Wie Holthusen bei Schwerin Berlin–Hamburg zum Bahn-Nadelöhr macht

Gedränge, Ärger mit Anwohnern – und die vergebliche Suche nach einer Toilette. Wer hätte gedacht, dass Holthusen bei Schwerin einmal einer der wichtigsten Umsteigebahnhöfe in Norddeutschland sein würde? Jetzt wendet die Deutsche Bahn (DB) zeitweise ein brachiales Mittel an, um die Situation zu entspannen. Offizielle Begründung: die Hitze.

Normalerweise steigen Fahrgäste, die zwischen Berlin und Hamburg mit dem Deutschlandticket unterwegs sind, in Holthusen um. Jedes Mal  drängen sich Hunderte Reisende in der kleinen Station. Doch an diesem Donnerstag und Freitag fahren die Hamburger Züge tagsüber durch. Dann sind dort Anschlüsse von und nach Berlin nicht mehr möglich.

Damit Umsteiger auch den benachbarten Bahnhof Schwerin Süd nicht mehr belasten, gilt dort ebenfalls eine Einschränkung: Die Berliner Regionalexpresszüge stoppen dort heute bis 19.30 Uhr nicht mehr. Dies hatte es bereits Ende Juni gegeben. Damals wie heute verwies die Bahn auf die hohen Temperaturen. Es fehle an Hitzeschutz, heißt es.

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Mit dem Deutschlandticket von Berlin nach Hamburg

In der Tat kommt es immer wieder zu Problemen, weil es wenig Schatten gibt. Fahrgäste, viele von ihnen auf längeren Strecken unterwegs, müssen in der prallen Sonne warten. Manchen Reisenden bekommt das nicht: Sie drohen in der Hitze zusammenzuklappen.

Auf ihrer Internetseite verweist die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) auf die „fehlenden Möglichkeiten, sich während des Umstiegs vor der Hitze zu schützen“. Die ODEG betreibt die Züge der Regionalexpresslinie RE8, die zweistündlich von Berlin nach Schwerin und Wismar fahren.

Bislang stiegen die meisten Fahrgäste nach Hamburg im Schweriner Hauptbahnhof in den Regionalexpress RE1 der Deutschen Bahn um. Doch nach dem neuen Fahrplan, der seit Mitte Juni gilt, verpassen sich die Züge dort knapp. Um nicht eine Stunde warten zu müssen, weichen Umsteiger aus: meist nach Schwerin Süd oder Holthusen.

Bahnhof Schwerin Süd mit einem Zug der Deutschen Bahn. Normalerweise hält hier auch der Regionalexpress RE8 der Ostdeutschen Eisenbahn aus Berlin – derzeit aber nicht.

Bahnhof Schwerin Süd mit einem Zug der Deutschen Bahn. Normalerweise hält hier auch der Regionalexpress RE8 der Ostdeutschen Eisenbahn aus Berlin – derzeit aber nicht.

© Christian Bedeschinski/Deutsche Bahn

Doch diese Stationen sind für so viele Menschen nicht ausgelegt. Auch zwischen Berlin und Hamburg macht das Deutschlandticket dem Fernverkehr Konkurrenz. Mit planmäßig vier Stunden und 13 Minuten ist die Regionalzugreise mit dem RE8 und dem RE1 zwar mehr als doppelt so lang wie die Fahrt im Intercity-Express. Doch Fahrgäste, die sparen wollen oder müssen, nehmen dies und das Umsteigen in Kauf.

So wird vor allem Holthusen alle zwei Stunden von einigen hundert Anschlussreisenden überschwemmt – vor allem an Wochenenden. „Es können 200 Fahrgäste sein, manchmal aber auch 400 und mehr“, so ein Bericht. Obwohl die beiden Bahnsteige 167 Meter lang sind, wirken sie zu kurz. Ein Wetterschutzhäuschen pro Bahnsteig soll ausreichen. Eine Toilette gibt es nicht. Anwohner beschweren sich über Freiluftpinkler.

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Im Bahnhof Schwerin Süd kann es gefährlich werden

„Der Bahnsteig in Holthusen ist zu klein, da er für eine andere Reisendenzahl geplant und gebaut worden war“, bestätigte ein Bahnsprecher. Nicht nur der Infrastrukturbetreiber DB InfraGO, auch die Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (VMV) und das Infrastrukturministerium in Schwerin sehen die Zustände mit Sorge.

Der Deutschlandtakt ermögliche es nicht, den Fahrplan zu ändern, heißt es. Geprüft wird nun, in Schwerin Süd eine provisorische Brücke zu bauen. Bislang müssen Umsteiger dort einen Bahnübergang nutzen. Doch nicht jeder wartet geduldig vor der Schranke. Wenn der Anschlusszug in Sicht kommt, kann es gefährlich werden.

Als die beiden Stationen erneuert wurden, war vom Deutschlandticket keine Rede. Das Abo, das die Nutzung aller Regionalzüge ermöglicht, gibt es erst seit Mai 2023. Zwar stagniert die Zahl der Nutzer bei rund 14 Millionen. Doch das Ticketangebot für mittlerweile 63 Euro pro Monat hat der Bahn Probleme beschert. Züge, die vorher schon gut besucht waren, sind jetzt noch voller. Neue Umsteigerelationen sind entstanden.

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DB warnt: „Mitfahrt kann nicht garantiert werden“

Die Haltausfälle an diesem Donnerstag und Freitag zwischen 8.30 und 19.30 Uhr sollen die Fahrgäste dazu bringen, im Hauptbahnhof Schwerin umzusteigen. Die Deutschlandticket-Reise zwischen Berlin und Hamburg verlängert sich dabei auf fünf Stunden und 13 Minuten. Doch viele Fahrgäste haben die temporären Einschränkungen nicht auf dem Schirm. Sie stranden in Holthusen, wo sie dann zusehen müssen, wie der RE1 nach Hamburg ohne Halt durchfährt.

Unterdessen empfiehlt der DB-Navigator eine andere Route: mit dem RE8 von Berlin nach Ludwigslust, weiter mit der Regionalbahn RB14 nach Hagenow Land, wo der RE1 nach Hamburg übernehmen soll.

Doch die RB14 ist für die Fahrgastmengen nicht ausgelegt. Deshalb rät die Bahn von dieser Verbindung ab und warnt die Reisenden im DB-Navigator davor, dass es zu „Kapazitätsengpässen kommen kann“. „Eine Mitfahrt kann daher nicht garantiert werden“, ist dort zu lesen. Gut möglich, dass sich das Chaos nun in die Regionalbahn verlagert.

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