HSV
„Wäre ein Brett gewesen“: So schaffte der angeknackste HSV den Befreiungsschlag
Nach den deutlichen Pleiten stand der HSV gegen den 1. FC Köln unter Druck. Warum die Defensive im Volksparkstadion plötzlich zum entscheidenden Faktor wurde.
Die am Freitag verkündete Vertragsverlängerung von Merlin Polzin und seinem Trainerteam sollte Kräfte verleihen. Am Samstag erfolgte, was das Ergebnis und vor allem die defensive Leistung betrifft, ein weiteres Statement: Der HSV gewann am Samstag trotz anfänglicher Probleme mit 2:1 (1:0) gegen den 1. FC Köln und somit erstmals in dieser Bundesliga-Saison. Es kam im ausverkauften Volksparkstadion zum erhofften Befreiungsschlag vor der Länderspielpause.
Jordan Torunarigha sackte nach dem Schlusspfiff nur noch zu Boden und lag flach auf dem Rücken. Um ihn herum drückten sich die Hamburger und klatschten ab. Es waren Gesten der Erleichterung, die sich beim Feiern, Hüpfen und Mitsingen vor der Nordtribüne fortsetzten. Wenig später kamen Worte hinzu.
„Ich glaube, das hast du richtig gemerkt heute“, beantwortete Nicolai Remberg eine Frage nach der abgefallenen Anspannung. Der HSV-Kapitän wusste: „Wenn du das jetzt heute hier verloren hättest, wäre nicht die Welt untergegangen. Aber es wäre dann schon ein Brett gewesen.“
HSV gewinnt mit 2:1 gegen den 1. FC Köln
Von Vollgasfußball, den Remberg noch vor dem Anpfiff am DAZN-Mikro angekündigt hatte, war zunächst nichts zu sehen. Zumindest offensiv – denn da fand der HSV in der Anfangsphase nicht statt. Die Kölner hatten nach 20 Minuten 76 Prozent Ballbesitz, die Hamburger standen defensiv tief, waren sich im Anlaufen teils uneinig, wie an den Gesten von Terem Moffi und Fábio Vieira zu erkennen war, und hatten wenige Ideen im Aufbau.
Immerhin: Sie waren gegen den Ball sofort sehr konzentriert und kompakt, was nach den beiden 0:5-Pleiten gegen Mainz und Leipzig als Grundlage dienen sollte. „Wir haben uns so aufgestellt, wie es geplant war“, erklärte Remberg. „Wir haben gesagt: Wir stehen tief und schauen, was vorn passiert.“ Polzin ergänzte: „Es war ein klarer Auftrag, das persönliche Duell zu gewinnen und schneller im Kopf zu sein.“
Capaldo brachte den HSV per Kopf in Führung
Torunarigha, Nicolás Capaldo und Warmedi Omari, der erstmals in dieser Spielzeit startete, ordneten die Hintermannschaft gut. Wenn etwas durchkam, hielt Daniel Heuer Fernandes: gegen Mikey Moore (26.), Said El Mala (37.) und vor allem Thijs Dallinga (38.). Die Parade gegen den Kopfball des FC-Stürmers aus fünf Metern war herausragend. Das 0:1 wäre durchaus folgerichtig gewesen. Doch stattdessen stand es wenig später 1:0 für den HSV, der mit Ausnahme eines harmlosen Vieira-Freistoßes (35.) zunächst nichts annähernd Gefährliches produziert hatte.
Es war ein Eckball von Albert Grønbæk, der plötzlich die Führung einbrachte: Capaldo köpfte aus kurzer Distanz ein (44.) und sorgte für das erste Saisontor des HSV nach 314 Minuten. Die euphorisierte Stimmung zog sich bis zum Pausenpfiff und darüber hinaus, obwohl die erste Hälfte der Hausherren insgesamt eher dünn gewesen war. Die xGoals nach 45 Minuten sprachen eigentlich für Köln (0,56 zu 0,35).
HSV-Joker Poulsen stach sofort zu
Der HSV überstand auch den ersten Schreckmoment des zweiten Durchgangs, eine Großchance von Moore (47.), und präsentierte sich vorn effizient: Yussuf Poulsen drückte eine Hereingabe von Grønbæk nur fünf Minuten nach seiner Einwechslung für Moffi zum 2:0 über die Linie (50.). Auf der Gegenseite verhinderte Heuer Fernandes per Fußabwehr den direkten Anschlusstreffer durch El Mala (52.). Ansonsten war es oft der engagierte HSV-Zugang Zakaria El Ouahdi, der den deutschen Nationalspieler auf dem Flügel erfolgreich stoppte.
Die Hausherren konnten es sich angesichts des Vorsprungs jetzt leisten, in erster Linie sicher zu stehen und auf Konter zu lauern. Poulsen verpasste nach einer starken Einzelleistung das 3:0, weil Marvin Schwäbe etwas dagegen hatte und mit den Füßen klärte (69.). Das 2:1 aus HSV-Sicht fiel wiederum lange nicht, weil der nächste Versuch von El Mala am linken Pfosten vorbeigerollt war (74.) und Torunarigha und Co. generell sehr wach waren.
Auf einmal und nach zwölf Gegentoren an den ersten drei Spieltagen bildete Hamburgs Defensive einen robusten Block. Spät und nach Poulsens nächster Chance (88.) war der Abwehrriegel dann doch geschlagen: FC-Joker Ragnar Ache verkürzte nach einer Flanke von rechts per Kopf (90.). Doch mehr passierte nicht. Der HSV holte rechtzeitig vor der dreiwöchigen Pause seine ersten drei Punkte der neuen Saison.
„Es ist ein schöner Moment für uns“, sagte Polzin. „Ein wichtiger Moment.“ Remberg resümierte: „Ich bin einfach stolz auf die Mannschaft, wie sie das gemacht hat. Das ist nicht selbstverständlich, dann hier so das Spiel zu ziehen. Das war unser Ziel.“ Der HSV hat es erreicht – aber auch nicht mehr. Vorerst bleibt es bei Platz 15. Doch der Stimmungsaufheller soll nachwirken.
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