptabel.“

Hintergrund: Bedrohungen und Angriffe auf die US-Wahl-Infrastruktur

  • Gefälschte Bombendrohungen: Bei der US-Wahl 2024 führten koordinierte Drohungen zu kurzzeitigen Schließungen von Wahllokalen in Swing States wie Georgia und Arizona.
  • Brandanschläge auf Stimmzettel: In Oregon und Washington wurden Wahlbriefkästen in Brand gesteckt, wodurch Hunderte abgegebene Stimmzettel zerstört wurden.
  • Massen-Drohschreiben an Parlamente: Mehrere Bundesstaaten mussten Parlaments- und Regierungsgebäude nach Droh-E-Mails räumen lassen.
  • Wachsende Sorge der Wahlleiter: Wahlverantwortliche und Justizbehörden warnen schon länger vor zunehmenden Einschüchterungsversuchen gegen Helfer und Stimmabgabeorte.

Gemeinsame Sorge vor Einschüchterung der Wahlhelfer

Die Nationale Vereinigung der Secretaries of State (NASS) und die Vereinigung der Landeswahlleiter (NASED) zeigten sich in einer gemeinsamen Erklärung alarmiert: „Drohungen gegen Wahlbeamte und Wahlhelfer haben in unserer Demokratie keinen Platz.“ Wer Wahlen durchführe, dürfe bei seiner Arbeit keine Angst um die eigene Sicherheit haben müssen.

Die aktuellen Vorfälle wecken Erinnerungen an frühere Wahlzyklen. Bereits 2023 und 2024 erhielten zahlreiche Wahlbüros in mehreren US-Bundesstaaten Drohbriefe mit weißem Pulver – teilweise handelte es sich um Mehl, in einigen Fällen wurden jedoch gefährliche Spuren des synthetischen Opioids Fentanyl nachgewiesen. Mehrere Wahlbehörden hatten sich daraufhin vorsorglich mit dem Notfall-Gegenmittel Naloxon ausgestattet. (Quellen: ABC News, NY Post, Guardian, AP, dpa) (cs)