Am Attersee aufgewachsen zu sein, hieß: so früh wie möglich schwimmen lernen – oder besser: sich über Wasser halten. Der Schwimmunterricht in der Volksschule verfeinerte meine Technik marginal. Stichwort: Kopf-über-Wasser-Kraulen. Dieses „Eh-gut-schwimmen-können-aber-nicht-richtig“ hielt ich durch, bis ich 2011 zum ersten Mal die Attersee-Überquerung bestritt.
Am Attersee aufgewachsen zu sein heißt nämlich auch: zumindest einmal die Überquerung mitzumachen. Gemeinsam mit 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer geht es 2.520 Meter lange von Weyregg bis Attersee. Ein sehr sportliches Event, das man sich so vorstellen kann: Die Neoprenschwimmer preschen vor, der Rest schwimmt in der Gischt der Top-Athleten hinterher. Auch ich damals – brustschwimmend, gemütlich im letzten Drittel.
Für mich war das schließlich ein Anlass ins Wasser zu gehen. Wöchentlich zum Schwimmtraining. Nicht wissend, wie viel Geduld gefragt ist: Die erste Stunde widmete sich ausschließlich dem linken Arm. Die zweite der rechten Armrotation. Dann kamen die Beine dran. Und schließlich wurde kombiniert.
Am Ende der zehnten Stunde konnte ich kraulen, wie zu beweisen war: Bei der nächsten Überquerung stellte ich meinen persönlichen Rekord um 8 Minuten ein, ein Jahr später um 18.
Meine Learnings:
- Beherrscht man die Technik, kann man ewig lang im Grundlagentempo dahinschwimmen.
- Nacken- und Rückenprobleme sind nachhaltig verschwunden.
- Das entschädigt dafür, dass Schwimmen ein einsamer Sport ist. Niemand zum Reden, keine Musik. Macht mental stark.
- Schwimmen formt den Körper. Man muss mit einem Sprung um eine Kleidergröße nach oben rechnen. Die Blusen am Schultergürtel werden enger, aber aus den richtigen Gründen.
- Wortschatzbildung: Ob man mit „Wasserlage, Rotation oder Zugphase“ beeindrucken kann, sei dahingestellt. Aber es klingt kompetent, wenn man erklärt, warum man schon wieder zum Training muss.
Tipp: Beim Kursbuchen auf alle Lagen setzen. Ist abwechslungsreich und man erlernt quasi vier Sportarten auf einmal.
kurier.at, UK | 26.07.2026, 5:45