Wildtiere im Winter füttern: Diese Fehler sollten Gartenbesitzer vermeiden

Wildtiere und Vögel im Garten füttern: „Mit Sonnenblumenkernen macht man nichts falsch“

Stand: 03.10.2026, 16:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Eine Blaumeise sitzt an einem Futtersilo und hat einen Kern im Schnabel.

Futtersäulen sind eine praktische und hygienische Möglichkeit, Wildvögel zu füttern. © Zoonar/Imago

Im Herbst und Winter wird der Garten für viele Wildtiere zum Rückzugsort. Vögel, Igel und Eichhörnchen freuen sich dann über ein zusätzliches Futterangebot. Entscheidend ist jedoch nicht nur, was angeboten wird.

Meisenknödel und Futterhäuschen gehören in vielen Gärten zur festen Ausstattung. Besonders im Herbst und Winter füttern viele Gartenbesitzer Vögel, Igel, Eichhörnchen und Co. und freuen sich über die vierbeinigen und gefiederten Besucher in ihren Gärten. Bei Schnee und Frost oder in stark bebauten Gebieten sind die Tiere auf diese zusätzlichen Nahrungsquellen angewiesen. Doch nicht jedes Futter ist für jede Tierart geeignet. Worauf Sie achten sollten, wenn Sie Vögel und andere Wildtiere in Ihrem Garten füttern möchten.

Futterstellen für Wildtiere regelmäßig befüllen und sauber halten

Für Wildvögel gilt die Zeit von November bis Februar als klassische Fütterungsperiode. Typische Gäste sind Kohl- und Blaumeisen, Haus- und Feldsperlinge, Buch- und Grünfinken, Amseln, Rotkehlchen, Heckenbraunellen oder Zaunkönige. Auch Eichhörnchen bleiben das ganze Jahr über aktiv. Igel hingegen halten Winterschlaf und benötigen nur in bestimmten Situationen Unterstützung.

Eine feste Temperatur, ab der die Fütterung beginnen muss, gibt es nicht. Unterstützung ist grundsätzlich auch außerhalb der kalten Monate möglich. „Wildvögel lassen sich das ganze Jahr über unterstützen“, sagt Steffi Reckenfeld gegenüber Landtiere.de. Sie ist Sortimentsmanagerin der Raiffeisen-Märkte, wo gerade im Herbst und Winter viel Vogel- und Wildtierfutter verkauft wird. Sie ergänzt: „Im Winter eignet sich vor allem energiereiches Fettfutter. Im Sommer sind zusätzliche saubere Trinkstellen besonders wertvoll.“ Wer im Winter füttert, sollte dies möglichst regelmäßig tun und die Futterstelle konsequent sauber halten.

Für Igel gelten andere Regeln. Gesunde Tiere müssen normalerweise nicht gefüttert werden. Eine vorübergehende Unterstützung kann bei kleinen oder untergewichtigen Igeln sinnvoll sein, die im Herbst noch Reserven für den Winterschlaf aufbauen müssen. Stark abgemagerte, verletzte oder tagsüber aktive Tiere sollten dagegen einer Igelstation oder tierärztlichen Praxis vorgestellt werden. „Was ein Wildtier benötigt, hängt von der Art und der Jahreszeit ab. Im Winter kann bei einigen Tieren energiereiches Futter helfen. Andere benötigen vorrangig Ruhe, Schutz und einen geeigneten Lebensraum“, weiß auch Reckenfeld.

Sonnenblumenkerne, Rosinen und Co.: Das schmeckt Wildvögeln am besten

Nicht jeder Vogel landet mit den gleichen Vorlieben am Futterplatz. Grundsätzlich wird zwischen Körner- und Weichfutterfressern unterschieden. Körnerfresser besitzen kräftige Schnäbel, mit denen sie Samen und Kerne öffnen können. Weichfutterfresser bevorzugen Früchte, feine Sämereien und tierische Nahrung. „Meisen und Finken mögen beispielsweise Nüsse, Kerne und Samen. Amseln und Drosseln nehmen zusätzlich gern Äpfel, Beeren oder ungeschwefelte Rosinen an, während bei Rotkehlchen auch Mehlwürmer auf dem Speiseplan stehen“, erklärt Steffi Reckenfeld.

Fünf Tipps für einen tierfreundlichen Garten im Winter

1. Wasser bereitstellen: Eine flache Tränke mit frischem Wasser hilft auch bei niedrigen Temperaturen. Steine oder Stöcke bieten zusätzliche Landeplätze und Ausstiegsmöglichkeiten.

2. Auf Chemie verzichten: Pestizide und Insektizide können Tiere direkt schädigen. Zudem reduzieren sie Insekten und damit eine wichtige natürliche Nahrungsquelle.

3. Laub- und Reisighaufen erhalten: Unter Laub, Zweigen und Totholz finden Igel, Insekten und andere kleine Tiere Nahrung, Schutz und geeignete Winterquartiere.

4. Stauden stehen lassen: Samenstände versorgen Vögel mit natürlicher Nahrung. In hohlen Stängeln überwintern außerdem zahlreiche Insekten.

