Stand: 26.09.2026, 07:17 Uhr
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Ein riesiges Mural in der Alicestraße macht das Thema Luft sichtbar – und hörbar. Aus einem Baum davor erklingen sechs Monate lang Geräusche aus dem Innern von Baumstämmen.
Neu-Isenburg – Fröhliche Menschen, die miteinander agieren, sind auf der kleinen, vorderen Wand zu sehen. Auf der hinteren, größeren, läuft zaghaft eine Gestalt ins Bild, vor allem aber nehmen riesige Bäume den Raum ein. „Die vordere Wand steht für unsere Gegenwart, die hintere für unsere Zukunft“, erklärt Miruna Costa, künstlerische Leiterin des Projekts „ENSO“.

Mit „ENSO“, was im Japanischen „Kreis“ bedeutet, beteiligt sich der Kreis Offenbach an der World Design Capital Frankfurt Rhein-Main 2026. „ENSO“ steht auch für die Themen „Mensch, Natur, Zusammenhalt“. Die vier Elemente geben den einzelnen Kunstprojekten einen gemeinsamen Rahmen.
„Bei der hinteren Wand ist zu sehen, dass nur eines ziemlich gewiss ist: Die Natur wird uns Menschen überleben – dafür stehen die großen Bäume“, erklärt Miruna Costa. Was mit uns in Zukunft geschieht– das ist abhängig davon, wie wir unsere Zukunft gestalten werden.“
Muralkünstler Viacheslav Balabaiev
Miruna Costa hat den Entwurf zum Thema „Luft“ für das ausdrucksstarke Wandgemälde in der Alicestraße 111, gegenüber des Waldschwimmbads, geliefert. Umgesetzt hat es der aus der Ukraine stammende Muralkünstler Viacheslav Balabaiev. „Ich habe ihn bei einem Newcomer-Festival in Frankfurt kennengelernt“, erzählt Miruna Costa. Sie sei so begeistert von seinen Arbeiten gewesen, dass sie ihn gefragt habe, ob er das Projekt in Neu-Isenburg übernehmen wolle. Balabaiev gehört zum Frankfurter Graffiti- und Mural-Team Farbaholix, das auf großformatige Wandgestaltungen spezialisiert ist. Sein Neu-Isenburger Werk steht unter dem Motto „Another World is Possible“ (Eine andere Welt ist möglich) – ein Gedanke, der sich als verbindendes Motiv durch das „ENSO“-Projekt zieht. Er lädt dazu ein, über die Zukunft des Planeten Erde und die eigene Verantwortung nachzudenken. Bevor Viacheslav Balabaiev überhaupt mit seiner Arbeit starten konnte, baute Andreas Graf, Geschäftsführer der Malerbetrieb Graf GmbH, ein Gerüst auf und grundierte die vorher weiße Wand mit von ihm gesponserter königsblauer Farbe.
Passend zum Thema „Luft“ ist vor der neu gestalteten Wand die Soundinstallation des Künstlers Lasse-Marc Riek zu hören. Aus dem Baum gegenüber erfüllen vielfältige Geräusche den Platz. Wer sich konzentriert, kann den menschlichen Atem ausmachen. Aber auch viel Undefinierbares ist da zu hören: „Riek hat unter anderem die Geräusche im Innern von Baumstämmen aufgenommen, die sich im Wind bewegen, und das Geräusch, das Windräder erzeugen“, erklärt die künstlerische Leiterin.
Tonkünstler Lasse-Marc Riek
Ein halbes Jahr werden die Aufnahmen zu hören sein. „Die Klangarbeit richtet die Aufmerksamkeit auf die akustische Seite eines Elements, das normalerweise unsichtbar bleibt“, erläutert Miruna Costa.
„Mit ‚ENSO‘ bringen wir Kunst bewusst an Orte, die zum Alltag der Menschen gehören. Die Wandmalerei richtet den Blick auf etwas, das ständig um uns ist und doch kaum wahrgenommen wird“, betont Landrat Oliver Quilling bei einer ersten Besichtigung. „Die Luft verbindet unser unmittelbares Lebensumfeld mit einer Verantwortung, die weit über den Augenblick hinausreicht“, führt er weiter aus. Zunächst war es nicht ganz sicher gewesen, ob man einen geeigneten Ort für das Wandgemälde finden konnte. „Besonders geholfen haben mir Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner und Stephan Burbach, Geschäftsführer der Gewobau, der das bemalte Haus gehört“, berichtet Miruna Costa dankbar. Nun ist sie sehr froh, dass sie in ihrer Heimatstadt Neu-Isenburg eine bleibende Erinnerung an das viel beachtete Kreisprojekt realisieren konnte.

Weitere Informationen zu „Mensch, Natur, Zusammenhalt – ENSO“ gibt es im Internet unter www.kreis-offenbach.de/enso.