Service Navigation
Mauer mitten auf dem Wanderweg Wie ein Frankfurter eine österreichische Gemeinde gegen sich aufbrachte
Eine unscheinbare Gartenmauer verärgert gerade die österreichische Gemeinde Lochau. Was das mit Hessen zu tun hat? Gebaut hat die Mauer ein Frankfurter Unternehmer - und zwar mitten auf einem beliebten Wanderweg.
Malerischer Blick auf den Bodensee vom Pfänder in Lochau (Österreich). Bild © Tobias Weiler-Mattes (hr)
Audio
00:40 Min.|Tobias Weiler-Mattes
Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite
Der Gipfel des Pfänder, auf 1.602 Metern Höhe, bietet einen malerischen Blick auf die umliegenden Allgäuer Alpen und den Bodensee. Doch für viele Menschen in der anliegenden Gemeinde Lochau ist dieser Blick seit zwei Wochen mit einem Umweg verbunden - und einem Ärgernis.
Denn mitten auf dem bislang genutzten Wanderweg steht nun eine Mauer. Gebaut vom Frankfurter Unternehmer Michael Wisser, dem Geschäftsführer des Wisag-Konzerns. Den Worten des Lochauer Bürgermeisters zufolge hat er damit nun die ganze Gemeinde gegen sich aufgebracht. "Wir Lochauer sind alle verärgert, so ein Vorgehen ist beispielslos", sagte der Bürgermeister Frank Matt dem Österreichischen Rundfunk (ORF).
An dieser Mauer geht es auf dem Wanderweg nicht mehr weiter. Bild © Tobias Weiler-Mattes/hr
Wisser-Sprecherin: für "Privatsphäre und Sicherheit"
Eine Sprecherin der Familie Wisser bestätigte der hessenschau auf Anfrage, dass Wisser vor einigen Jahren ein Grundstück am Pfänder gekauft hat, durch dessen Garten der Lochauer Wanderweg verläuft.
"Dass es ein öffentliches Wegerecht für den beliebten Wanderweg gibt, war und ist völlig unstrittig", so die Sprecherin. Sie bestätigt auch, dass eine Mauer gebaut wurde, um "Privatsphäre und Sicherheit" für die Familie zu gewährleisten. Denn in der Vergangenheit sei es vorgekommen, dass Wanderer "sich auf dem Privatgrundstück bewegt" hätten.
Wanderweg umgeleitet
Der Wanderweg sei aber nicht gesperrt worden, sondern lediglich umgeleitet. Man habe "eine nur geringfügig von der ursprünglichen Route abweichende Alternativ-Route geschaffen, um den Wanderern weiterhin eine sichere und ansprechende befestigte Wegstrecke zu ermöglichen".
Tatsächlich führt nun ein neuer, frisch gepflasterter Weg auf der anderen Seite des Wisser-Grundstücks vorbei. Der Umweg ist rund 20 Meter lang. Die Sprecherin der Familie Wisser betont: Man sei im Austausch mit der Gemeinde, um eine bestmögliche Lösung zu finden.
Ein blauer Pfeil auf den Boden zeigt zum neuen, umgeleiteten Weg. Bild © Tobias Weiler-Mattes (hr)
Bürgermeister: "Maßnahme war widerrechtlich"
Der Lochauer Bürgermeister bestreitet das gegenüber dem ORF: "Diese Maßnahme war widerrechtlich, ohne Absprache mit uns", sagte er. Nun prüfe man zivilrechtliche Schritte, um gegen die Mauer vorzugehen.
Auf die Frage des ORF-Reporters, ob man sich auch einen Kompromiss mit Michael Wisser vorstellen könnte, sagte Matt: "Unser einziges Angebot ist, dass er den Wanderweg wieder öffnet, in der alten Form. So schnell wie möglich."