5. Hecken und Nisthilfen anbieten: Dichte heimische Gehölze schützen vor Wind, Kälte und Fressfeinden. Nistkästen dienen einigen Vogelarten auch im Winter als geschützter Schlafplatz.

Wer verschiedene Arten ansprechen möchte, kann mehrere Futtersorten getrennt voneinander anbieten. „Mit Sonnenblumenkernen macht man an einer Futterstelle meistens nichts falsch“, ordnet die Expertin ein und fügt hinzu: „Je nach Vogelart können Körnermischungen, energiereiches Fettfutter oder proteinreiche Mehlwürmer dazukommen.“ Meisenknödel eignen sich vor allem für Meisen, Kleiber, Spechte, Sperlinge und viele Finkenarten. Sie sollten jedoch ohne Kunststoffnetz angeboten werden. Darin können sich Vögel mit ihren Füßen oder Krallen verfangen und verletzen. „Brot und Essensreste gehören dagegen nicht an die Futterstelle“, macht Steffi Reckenfeld deutlich. Ebenso tabu sind gewürzte, gesalzene oder verdorbene Lebensmittel.

Sauberkeit und Hygiene schützt Vögel und andere Tiere

Wo viele Tiere auf engem Raum zusammenkommen, können sich Krankheitserreger leichter verbreiten. Deshalb sollte direkter Kontakt der Tiere mit dem Futter möglichst vermieden werden. Besonders gut eignen sich Futtersilos oder Futtersäulen, da die Vögel so nicht im Futter herumlaufen oder es mit Kot verunreinigen können. Gleichzeitig bleibt es besser vor Regen und Schnee geschützt.

Offene Futterhäuser und Schalen sollten möglichst täglich gereinigt werden. Vor dem Nachfüllen sollten Futterreste und Kot entfernt und die Schale mit heißem Wasser gespült werden. Kleine Portionen sind hygienischer als große Mengen, die mehrere Tage liegen bleiben. Vögel, Eichhörnchen und Igel sollten jeweils eigene Futterplätze erhalten. Das berücksichtigt nicht nur ihre unterschiedlichen Bedürfnisse, sondern reduziert auch direkte Kontakte. Werden kranke oder tote Vögel an einer Futterstelle entdeckt, sollte die Fütterung vorübergehend eingestellt und der gesamte Bereich gründlich gesäubert werden, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden.

Wasserstellen auch im Winter regelmäßig befüllen und säubern

Nicht nur Futter kann knapp werden. Bei anhaltendem Frost sind natürliche Wasserquellen für viele Tiere nicht mehr erreichbar. Eine flache Schale mit frischem Wasser dient Vögeln und anderen kleinen Gartentieren als Trink- und Bademöglichkeit. Die Tränke sollte standsicher an einem geschützten, gut einsehbaren Ort stehen. Einige Steine oder stabile Stöcke in der Schale schaffen Landeplätze und sichere Ausstiegsmöglichkeiten. Davon profitieren auch Insekten und kleinere Tiere, die ins Wasser geraten, da sie sich so leichter retten können. Das Wasser sollte täglich gewechselt und die Schale regelmäßig gereinigt werden. Bei Frost muss das Eis entfernt und frisches Wasser nachgefüllt werden. Salz, Frostschutzmittel oder andere Zusätze haben nichts in Wasserschalen für Tiere verloren.

Dieses Futter eignet sich für die Gartengäste

Igel: Geeignet sind hochwertiges, fleischreiches Katzennassfutter ohne Sauce oder Gelee sowie ungewürztes Rührei. Getrocknete Mehlwürmer können in kleinen Mengen ergänzt werden, eignen sich aber nicht als Alleinfutter.

Eichhörnchen: Hasel- und Walnüsse mit Schale, Sonnenblumen- und Kürbiskerne sowie kleine Mengen getrockneter Mais sind geeignet. Ergänzend können Karottenstücke, Apfel oder wenige ungeschwefelte Rosinen angeboten werden.

Meisen, Finken und Sperlinge: Sonnenblumenkerne, Hanf, Hirse, andere Sämereien, Nüsse und Fettfutter entsprechen den Vorlieben vieler Körnerfresser. Meisenknödel sollten grundsätzlich ohne Kunststoffnetz aufgehängt werden.

Amseln und Drosseln: Apfelstücke, ungeschwefelte Rosinen, Haferflocken, Beeren und spezielles Weichfutter eignen sich für diese Arten. Das Futter sollte geschützt und in Bodennähe angeboten werden.

Rotkehlchen, Heckenbraunellen und Zaunkönige: Feine Sämereien, Haferflocken, getrocknete Mehlwürmer und geeignetes Insektenfutter kommen ihrem natürlichen Speiseplan entgegen. Ein geschützter Bodenfutterspender eignet sich besonders gut.

Kleiber und Spechte: Sonnenblumenkerne, Nüsse und Fettfutter werden gerne angenommen. Spechte profitieren von fest angebrachten Futterspendern, an denen sie sich beim Fressen gut abstützen können.

