US-Midterms 2026: Das ist Donald Trumps Zwischenbilanz

Donald Trump und seine Anhänger schwärmen vor den Kongresswahlen Anfang November immer wieder von den „großartigen Erfolgen“, die seine Regierung erzielt habe. Trump stilisiert sich zum „erfolgreichsten Präsidenten aller Zeiten“. Was hat er wirklich erreicht? Eine erste Bilanz in acht Kapiteln.

Erschwinglichkeit: Wo bleibt das Goldene Zeitalter?

Präsident Donald Trumps Sinn fürs Populäre zeigte sich, als er Eierpreise zum Thema machte und seine Landwirtschaftsministerin in Marsch setzte, um die Preise nach unten zu bringen. Eierpreise sind brisant, weil die Leute sie sich gut merken können. Sie waren im März 2025 so hoch wie nie mit 6,27 Dollar für ein Dutzend Eier. Heute kostet das Dutzend nur noch 2,27 Dollar. Für Trump, der Joe Bidens Rekordinflation ins Zentrum seines Wahlkampfes gestellt hatte, beweist das, wie dank seiner Regierung alles günstiger werde.

Nur hält sich die Realität nicht an diese Vorgabe. Viele Preise sind seit Trumps Amtsantritt deutlich gestiegen. Benzin ist um knapp 31 Prozent teurer, Diesel kostet sogar 75 Prozent mehr, und er hat das Potential, andere Preise nach oben zu treiben – denn die Schiffe und Lastwagen, die Güter bringen, fahren mit Diesel.

Die Inflationsrate liegt bei 3,7 Prozent. Sie übersteigt damit nicht nur die Zielmarke der US-Notenbank von zwei Prozent, sondern auch die Lohnsteigerung. Die Preise steigen seit April schneller als die Löhne.

Eier in einem Supermarkt in Chicago im August
Eier in einem Supermarkt in Chicago im AugustAFP

Dabei läuft Amerikas Wirtschaft gut: Die Amerikaner können dem KI-Boom und dem Steuergesetz der Republikaner dafür danken, dass Unternehmensgewinne und Aktienkurse kräftig gestiegen sind. Aber bei vielen kommt der Wohlstandszuwachs nicht an. Sie spüren das Goldene Zeitalter nicht, das das Weiße Haus propagiert. Etwas weniger als die Hälfte der Amerikaner hat keine Aktien. Für viele Niedrigverdiener ist die spezifische Teuerung sogar noch höher, weil Güter, die deutlich teurer geworden sind, einen größeren Teil ihres Budgets beanspruchen.

Trump ist verantwortlich: Sein Krieg mit Iran verteuert Energie. Seine Zölle erhöhen die Verbraucherpreise um rund 0,7 Prozent, schätzt das Yale Budget Lab. Für einen durchschnittlichen Haushalt summieren sich die zusätzlichen Kosten durch die Zölle auf rund 1100 Dollar im Jahr. Forscher der Federal Reserve von New York haben sogar ermittelt, dass die Preise für Güter im Februar wegen der Zölle um knapp drei Prozent höher lagen. Die hohen Staatsschulden, die Trump in rapidem Tempo abzubauen versprach, treiben die Zinsen nach oben und machen damit Häuser und Autos schwerer erschwinglich.

Einer September-Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur AP zufolge sind 73 Prozent der Bürger damit unzufrieden, wie Trump in der Wirtschaftspolitik agiert. Eine Mehrheit von 65 Prozent der amerikanischen Erwachsenen macht inzwischen Trumps Politik stärker für die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten verantwortlich als Faktoren, die außerhalb seiner Kontrolle liegen.

Trumps Kriege: Sich selbst sieht er als Friedensfürst

Bevor Trump sich zu Jahresbeginn entschloss, in Venezuela zu intervenieren und Nicolás Maduro, den Machthaber in Caracas, zu entführen, sodann einen Krieg gegen Iran begann, aus dem er nicht herausfindet, sowie schließlich Kuba militärisch drohte, hoffte er eigentlich auf den Friedensnobelpreis. Er behauptete, niemand habe so viel Frieden in die Welt gebracht wie er. Schon gar nicht die Vereinten Nationen, die immer nur redeten, aber nichts hinbekämen. Er hingegen habe sieben, ja acht Kriege beendet. Manchmal kam der Präsident beim Zählen durcheinander.

