Stand: 21.09.2026, 08:25 Uhr

Schon während seinem Werdegang als Fußballer merkte Thomas Hitzlsperger: „Ich bin anders.“ Doch zu seiner Homosexualität bekannte er sich erst nach dem Karrierende. In einem Podcast rekapitulierte der Ex-Kicker nun seinen Weg dahin - und „die Hölle“, die er bis dahin teils durchmachte.
Fußballspieler, die sich als schwul geoutet haben, kann man bis heute an einer Hand abzählen. Der wohl prominenteste Fall ist Thomas Hitzlsperger, der sich im Januar 2024, nach dem Ende seiner Karriere, zu seiner Homosexualität bekannte. Im Podcast „Wie geht's? Mit Robin Gosens“ dachte der Ex-Nationalspieler nun an diese Entscheidung und die prägende Zeit davor zurück.
Mit „Mitte, Ende 20“ habe Hitzlsperger festgestellt, „ich passe nicht mehr rein und die Kabine ist nicht mehr mein Feld. Ich bin anders.“ Anders als seine Mitspieler habe er damals nicht rausgehen wollen, um eine Freundin zu finden. Für ihn habe sich damals herauskristallisiert: „Ich will einen Freund kennenlernen. Und das geht nicht.“ Vertrauenspersonen in der Kabine oder im Klubumfeld seien aber Mangelware gewesen: „Ich habe gemerkt, da ist keiner, dem ich vertraue, mit dem ich drüber reden kann.“
Thomas Hitzlsperger über Zeit vor Coming-out: „Da hat es mich echt zerrissen“
Besonders schlimm habe sich die Lage nach seinem Weggang vom VfB Stuttgart im Januar 2010 entwickelt. „Dann bin ich nach Lazio gewechselt und da hat es mich dann echt zerrissen“, erinnerte sich Thomas Hitzlsperger im Gespräch mit Robin Gosens. Als ihn seine neuen Mitspieler bei Lazio Rom einluden („Ich habe ein paar Mädels eingeladen“), habe er sich nur gedacht: „Wie kommst du jetzt aus der Nummer raus?“ Diesen inneren Stress habe irgendwann auch sein Körper widergespiegelt, beschrieb der 44-Jährigen plötzlich auftretende Schweißattacken.
„Ich dachte, ich muss raus hier“, habe er relativ zügig für sich festgestellt, aber: „Ich kann dem Trainer nicht erklären: 'Ich habe ein Problem, habe massive Ängste und schwul bin ich auch noch.'“ Insofern sei die Halbserie bei Lazio Rom für Hitzlsperger „echt die Hölle“ gewesen. Gleichzeitig sei ihm damals klar geworden: „Du kannst es nicht mehr verdrängen.“ Trotzdem habe er seine sexuelle Orientierung eine „Zeit lange geleugnet“, erklärte der Ex-Fußballer. Nach seiner Kindheit in einem katholischen Elternhaus habe er gedacht, „eines der schlimmsten Dinge ist schwul zu sein und dann trifft es mich“.
Thomas Hitzlsperger wollte nicht „vor einer großen Öffentlichkeit scheitern“
Doch irgendwann wagte Thomas Hitzlsperger den ersten Schritt und öffnete sich gegenüber seiner Familie und seinen Freunden. Trotz der positiven Reaktionen darauf, habe er sich nie vorstellen können, „dass in dem Moment, wo ich das ausspreche, in der Kabine oder öffentlich, dass ich dann noch gut Fußball spielen kann“. Er habe aber auch keinesfalls „vor einer großen Öffentlichkeit scheitern“ wollen. Den richtigen Zeitpunkt für das öffentliche Coming-out zu wählen habe ihn Jahre gekostet, so Hitzlsperger.
Ausgerechnet eine schwere Verletzung brachte 2010 dann den Wendepunkt. „Diese sechs Monate haben mein Leben verändert“, erinnerte sich der einstige Nationalspieler an die Reha am Tegernsee: „Das war mit die schönste Zeit meines Lebens.“ Während seiner letzten Station beim FC Everton lebte er dann 2013 auch schon in einer Beziehung - und outete sich im Januar 2014 nach dem Ende seiner aktiven Karriere als schwul.
„Es hat so einen großen Wert für mich: Niemand kann mich irgendwie kompromittieren“, bilanzierte Thomas Hitzlsperger heute über sein damaliges Vorgehen. „Wir haben uns in diesem Thema weiterentwickelt, aber es wird nie einen Zustand geben, wo das kein Thema ist und alle super-tolerant sind“, schätzte er den aktuellen Umgang mit Homosexualität im Fußball ein. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)