Erfolg für nationalistische Parteien

Bei den allgemeinen Wahlen in Bosnien-Herzegowina bleiben nationalistische Parteien weiterhin bestimmende Kraft. Veränderungen zeichnen sich damit kaum ab, wie nach Angaben der Zentralen Wahlkommission (CIK) bekannt wurde, die sich auf die Auszählung von mehr als 90 Prozent der Wahllokale stützen. Mit nur 41,5 Prozent erreichte die Wahlbeteiligung einen Rekord-Tiefststand.
In das dreiköpfige Staatspräsidium wurden erneut der Bosniake Denis Becirovic und die Serbin Zeljka Cvijanovic gewählt. Neu ist lediglich das kroatische Mitglied Darijana Filipovic.

Der Sozialdemokrat Becirovic setzte sich im Rennen um den bosniakischen Sitz mit 38,1 Prozent der Stimmen gegen den Chef der muslimisch-nationalistischen SDA-Partei, Bakir Izetbegovic, mit 34 Prozent durch. Die Serbin Cvijanovic, die der nationalistischen Regierungspartei SNSD im serbischen Landesteil angehört, gewann demnach mit 55,6 Prozent der Stimmen klar gegen ihren Herausforderer Marinko Bozovic von der gemäßigt nationalistischen SDS mit 26,8 Prozent. Mit der Wahl der Kroatin Filipovic, die der Partei HDZ BiH angehört, zieht eine kroatische Nationalistin ins höchste Staatsorgan ein.

Das Balkanland leidet unter den Gegensätzen zwischen den Nationalparteien der mehrheitlich muslimischen Bosniaken (etwa die Hälfte der Bevölkerung), orthodoxen Serben (ein Drittel) und katholischen Kroaten (15 Prozent). Von 1992 bis 1995 tobte ein von Serbien losgetretener Bürgerkrieg, in dem etwa 100 000 Menschen starben und mehr als zwei Millionen vertrieben wurden. Seit Kriegsende besteht Bosnien-Herzegowina aus zwei weitgehend selbständigen Landesteilen: aus der Föderation Bosnien-Herzegowina (FBIH), in der vor allem Kroaten und Bosniaken leben, sowie aus der vorwiegend von ethnischen Serben bewohnten Republika Srpska (RS). Seit Ende 2022 ist Bosnien Kandidat für eine EU-Mitgliedschaft.