Stand: 23.10.2026, 20:00 Uhr
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In Hessisch Lichtenau müssen mehr als 11.000 Menschen ihr Leitungswasser abkochen. Daher steigt die Nachfrage nach Flaschenwasser. So ist die Stimmung bei den Anwohnern.
Hessisch Lichtenau – Leitungswasser muss in Hessisch Lichtenau und einigen Stadtteilen weiter abgekocht werden. Laut Stadt gilt das wohl bis Mitte nächster Woche. Mehr als 11.000 Menschen sind davon seit nun einer Woche betroffen. Das sorgt dafür, dass viele Menschen sich mit Wasservorräten aus den Supermärkten eindecken. Ein Stimmungsbild am Rewe-Markt am Freitag (23. Oktober).
„Bis jetzt geht es noch, ich kann mich bislang nicht beschweren“, sagt Elke Schmidt (66) aus der Kernstadt Hessisch Lichtenau. Trotz der Verunreinigung des Trinkwassers mit E.-coli-Bakterien macht sie sich bislang keine größeren Sorgen. „Ich habe immer mehrere Kästen im Keller stehen. Das macht mir noch keine Sorgen.“ Im Supermarkt kauft sie daher nur Wasser zum Kochen und Abwaschen von Lebensmitteln ein.

Auch Lydia Leimeroth (62) aus Velmeden kommt mit der Situation zurecht. „Man muss rechtzeitig planen. Das ist das Wichtigste“, sagt sie. Ihr Trinkwasser bestellt sie vorausschauend online bei Rewe. Kritik übt Leimeroth aber an der Informationspolitik der Stadt. Mir hat nicht so gefallen, wie die Stadt Lichtenau informiert hat“, sagt die 62‑Jährige. Ihrer Ansicht nach seien die Informationen hauptsächlich über soziale Medien und die Warn-App NINA verbreitet worden. Gerade ältere Menschen ohne Smartphone könnten dadurch Schwierigkeiten haben, von der Verunreinigung zu erfahren.
Bei der Umfrage zeichnete sich generell eine eher entspannte Stimmung der Hessisch Lichtenauer ab. Die Anwohner der betroffenen Stadtteile wüssten mittlerweile mit der Situation umzugehen. Als störend empfunden wird die Verunreinigung von der Großzahl der Befragten zwar schon, aber Grund zur Sorge äußerte niemand.
Leitungswasser drei Minuten kochen
Bis zur Entwarnung muss das Leitungswasser in der Hessisch Lichtenauer Kernstadt sowie in den Stadtteilen Quentel, Fürstenhagen, Hirschhagen, Föhren, Friedrichsbrück, Walburg und Velmeden mindestens drei Minuten lang sprudelnd gekocht werden. Nur dann ist es trinkbar. Beachtet werden sollte das auch beim Waschen von Obst und Gemüse, der Zahnpflege, der Zubereitung von Säuglingsnahrung und Eiswürfeln. Mit Hochdruck werden laut Stadtverwaltung die betroffenen Leitungen gespült und fortlaufend Wasserproben entnommen, um die einwandfreie Trinkwasserqualität sicherzustellen. Voraussetzung für die Aufhebung des Abkochgebots sind unauffällige Kontrollproben sowie die Freigabe durch das Gesundheitsamt.
Nachfrage nach Wasser stark gestiegen
Während die Stimmung im örtlichen Rewe-Getränkemarkt mittlerweile gelassen ist, sah das Ende vergangener Woche noch anders aus. Die Nachfrage nach Flaschenwasser stieg stark an. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Fünf-Liter-Wasserkanistern. Während Marktleiterin Tina Goebel (40) normalerweise nur vier bis fünf davon am Tag verkauft, sind es derzeit rund 200. „So eine Nachfrage habe ich hier noch nicht erlebt“, sagt Goebel. Bereits am Samstagabend habe der Ansturm auf das Flaschenwasser begonnen. „Zeitweise waren die Vorräte innerhalb von nur zwei Stunden aufgebraucht.“
Um die Versorgung sicherzustellen, hat Goebel zusätzliche Lieferungen organisiert. „Wir versuchen, so schnell wie möglich Nachschub zu bekommen“, erklärt sie. Bereits am Montagnachmittag trafen unter anderem Fünf-Liter-Kanister und stilles Mineralwasser ein. Doch schon am Abend waren die Vorräte erneut aufgebraucht. Eine weitere Lieferung am Dienstagmorgen war bis zum Abend ebenfalls ausverkauft. „Kaum ist die Ware da, ist sie auch schon wieder weg“, sagt die Marktleiterin. Für Goebel sei es hilfreich gewesen, dass die Lieferprozesse von Rewe in solchen Situationen flexibel sind.

Für Freitag hat die Marktleiterin deshalb weiteren Nachschub organisiert. Insgesamt sollen 250 Fünf-Liter-Kanister und vier Paletten stilles Wasser eintreffen. „Damit möchten wir sicherstellen, dass auch am nächsten Morgen noch Wasser erhältlich ist“, sagt Goebel. Bevor die nächste reguläre Lieferung eintrifft, soll die zusätzliche Ware die Versorgung überbrücken.
Trotz der außergewöhnlich hohen Nachfrage bleiben die Kunden nach Beobachtung der Marktleiterin überwiegend ruhig. Viele würden vorsorglich einen zusätzlichen Kanister oder gleich mehrere Sechserträger Wasser mitnehmen. „Die meisten Kunden reagieren verständnisvoll und nehmen einfach das mit, was sie brauchen“, sagt Goebel. (Richard Reinberger/William Abu El-Qumssan)