Geschützt und doch gut einsehbar: Der perfekte Ort für die Futterstelle

Ein geeigneter Futterplatz schützt das Futter vor Nässe und ermöglicht den Tieren zugleich einen freien Blick auf die Umgebung. So können Vögel Katzen und andere Gefahren frühzeitig erkennen. Bäume oder Büsche in angemessenem Abstand bieten Schutz, sollten Katzen jedoch keine unmittelbare Deckung zum Anschleichen geben. Auch Fensterscheiben können zur Gefahr werden. Futterspender sollten deshalb nicht so angebracht sein, dass Vögel nach dem Abflug direkt gegen eine Scheibe fliegen. Große Glasflächen sollten für sie durch Aufkleber oder Markierungen als solche erkennbar sein.

Arten wie Amseln, Rotkehlchen und Heckenbraunellen suchen ihre Nahrung bevorzugt in Bodennähe. Ihr Futter sollte jedoch nicht direkt auf feuchter Erde liegen. Besser eignet sich ein überdachter, gut zu reinigender Bodenfutterspender. Frisches Futter sollte sparsam dosiert und entfernt werden, bevor es verdirbt oder Ratten anlockt. Eichhörnchen bevorzugen erhöhte, stabile Futterplätze. Ein Futterkasten sollte so angebracht sein, dass die Tiere ihn sicher erreichen und bei Gefahr schnell verlassen können. „Eichhörnchen mögen im Winter Hasel- und Walnüsse mit Schale, aber auch Sonnenblumen- und Kürbiskerne oder etwas getrockneten Mais. Kleine Mengen Karotte oder Rosinen können das Angebot ergänzen. Im Sommer darf gelegentlich etwas Obst dazukommen“, gibt Steffi Reckenfeld als Tipp. Im Handel gibt es auch fertig gemischtes Eichhörnchenfutter.

Ein Futterplatz für Igel gehört dagegen an eine geschützte Stelle am Boden. Ein spezielles Futterhaus mit verwinkeltem Eingang kann Katzen und größere Tiere fernhalten. Das Futter sollte erst nach Einbruch der Dämmerung bereitstehen. Reste sollten am nächsten Morgen entfernt werden, damit sie keine Ratten anlocken. „Gesunde Igel brauchen normalerweise kein zusätzliches Futter“, sagt die Expertin. „Kleine Tiere oder Igel, die vor dem Winterschlaf noch zunehmen müssen, können zeitweise zugefüttert werden. Getrocknete Mehlwürmer eignen sich dabei als Ergänzung, aber nicht als alleiniges Futter.“ Die beste Unterstützung für Wildtiere ist nicht automatisch ein voller Futternapf. Ein strukturreicher, giftfreier Garten mit heimischen Pflanzen, Laub, Totholz, Wasser und geschützten Rückzugsorten hilft Wildtieren langfristig.

Lesen Sie auch

Warum Chili im Vogelhäuschen der geheime Winter-Trick ist

Geheimtipp für Gartenbesitzer: So locken Sie heimische Vögel noch diesen Herbst an

Rotkehlchen für Ihren Garten anlocken – mit nur einer Zutat, die (fast) jeder zuhause hat

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Wildtiere kann man im Herbst und Winter im eigenen Garten füttern?
Im Herbst und Winter lassen sich vor allem verschiedene Wildvögel wie Meisen, Sperlinge, Finken, Amseln, Rotkehlchen, Heckenbraunellen und Zaunkönige unterstützen. Auch Eichhörnchen können ganzjährig gefüttert werden. Igel benötigen dagegen nur in Ausnahmefällen zusätzliche Nahrung, etwa wenn sie untergewichtig sind und noch Reserven für den Winterschlaf aufbauen müssen.

Warum müssen Wildtiere überhaupt gefüttert werden?
Wildtiere finden in der kalten Jahreszeit oft weniger Nahrung. Besonders bei Schnee und Frost oder in stark bebauten Gebieten können natürliche Futterquellen knapp werden. Zusätzliche Futterangebote helfen dann, den Energiebedarf zu decken. Allerdings sind nicht alle Arten gleichermaßen darauf angewiesen. Manche Tiere profitieren stärker von geschützten Lebensräumen als von zusätzlichem Futter.

Worauf sollte man bei der Fütterung von Wildtieren achten?
Entscheidend sind das passende Futter, hygienische Futterstellen und der richtige Standort. Sonnenblumenkerne eignen sich für viele Vogelarten, während Brot, Essensreste sowie gesalzene oder verdorbene Lebensmittel tabu sind. Futterplätze sollten regelmäßig gereinigt werden, um Krankheiten vorzubeugen. Zudem empfiehlt es sich, für Vögel, Eichhörnchen und Igel getrennte Futterstellen einzurichten.

Wie kann man Wildtiere im Herbst und Winter noch unterstützen?
Neben zusätzlichem Futter helfen vor allem frisches Wasser und naturnahe Gartenstrukturen. Flache Tränken sollten regelmäßig gereinigt und auch bei Frost mit Wasser versorgt werden. Laub- und Reisighaufen, heimische Hecken, stehen gelassene Stauden, Nistkästen sowie der Verzicht auf Pestizide schaffen wichtige Rückzugsorte und natürliche Nahrungsquellen für viele Tierarten.