Wenig Platz, viele Ideen Schlechte Noten für Bernkastel-Kues – So könnte die Stadt mehr für Kinder bieten
Bernkastel-Kues · Für Kinder ist im Ortskern von Bernkastel-Kues nicht genug Platz. Ein Beratungsbüro präsentiert zahlreiche Ideen, um das zu ändern – mit einem in Deutschland einzigartigen Vorschlag.
14.07.2026 , 06:51 Uhr
Der Marktplatz von Bernkastel-Kues.
Foto: TV/Hans-Peter Linz
Es sind erschreckende Zahlen, die Stadtplaner David Knospe im Stadtrat in Bernkastel-Kues vorträgt: Laut der Deutschen Industrienorm 18034 sollte im urbanen Raum pro Einwohner eine Spielfläche von 2,2 Quadratmetern für Kinder ausgewiesen sein.
In Deutschland gibt es für vieles Regeln, in diesem Fall ist die DIN-Norm allerdings nur als Richtlinie gedacht. 2,2 Quadratmeter pro Einwohner würde bedeuten, dass in der Altstadt von Bernkastel theoretisch 1.876 Quadratmeter Fläche für Spielplätze freigehalten werden müssten. Das würde heute etwa dem Platzbedarf von vier frei stehenden Einfamilienhäusern entsprechen.
Klar ist auch: Noch nicht mal ein frei stehendes Einfamilienhaus könnte man in der Bernkasteler Altstadt noch unterbringen, so eng ist deren historischer Bereich bebaut.
Zu wenig Platz für Kinder an der Mosel
Tatsächlich ist damit die Erfüllung dieser DIN-Leitlinie in Bernkastel-Kues völlig illusorisch. Von den insgesamt 834 Einwohnern in der Altstadt machen Kinder bis 13 Jahre einen Anteil von 103 aus, 29 sind Jugendliche von 14 bis 18 Jahren. Dennoch konnten Knospe und seine Kollegen vom Planungsbüro Stadtkinder in Dortmund in der Sitzung ein außergewöhnliches Kinder- und Jugendkonzept vorlegen.
„Das Hauptproblem ist natürlich Platz. Potenzielle Freiflächen herauszufiltern, war dann auch die größte Herausforderung“, sagt Knospe. Vor allem eines habe sich herausgestellt: Die Brücke zwischen Kues und Bernkastel werde von Kindern als Barriere empfunden. Der nächste größere Spielplatz befinde sich aber auf der anderen Moselseite in Kues, in den Moselauen.
Ein schwimmendes Spielschiff auf der Mosel, nur für Kinder?
Daher gebe es besonders in der Altstadt, trotz der Enge, Handlungsbedarf. Insgesamt 26 Maßnahmen haben die Experten aus Dortmund entwickelt. Außergewöhnlich und in Europa so gut wie einmalig wäre der Bau eines Pontons – einer schwimmenden Plattform – auf der Mosel, der als Spielfläche für Kinder fungieren soll.
Damit könnte Bernkastel-Kues sogar ein Alleinstellungsmerkmal für sich beanspruchen. Bislang sei so ein Ponton, allerdings wesentlich kleiner, nur in Amsterdam zu sehen. „Das wäre ein richtiges schwimmendes Spielschiff, das auf dem Wasser eine Spielmöglichkeit bietet“, sagt Knospe.
Auch bei der Inwertsetzung des Tiefenbachs, die ohnehin während der bald anstehenden Umgestaltung des Moselvorgeländes geplant ist, könne man Spielmöglichkeiten für Kinder einbinden.
Am Karlsbader Platz könnte eine Boulderwand geschaffen werden. Interaktive Licht- und Klangkunst wäre ein Thema für den Kirchhof St. Michael, gegebenenfalls mit einem Lesegarten, einer begrünten Sitzecke und einer Bücherbox.
„Bernkastel-Kues ist kein Freilichtmuseum“
Ebenfalls innovativ ist unter anderem der Vorschlag, am Platz „Am Kapuzinerkreuz“ integrierte Trampoline zu installieren. Diese wären dann auf Bodenhöhe. Die große Treppenanlage könnte mit einer Rutschbahn für Kinder ergänzt werden. Am Feuerwehrgerätehaus könnte eine Torwand mit Basketballkorb integriert werden.
Auch das Spitzhäuschen, das als Vorlage für einen Harry-Potter-Film diente, fand bei den Stadtplanern Beachtung. „Die Geschichte und Kultur von Bernkastel-Kues wird nicht kindgerecht vermittelt“, sagt Knospe. Man könnte deshalb einen Entdeckerpfad mit entsprechenden Tafeln einrichten, der auch zum Harry-Potter-Haus führt. Zudem ließen sich Leerstände zeitweise auch für Kinder nutzen, zum Beispiel könne man in Leerstände Tischkicker stellen.
Brigitte Walser-Lieser (SPD), die selbst Kita-Leiterin ist, lobt das Konzept: „Das ist absolut gelungen. Vor 18 Jahren, als ich im Stadtrat anfing, wäre so was noch auf großes Unverständnis gestoßen.“ Klar sei aber auch, wie auch Knospe bestätigt: „Wir spüren den touristischen Nutzungsdruck. Das braucht natürlich eine Balance, Kinder fühlen sich wiederum durch Touristen gestört. Das ist ein großes Spannungsfeld. Bernkastel-Kues ist kein Freilichtmuseum.“
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