Wie läuft Drohnenabwehr in anderen europäischen Ländern?

Ein Soldat in Frankreich mit einem "NEROD F5"-Jammer zur Drohnenabwehr.

Stand: 12.08.2026 • 14:41 Uhr

Spätestens seit Leipzig ist klar: Deutschland ist nicht zureichend für die Bedrohung durch Drohnen gewappnet. Doch wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus? Wie steht es dort um Erkennung und Abwehr von Drohnen?

Stephan Stuchlik

Nachdem ein mutiger Busfahrer und eine ordentliche Portion Glück wahrscheinlich ein großes Unglück am Leipziger Flughafen verhindert haben, ist die Bundesregierung alarmiert. Nun nimmt sie noch einmal viel Geld in die Hand, um die Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern.

Deutschland sei "late to the party" - spät dran -, so hatte es schon vergangenes Jahr ein hoher NATO-Offizier formuliert. Aber wer sich in anderen europäischen Ländern umsieht, merkt, dass die Verspätung, mit der Deutschland auf die Bedrohung durch Drohnen reagiert hat, nur ein Teil des Problems ist.

Russlands Nachbarn haben Erfahrung mit Kampfdrohnen

Bei der Abwehr großer Kampfdrohnen sind Länder, die an die Ukraine oder Russland angrenzen, etwa Polen und Litauen, aus naheliegenden Gründen die Europäer mit der besten Ausrüstung und der meisten Erfahrung.

Drohnen wie etwa die russische Geran werden im Ukraine-Krieg als Kamikaze-Drohnen eingesetzt. Tauchen sie über einem NATO-Staat auf, muss im Ernstfall schnellstmöglich die Flugbahn berechnet werden, um zu entscheiden, wie hoch die Bedrohung von Menschen oder strategisch wichtigen Einrichtungen ist. Im Zweifelsfall steigen dann entweder Flugzeuge, meist von NATO-Partnern, auf und bekämpfen die Drohne - oder bodengestützte Flugabwehrsysteme übernehmen die Abwehr.

In Polen und Litauen sind zentrale Aufklärungssysteme der NATO installiert, beide Länder gelten im Umgang mit der ständigen Bedrohung an der Grenze als erfahren. Im September 2025 etwa drangen mehrere russische Drohnen in den polnischen Luftraum ein, viele wurden von NATO-Flugzeugen abgeschossen, einige stürzten zu Boden. Die politische Debatte danach war heftig, die Abwehr der Drohnen selbst aber nannte die NATO "weitgehend zufriedenstellend".

Aber auch was das Problemfeld kleiner Drohnen angeht, meistenteils Quadrokopter oder Oktokopter, - sogenannten Baumarkt-Drohnen ähnlich jener, die anscheinend auch in Leipzig zum Einsatz kam - gibt es europäische Länder, die besser als Deutschland aufgestellt sind.

Frankreich mit besserer Voraberkennung

Beim Erkennen eines möglichen kritischen Drohnenvorfalls ist etwa Frankreich ein Land, von dem Deutschland lernen könnte. Frankreich hat bei der Abwehr von Kleindrohnen bereits früh das Augenmerk auf terroristische Angriffe gelegt.

Bei Gefahr im Verzug dürfen Staatsorgane daher Drohnen mit sogenanntem Jamming elektronisch stören oder sogar zerstören, das regelt ein eigenes Gesetz. Mit den Olympischen Spielen 2024 in Paris hat Frankreich ein eigenes Luftlagebild eingeführt, das landesweit autorisierte Drohnen von nicht autorisierten unterscheiden kann.

Dabei bewegt sich Frankreich vom staatlichen Monopol bei der Drohnenabwehr hin zu einem gemischten Modell: Betreiber kritischer Infrastruktur, wie etwa großer Flughäfen, dürfen seit einigen Wochen unter bestimmten Bedingungen selbst Drohnen zum Absturz bringen - und sie dürfen unter strengen Auflagen dazu sogar private Firmen engagieren.

Briten weiter bei der Abwehr

Bei der praktischen Abwehr von Drohnenangriffen ist etwa das Vereinigte Königreich vor allem deswegen wesentlich weiter, weil es zwischen der Kriminalpolizei, der Armee und den lokalen Behörden eine sehr pragmatische Regelung gibt, wer in welchem Fall für die Abwehr einer Drohne zuständig ist.

Grundsätzlich werden solche Angriffe ohne die Royal Air Force, also ohne die Armee, geregelt. Die Kriminalpolizei hat sämtliche Befugnisse von elektronischer Störung einer eindringenden Drohne bis hin zu ihrem Abschuss. Das darf sie auch über kritischer Infrastruktur wie etwa Flughäfen tun.

Erst in einem "besonders gefährlichen Fall", also bei einem ausgesprochen sensiblen Ziel oder einer besonderen Art von angreifender Drohne, wird das Militär hinzugezogen. Nach offiziellen Angaben ist das bisher "selten oder nie" vorgekommen. Diese klare Zuständigkeit sorgt für eine angemessene Reaktionszeit zwischen Gefahrerkennung und Gefahrenabwehr.

Größtes Trainingszentrum in Österreich

Das größte Trainingszentrum für Drohnenabwehr wird in Europa bezeichnenderweise nicht von staatlichen Stellen, von Militärs oder der Polizei betrieben, sondern von einem privaten Anbieter. In Kottingbrunn in Niederösterreich steht eine Anlage, die sich viele Polizeibehörden in Europa auch in ihrem Land wünschen würden.

Denn auch die Ausbildung zur Drohnenabwehr ist ein Nadelöhr. So sehr etwa in Deutschland die technische Ausrüstung sich in den nächsten Jahren voraussichtlich verbessern wird - das Personal muss möglichst praxisnah geschult werden, und das so schnell wie möglich.

Fähigkeiten der EU-Staaten "verbesserungswürdig"

Deutschland fehlen sowohl entsprechende Trainingseinrichtungen, ein einheitliches Lagebild als auch eine praxisnahe Regel dafür, ob Bundespolizei, Landespolizei, Bundeswehr oder andere staatliche Behörden in einem Fall wie Leipzig zuständig ist und unter welchem Umständen Kleindrohnen gestört und attackiert werden dürfen.

Die Bundesrepublik ist nicht gut aufgestellt - doch damit ist sie nicht allein: Die EU bezeichnet die Abwehrfähigkeiten ihrer Mitgliedstaaten bei Kleindrohnen als "verbesserungswürdig". Und die NATO fordert ihre Mitglieder zu einer "möglichst raschen Optimierung der Erkennungs- und Abwehrmöglichkeiten" auf.