Tatsächlich ist ihm zwischenzeitlich zweierlei gelungen: Zum einen konnte er im Sommer 2025 den Zwölftagekrieg zwischen Israel und Iran beenden, nachdem er selbst – gegen seinen ursprünglichen Willen – militärisch interveniert und iranische Atomanlagen bombardiert hatte. Zudem konnte er einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas erzwingen, nachdem die Islamisten die noch lebenden israelischen Geiseln, die am 7. Oktober 2023 in den Gazastreifen verschleppt worden waren, freigegeben hatten.

Trump mit Nobelpreis – nicht seinem eigenen, sondern dem für die venezolanische Oppositionspolitikerin Corina Machado
Trump mit Nobelpreis – nicht seinem eigenen, sondern dem für die venezolanische Oppositionspolitikerin Corina MachadoReuters

Von einem Frieden im Nahen Osten kann freilich keine Rede sein. Im Gazastreifen kommt die Entwaffnung der Hamas – erwartungsgemäß – nicht voran. Und gegen Iran schlugen Trump und Benjamin Netanjahu zu Jahresbeginn ein zweites Mal zu. Diesmal ging es darum, das Regime in Teheran zu stürzen. Mehr als ein Personalwechsel und eine militärische Schwächung des Landes wurde aber nicht erreicht. Seither setzt Teheran auf das Nervenspiel in der Straße von Hormus.

Trump nimmt darüber hinaus für sich auch in Anspruch, folgende Kriege beendet oder verhindert zu haben: die (gewaltsamen) Konflikte zwischen Kambodscha und Thailand, Serbien und dem Kosovo, Kongo und Ruanda, Pakistan und Indien, Ägypten und Äthiopien sowie Armenien und Aserbaidschan. Richtig ist, dass entweder Trump oder seine Leute mit den Konfliktparteien telefonierten – und auch Drohungen aussprachen, etwa indem sie Strafzölle ankündigten. Inwieweit jeweils die amerikanische Diplomatie allerdings der entscheidende Faktor bei der Konfliktentschärfung war, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen.

Nachdem Trump mehrfach Armenien mit Albanien verwechselt hatte, wurde Edi Rama, der albanische Ministerpräsident, dabei gefilmt, wie er sich in Gegenwart von Ilham Alijew, dem Präsidenten Aserbaidschans, und Emmanuel Macron darüber lustig machte, dass Trump behauptet habe, einen Krieg zwischen Baku und Tirana beendet zu haben.

Einwanderung: ICE trieb den Kampf gegen Migranten auf die Spitze

Kaum ein Versprechen war Trump im Wahlkampf so wichtig wie der Kampf gegen illegale Einwanderung. Er kündigte die größte Abschiebeaktion der Geschichte an und stellte dabei vor allem Migranten ohne Aufenthaltsstatus in den Mittelpunkt, die straffällig geworden waren. Wer sich illegal im Land aufhalte und Verbrechen begehe, müsse gehen, lautete seine Botschaft. Das Thema und die Unzufriedenheit vieler Wähler mit der Lage an der Südgrenze waren wichtige Faktoren für seinen Wahlsieg.

Nach knapp zwei Jahren im Amt fällt die Bilanz gemischt aus. Laut einer Auswertung offizieller Statistiken durch das Pew Research Center ist die Zahl der illegalen Grenzübertritte an der Südgrenze drastisch gesunken. Im Dezember 2023 zählte die Grenzschutzbehörde unter Trumps Vorgänger Joe Biden noch knapp 250.000 Aufgriffe von Migranten, die illegal aus Mexiko eingereist waren. Im Dezember 2024 waren es rund 47.000, im Dezember 2025 – Trump war ein knappes Jahr im Amt – noch 6.478.

