Jonny (21) und Steffen (24) wagen den Schritt in die Selbstständigkeit - Wie das geklappt hat.

Die Köpfe wippen im Takt hoch und runter, mit zwei, drei Klicks passt Steffen die Tonspuren an. "Können wir das nochmal machen?", sagt Scherr zu einem ihrer Künstler gewandt. Alle drei nicken und sie setzen neu an. Die drei befinden sich gerade in einer Studiosession in ihrem selbstausgebauten Studio. Musikproduzenten - das sind Jonathan Scherr und Steffen Grieshaber.

Sie sind 21 und 24 Jahre alt und haben sich mit ihrem Studio eine professionelle Existenzgrundlage aufgebaut. Sie gehören damit in die Altersgruppe "Unter 30", die mit 40 Prozent bei Start-ups am stärksten vertreten ist. Das zeigt der KfW-Gründungsmonitor, eine jährliche, repräsentative Bevölkerungsbefragung zum Gründungsgeschehen in Deutschland.

Wie aus einem Traum ein Start-up wurde

Für die beiden ein Traum, an dem sie die letzten zwei Jahre parallel zu ihren Ausbildungen zum Bürokaufmann und Mediengestalter gearbeitet haben. Wände einreißen, neu aufbauen, Estrich gießen, Akustikelemente anbringen und den Innenraum gestalten - das alles liegt nun hinter ihnen und sie sind stolz.

Auch die Eltern unterstützten ihre Söhne im gesamten Prozess, dennoch sei es auch deren eigene Leistung: "Die haben hier schon eine 60- bis 80-Stunden-Woche hingelegt, über zwei Jahre", sagt Steffens Vater Norbert Grieshaber. Alle vier Elternteile der jungen Gründer sind selbstständig und kennen sich dementsprechend aus.

Eltern halfen beim Aufbau des Unternehmens

Für eine Gründung wie diese geht es aber nicht nur um das Finanzielle. Eine Ansprechperson zu haben für alle plötzlich auftauchende Fragen, ist viel wert, weiß Steffens Vater. Er war jahrelang Steuerberater und hat viele Gründungen betreut. Dabei geht es oft um mehr als beim Renovieren Tipps zu geben. Es geht vor Allem darum, die Wirtschaftlichkeit im Blick zu halten.

"Der Schritt vom Kinderzimmer-Produzenten zum Profi-Produzenten bedeutet halt auch, dass ich auch keine Kinderzimmer-Preise mehr nehmen kann." Norbert Grieshaber, Vater von Steffen

Davon leben können Sie noch nicht ganz, aber es läuft so gut, dass das Studio sich trägt. Ohne die Unterstützung der Familie oder eines guten Netzwerks ist eine profitable Gründung fast unmöglich, bestätigt Andrea Schubert von der Wirtschaftsförderung Dortmund: "Hilfe brauchen fast alle, weil Gründer allein nicht alles wissen und abdecken können."

Wie eine Gründung klappen: Netzwerke für Gründer

Es gibt vom Land NRW für Gründer Möglichkeiten, Förderungen zu bekommen. Die Zahl der Bewerbungen für das sogenannte "Gründerstipendium" ist laut NRW-Wirtschaftsministerium aber so stark, dass die Jury aufgrund des Budgets für dieses Jahr keine neuen Förderempfehlungen mehr aussprechen kann. Im Laufe dieses Jahres soll es aber wieder aufgenommen werden.

Förderprogramme und Beratungsangebote

Eine zweite Möglichkeit für Menschen ohne Unterstützung vom Elternhaus ist der Kontakt zur Wirtschaftsförderung der jeweiligen Städte. Andrea Schubert von der Wirtschaftsförderung Dortmund sagt: "Wir unterstützen junge Gründerinnen beim Aufbau ihres persönlichen Netzwerkes, vermitteln Ansprechpartner, Unternehmenskontakte und Finanzierungspartner und bringen sie mit anderen Gründerinnen in Kontakt."

Sie setzen vor allem auf das "voneinander Lernen" und bringen erfahrene Gründerinnen und Gründer, aber auch Beraterinnen und Berater auf Veranstaltungen mit den Neulingen zusammen. Auch beim Centrum für Entrepreneurship & Transfer (CET) der TU Dortmund, können junge Gründer Workshops belegen, etwa um ein unternehmerisches Mindset zu entwickeln.

Wer gründen will, kann bei Events und Angeboten solcher Einrichtungen mitmachen, um in der Gründungsphase nicht allein zu sein.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • WDR-Gespräche mit der Wirtschaftsförderung Dortmund und dem CET
  • KfW-Gründungsmonitor

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 13.08.2026, 19:30 Uhr