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Wanderung des Freistil-Festivals Auf den Spuren des Bergbaus durch den Warndt – mit Kunst an jeder Biegung
Großrosseln/Freyming-Merlebach · Dass der Bergbau das Saarland und Lothringen sehr geprägt hat, wissen die meisten. Doch wo lässt sich dieses Erbe noch heute erkennen? Und wie kann es künstlerisch dargestellt werden? Eine Wanderung entlang der Grenze am Samstag griff diese Fragen auf.
21.09.2026 , 08:00 Uhr
30 Teilnehmer und sieben tierische Begleiter starteten am Samstagmorgen bei Sonnenschein am Jagdschloss Karlsbrunn, gut ausgestattet für eine fünfstündige Wanderung. Der Plan: Auf den Spuren der jahrhundertealten Bergbaugeschichte in der Grenzregion im Wald unterwegs zu sein – und dabei den Erzählungen eines Experten zu lauschen und Interventionen von Künstlern am Wegesrand zu begegnen. Das Angebot, dem die Wanderfreunde gefolgt sind, heißt „Grenzgänge“, und war ein Programmpunkt der besonderen Art des Kulturfestivals Freistil des Netzwerks Freie Szene Saar.
Wanderung soll das Thema lebendig werden lassen
„Eigentlich würden wir so eine Wanderung gerne öfter anbieten“, sagte Corinna Preisberg vom Orga-Team des Freistil-Festivals. Das Konzept werde gut angenommen, auf einer Wanderung komme man gut miteinander ins Gespräch, und das Publikum sei nicht passiv, sondern mittendrin. Mit Thomas Fläschner, der die Wanderung als Bergbau-Experte anleitete, habe das Netzwerk Freie Szene Saar schon vor zwei Jahren zusammengearbeitet, als er bei einer Wanderung von Völklingen nach Petite Rosselle die sogenannten Bergmannspfade vorstellte. Sogar ein eigenes Buch hat Fläschner, der als Bibliothekar an der Universität des Saarlandes arbeitet, zu diesen Pfaden geschrieben, auf denen sich die Bergleute oft sehr früh morgens auf den Weg zu den Gruben gemacht hatten. Einige dieser Pfade wurden auch bei den „Grenzgängen“ gestreift. Doch der Fokus lag diesmal auf dem Vergleich der lothringischen und saarländischen Bergbaukultur.
Fläschners ganzen Wissensschatz wiederzugeben, würde hier den Rahmen sprengen. Ein wichtiger Unterschied, der sich heute noch in den Bildern der Orte widerspiegelt, und den Fläschner auch aufgriff, war der Ansatz bei der Wohnungspolitik – im Saar-Revier hatten die Bergleute private Eigenheime, in Lothringen lebten sie zumeist mietfrei in Bergarbeiter-Siedlungen. An den unscheinbarsten Orten konnte Fläschner Hintergrundinformationen liefern: So wusste er, dass die Zaunpfähle an einem Rosengarten am Rande von Freyming-Merlebach, an dem die Wanderung vorbeiführte, unter Tage einmal Bohrgestänge waren.
Interessiert an diesen Details war etwa die Besucherin Andrea Hollenbach aus Ludweiler. Der Bergbau ziehe sich in ihrer Familiengeschichte über mehrere Generationen, erzählte sie. Sie selber wohne noch im Bergmannshaus, habe als Teenager aus Spaß die Bergmannskleidung ihres Opas getragen.
Orte und Geschichte inspirierten die Künstler
Neben der geschichtlichen Reise konnten die Teilnehmer hinter jeder Biegung eine neue künstlerische Darbietung erwarten. Katharina Bihler, selbst Künstlerin, erklärte: Alle Künstler hätten sich bei einer Begehung der Strecke vom Ort inspirieren lassen. So gab es Musikeinlagen des Jazzmusikers Wollie Kaiser, Soundinstallationen entlang einer alten Eisenbahnstrecke odereine Performance im Pole Dance, bei der sich alles um die Qualität von Pilzen drehte. Sechs französische Künstlerinnen vom Festival des Antipodes unterstützten mit Gesängen und Performances ihre deutschen Kollegen.
Rundweg führt über Freyming-Merlebach und St. Nikolaus
Über sieben Kilometer führte der Weg die Wanderer am Wildpark Karlsbrunn vorbei bis an die Aussichtsplattform „Warndt-Canyon“. Dann ging es nach einem Stück direkt auf der Grenze in die ehemalige Bergarbeiter-Siedlung am Stadtrand von Freyming-Merlebach, am Wieselstein vorbei und von dort aus zurück in den Wald. Weiter über St. Nikolaus und den dortigen Weiher endete die Wanderung am Wildpark Snack Karlsbrunn, wo es zum Schluss eine wohlverdiente Portion Pommes zu essen gab.
Eine Route, die so mancher Teilnehmer kannte – aber sicher nicht auf diese Art und Weise. Ein Teil der Besucher, von denen die meisten 50 Jahre und älter waren, kam wegen persönlicher Verbindungen zu den Beteiligten oder einem allgemeinen Interesse am Festival. Auch Anwohner aus dem Warndt waren aufmerksam geworden. Einige kamen aber auch extra für das besondere Angebot von etwas weiter her – wie eine Dame aus Lebach.
Insgesamt bot „Grenzgänge“ so viel, dass auch leicht zwei Termine hätten gefüllt werden können. Trotzdem blieben die meisten Besucher bis zum Ende aufmerksam. Sogar „Zugabe“-Rufe gab es nach der allerletzten Musikeinlage. (sas)