Der Rückgang hat mehrere Gründe, und er begann nicht erst mit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus. Im Jahr 2024 vereinbarten Biden und der damalige mexikanische Präsident López Obrador, die Migration durch Mexiko stärker zu kontrollieren. Auch schränkte die Biden-Regierung das Asylrecht ein. Als Trump im Januar 2025 ins Amt zurückkehrte, rief er an der Südgrenze den nationalen Notstand aus, beauftragte das Militär, bei der Grenzsicherung zu helfen, und schaltete eine App ab, über die Migranten Asyl beantragen konnten.

Auch im Landesinneren zog Trump seinen harten Kurs durch: Die Regierung verstärkte Festnahmen und Abschiebungen von Migranten. Vor allem in Städten, die von Demokraten regiert wurden, gab es Razzien, von denen auch amerikanische Staatsbürger und legale Einwanderer betroffen waren. Auf Kritik stießen Abschiebungen in die Gefängnisse anderer Länder, fehlende ordentliche Verfahren sowie das gewaltsame Vorgehen von Beamten der Einwanderungsbehörde ICE und des Grenzschutzes.

ICE-Beamte halten einen Demonstranten bei einem Protest Mitte Januar in Minneapolis fest.
ICE-Beamte halten einen Demonstranten bei einem Protest Mitte Januar in Minneapolis fest.dpa

Eine Krise erreichte Trumps Einwanderungspolitik im Januar in Minneapolis. Bei Polizeieinsätzen kamen dort zwei US-Bürger ums Leben: Renée Good wurde von einem ICE-Beamten getötet, Alex Pretti von Beamten der Border Patrol. Daraufhin formierte sich eine Bürgerbewegung; am Ende musste Trump seine Beamten aus der Region abziehen. Die Todesfälle lenkten die Aufmerksamkeit auch auf Menschen, die im Gewahrsam der ICE starben.

Laut einer Analyse der Denkfabrik Brookings profitierte Trump in seiner zweiten Amtszeit zunächst von den Sorgen der Bürger um die Grenzsicherheit. Nach der Verschärfung der Politik und den Todesfällen brach die Zustimmung ein, wovon bei den Zwischenwahlen die Demokraten profitieren könnten.

„Drill, baby, drill“: fossile Energie statt Klimaschutz

Präsident Donald Trump hat keinen Hehl daraus gemacht, dass er Klimapolitik für einen großen Schwindel hält. Konsequenterweise beschloss seine Regierung den abermaligen Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen und boykottierte Klimakonferenzen wie die COP 30. Sie kündigte zudem internationale Finanzierungszusagen für den Klimaschutz und drang erfolgreich darauf, Klimaprogramme der Weltbank und anderer multilateraler Organisationen zu beschneiden.

Auch im eigenen Land demontiert Trump die Klimapolitik seiner Vorgänger. Die Umweltbehörde EPA leitete die Rücknahme einer Grundsatzentscheidung aus dem Jahr 2009 ein, wonach Treibhausgase die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen gefährden. Diese Feststellung bildet die rechtliche Grundlage für die Regulierung von Treibhausgasen in den USA. Zugleich hob die EPA unter Präsident Joe Biden erlassene Emissionsgrenzen für Kohle- und Gaskraftwerke sowie Klimaschutzvorschriften für Autos auf.

Ein Kohlekraftwerk in West Virgnia im April 2025
Ein Kohlekraftwerk in West Virgnia im April 2025AP

Auch die staatliche Klimaforschung geriet unter Druck. Die Regierung schränkte die Erhebung von Klimadaten ein, stellte Teile staatlicher Forschungsprogramme ein und entfernte wissenschaftliche Informationen von Regierungswebseiten.

Unter Berufung auf Notstands- und Sicherheitsbestimmungen gewährte die Regierung Kohlekraftwerken, Kokereien und Ölförderanlagen im Golf von Mexiko befristete Ausnahmen von Umweltauflagen.

Trump bremste zudem den Ausbau erneuerbarer Energien: Er strich oder blockierte Förderprogramme für Windkraft, Solarenergie und Elektroautos, die unter Biden mit dem Inflation Reduction Act eingeführt worden waren. Stoppen konnte er den Ausbau aber nicht. Dank eigener Förderprogramme der Bundesstaaten wächst der Anteil der erneuerbaren Energien weiter. Emissionsarme Energiequellen liefern einschließlich der Kernkraft inzwischen 40 Prozent des Stroms. Weitere 40 Prozent stammen aus Gaskraftwerken. Der Anteil der Kohle sank von knapp 40 Prozent im Jahr 2010 auf zuletzt 17 Prozent.

