Gerald Jurasinski ist Professor an der Uni Greifswald und einer der führenden Moor-Forscher in Deutschland. Wie lange das Feuer noch unterirdisch brennt, hängt auch davon ab, wie tief es in den Torfboden eingedrungen ist - je tiefer es brennt, desto länger kann es dauern.
Moore wachsen nur einen Millimeter pro Jahr
Aber der Torf, der durch den Brand verloren gegangen ist, braucht eine lange Zeit - Jahre oder sogar Jahrzehnte. Denn Moore wachsen nur 0,5 bis 1 Millimeter pro Jahr. Bei Projekten der Uni Greifswald konnte nachgewiesen werden, dass mit dem Ausbringen von kultivierten Torfmoosen eine Wiederherstellung der moortypischen Vegetation beschleunigt werden kann.
Jurasinski setzt sich für eine Wiedervernässung von Mooren ein. Nicht nur im Hohen Venn sei das zwingend geboten, sondern bundesweit.
Auch Holger Sticht, der Moor-Experte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sieht die Entwässerung der Moore als großes Problem. Der BUND fordert angesichts der Brände im Hürtgenwald und im Hohen Venn in NRW mehr Tempo bei der Wiederherstellung entwässerter Moore, Wälder und Auen.
So ein Feuer kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern da liegt Fahrlässigkeit vor oder Brandstiftung. Das ist das eine. Das andere ist, dass ein Moor nur brennen kann, wenn es nicht intakt ist. Holger Sticht, Landesvorsitzende und Moor-Experte vom BUND
Feuer im Hohen Venn wirkt sich auf Klimabilanz aus
Die entwässerten Moore in Deutschland würden mehr Treibhausgase emittieren als der Flugverkehr, so Jurasinski. Der Moor-Forscher hat errechnet, dass nur bei diesem einen Brand im Hohen Venn ein Zehntel der deutschen Jahresemissionen aus entwässerten Mooren in die Luft ausgestörmt ist. Das zeigt laut Jurasinski, dass sich Feuer wie im Hohen Venn auf die Klimabilanz auswirken, dass aber auch ohne Brände große Mengen des klimaschädlichen CO2 aus entwässerten Mooren in die Atmosphäre abgegeben werden.