Die Kernenergie wird wieder gefördert: Der amerikanische Energieminister kündigte jüngst staatliche Kredite von bis zu 4,2 Milliarden Dollar für die Modernisierung von Atomkraftwerken in Ohio und Pennsylvania an. Die Regierung will die Stromerzeugungskapazität der Kernkraft bis 2050 auf 400 Gigawatt vervierfachen. Dafür sollen bestehende Kraftwerke modernisiert und erweitert sowie zehn neue Reaktoren gebaut werden.

Die Förderung fossiler Energieträger will Trump durch Deregulierung entfesseln. Die Erdgasförderung erreichte im vergangenen Jahr einen neuen Rekord und trug damit auch zur Versorgung Europas bei. Zudem sind die Vereinigten Staaten zum größten Ölförderer der Welt aufgestiegen. Sie fördern rund 16 Prozent des weltweiten Rohöls, nach nur sieben Prozent Mitte der Zweitausenderjahre. Als großer Nettoexporteur profitiert das Land von der globalen Energiekrise: Höhere Gewinne, Vermögen und Einkommen machen die inflationsbedingten Kaufkraftverluste der Verbraucher mehr als wett, zeigt eine jüngst veröffentlichte Studie.

Elon Musk und DOGE: die Mär von der Billionenersparnis

Donald Trump gründete das Department of Government Efficiency (DOGE) am ersten Arbeitstag seiner zweiten Amtszeit per Dekret. Unter Führung des Unternehmers und Multimilliardärs Elon Musk wollte DOGE zwei Billionen Dollar des Sieben-Billionen-Dollar-Bundesetats einsparen, die Verwaltung straffen und modernisieren und die Belegschaft reduzieren. Später schrumpfte Musk das Sparziel auf eine Billion und schließlich auf 150 Milliarden Dollar. Ob überhaupt Einsparungen erreicht wurden, ist unklar.

DOGE gab an, allein bei Verträgen, Fördermitteln und Mietverträgen des Bundes 110 Milliarden Dollar eingespart zu haben. Doch viele Angaben sind unbelegt oder falsch. Laut eines Berichts des Rechnungshofs GAO lassen sich 96 Prozent der behaupteten Einsparungen bei Fördermitteln nicht nachvollziehen. Manche Kürzungen waren zudem schon vor der Gründung von DOGE beschlossen worden.

Elon Musk im März 2025 in Washington
Elon Musk im März 2025 in WashingtonAP

Rund 270.000 Bundesbedienstete verloren ihre Stelle, etwa zehn Prozent der Belegschaft. Das könnte jährlich rund 40 Milliarden Dollar sparen. Im Jahr 2025 sah man davon allerdings nichts. Die Staatsausgaben stiegen 2025 um 275 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr.

Wie viel sich von den Personalkosteneinsparungen materialisieren wird, ist unklar: Einige voreilig gefeuerte Bedienstete wurden zurückgeholt, die Arbeit von anderen erledigen nun private Dienstleister. Einnahmeverluste drohen, weil die Steuerverwaltung knapp 30 Prozent ihrer Mitarbeiter einschließlich Tausender Steuerfahnder verlor.

International sichtbar wurde DOGE, als die Trump-Regierung die Entwicklungshilfebehörde USAID zerschlug. 2025 wurde die Entwicklungshilfe auf 30 Milliarden Dollar halbiert, im Fiskaljahr 2026 budgetierte der Kongress aber wieder 50 Milliarden Dollar.

„Ich bin eure Vergeltung“: der Kampf gegen politische Gegner

Schon im Wahlkampf hatte Donald Trump seinen Wählern versprochen: „Ich bin eure Vergeltung.“ Er will sich an Personen und Institutionen rächen, die sich ihm und seiner MAGA-Bewegung in den Weg gestellt hatten. Laut einer mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Recherche von Reuters waren bis November 2025 bereits 470 Personen und Institutionen Ziel staatlicher Maßnahmen oder persönlicher Angriffe von Trump geworden. Dazu gehören frühere Mitarbeiter, Politiker, Anwaltskanzleien, Medien, Demonstranten und auch Richter und Staatsanwälte.

Gegen den früheren FBI-Chef James Comey und New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James etwa leitete das Justizministerium auf Trumps Wunsch Ermittlungen ein. Anwaltskanzleien, die Trump-Gegner vertreten oder die von ihren Diversity-Initiativen nicht lassen wollen, gerieten ebenfalls ins Visier. Trump drohte ihnen mit dem Entzug von Regierungsaufträgen. Immer wieder hat der Präsident auch Richter nach nicht genehmen Urteilen öffentlich attackiert. Medien verklagte er auf Milliardenbeträge, Journalisten wie etwa die von CNN wurden von Presseterminen ausgeschlossen.

Der frühere FBI-Chef James Comey im Juni 2017 in Washington
Der frühere FBI-Chef James Comey im Juni 2017 in WashingtonAP

Besonders weit reicht die Kriminalisierung politischen Widerspruchs. Die Direktive NSPM-7, „Countering Domestic Terrorism and Organized Political Violence“, beauftragt Bundesbehörden, Netzwerke angeblich linksextremer Gewalt zu verfolgen. Als ideologische Kennzeichen nennt sie unter anderem Antikapitalismus und Gegnerschaft zu Religion. So können auch legale politische Aktivitäten unter Terrorismusverdacht gestellt werden.

Wie weit die von Kritikern als politische Justiz bezeichnete Strafverfolgung bereits verschärft wurde, zeigte der Prozess gegen Teilnehmer einer Anti-ICE-Protestaktion in Texas, bei der ein Polizist angeschossen worden war. Acht Angeklagte wurden wegen Terrorismusunterstützung und weiterer Delikte zusammen zu 450 Jahren Haft verurteilt.

Kampf der akademischen Elite: Die Universitäten sollen gehorchen

Ein anderes Feld, auf dem Trump seinen Kulturkampf wie auch den Kampf gegen vermeintliche Feinde führt, ist die Hochschulpolitik. Viele Konservative und die MAGA-Bewegung betrachten Colleges und Universitäten als Hochburgen des Linksliberalismus. Immer neue Vorwürfe sollten Trump in der zweiten Amtszeit Hebel liefern, um sie politisch auf Linie zu bringen: Diversitätsprogramme, Transgender beim Sport, politisch engagierte ausländische Studenten oder der teilweise tatsächlich vorhandene Antisemitismus. Milliarden Dollar an Forschungsgeldern wurden inzwischen eingefroren oder gestrichen.

Protest gegen die Politik der Regierung in Boston im Juli 2025
Protest gegen die Politik der Regierung in Boston im Juli 2025EPA

Jüngst kündigte Vizepräsident J. D. Vance Ermittlungen gegen neun Spitzenuniversitäten an, darunter Harvard, Yale, Stanford und das MIT. Sie sollen das Visaprogramm für ausländische Wissenschaftler missbraucht und in großem Stil amerikanische Arbeitnehmer benachteiligt haben. Belege für systematische Verstöße legte die Regierung bislang nicht vor.

Mit besonders viel Energie führt Trump die Kampagne gegen Harvard. Wegen angeblich unzureichender Maßnahmen gegen Antisemitismus entzog seine Regierung der Universität mehr als zwei Milliarden Dollar Forschungsförderung. Ein Gericht erklärte die Kürzungen für rechtswidrig, doch die Regierung legte Berufung ein. Andere Hochschulen, darunter Columbia und Brown, wollten ihre Fördergelder retten, indem sie millionenschwere Vergleiche und politische Auflagen der Regierung akzeptierten, wie etwa neue Zulassungsstandards und die Offenlegung bestimmter Studentendaten.

Die Folgen von Trumps Kulturkampf für die Wissenschaft sind quantifizierbar: 2025 wurden laut dem Magazin „Nature“ mehr als 7800 Projektförderungen gestrichen oder eingefroren. Anfang 2026 waren noch rund 1,4 Milliarden Dollar an zugesagten Mitteln blockiert, einzelne Medienberichte sprechen von wesentlich höheren aktuellen Zahlen. Auch die National Institutes of Health (NIH) vergaben in diesem Jahr deutlich weniger Zuschüsse für medizinische Forschung. Mehr als 25.000 Beschäftigte verließen im vergangenen Jahr die Wissenschaftsbehörden in Washington und den Bundesstaaten. Eine landesweite Statistik über ausgewanderte Professoren gibt es dagegen nicht.

Selbst wenn Gerichte Kürzungen immer wieder stoppen, führen die Unsicherheit über die künftige Finanzierung von Projekten, der Stellenabbau und Einschränkungen bei Visa dazu, dass Forschungsvorhaben scheitern und Wissenschaftler aus dem Ausland abgeschreckt werden.

Architektur der Macht: Wird Washington zu Trumpington?

In der Hauptstadt will Trump sich selbst so viele Denkmale setzen wie möglich, der Architektur und Stadtplanung seinen Stempel aufdrücken. Für seinen erträumten Ballsaal am Weißen Haus wurde bereits der historische Ostflügel abgerissen. Denkmalschützer und lokale Behörden bekämpfen die Vorhaben, immer wieder verzögert sich der Umbau zur MAGA-Metropole.

Da ist etwa der geplante, 76 Meter hohe Triumphbogen am Potomac. Er soll den Pariser Arc de Triomphe überragen und würde die historische Sichtachse zwischen Lincoln Memorial und Nationalfriedhof Arlington unterbrechen. Arlington County hat dagegen geklagt: Die Regierung habe Umwelt- und Sicherheitsrisiken unzureichend geprüft.

Trump mit einem Modell seines gewünschten Triumphbogens im Oktober 2025
Trump mit einem Modell seines gewünschten Triumphbogens im Oktober 2025AFP

Auch das Kennedy Center ist zum Schauplatz von Trumps Baupolitik und seines Kulturkampfes geworden. Trump übernahm den Vorsitz des Kulturzentrums und ließ seinen Namen an der Fassade anbringen. Ein Bundesrichter untersagte die Umbenennung. Nun soll das Kennedy Center zwei Jahre lang renoviert werden. Trump deutete mehrfach an, dass ein Abriss im Bereich des Möglichen liege, konkrete Pläne sind aber nicht bekannt. Künstler und Ensembles hatten sich seit Trumps Übernahme immer mehr von der Institution abgewandt, die Ticketverkäufe waren eingebrochen.

Zur Umgestaltung Washingtons gehört nach dem Willen Trumps auch eine neue offizielle Geschichtserzählung. In seinem geplanten „Garden of Heroes“ sollen eines Tages fast 250 Persönlichkeiten geehrt werden, darunter so gegensätzliche Personen wie Martin Luther King und Präsident Andrew Jackson, der im 19. Jahrhundert verantwortlich für die genozidale Politik gegen indigene Völker war. Zugleich ließ Trump einige Denkmale der Konföderierten wieder aufbauen.

Bauarbeiten am Weißen Haus im August
Bauarbeiten am Weißen Haus im AugustAFP

Während der Präsident bei seinem Ballsaalprojekt oder bei der Neugestaltung des Kennedy Centers den klassizistischen Monumentalstil und Goldornamente bevorzugt, ist die Zukunft wichtiger Zeugnisse der amerikanischen Moderne ungewiss. Bundesgebäude aus der New-Deal-Ära, in denen sich bedeutende Wandgemälde finden, könnten zur Disposition stehen, ebenso das berühmte Saarinen-Terminal des Dulles-Flughafens, den Trump gern nach sich selbst benennen würde.

Der Architekturkritiker Philip Kennicott sah in der „Washington Post“ in Trumps Umbauplänen einen Angriff auf die republikanische Gestaltungstradition der Stadt. Wo einst Schlichtheit und offene Sichtachsen für Würde und demokratische Ideale gestanden hätten, setze Trump auf Monumentalität und persönliche Selbstdarstellung. Wie viel davon er verwirklichen kann, entscheiden am Ende auch die Gerichte.