Wildwuchs bei Mobilfunk Wenn selbst der Kundendienst den Überblick verliert
Ein Fehler entlarvt: Wingo und Migros Mobile teilen sich nicht nur Netz, sondern auch den Kundendienst der Swisscom.
26.08.2026, 08:34
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Was ist passiert? Ein Migros-Mobile-Kunde schreibt dem Kundendienst wegen seines Abos. Die Antwort per E-Mail bezieht sich jedoch auf ein Wingo-Abo, das der Kunde gar nicht hat. Der Kundendienstmitarbeiter hat dies offensichtlich verwechselt. Die Verwechslung legt beim Kunden die Vermutung nahe, dass bei beiden Unternehmen der gleiche Kundendienst zuständig ist. Dies umso mehr, als sowohl Migros Mobile als auch die Swisscom-Zweitmarke Wingo das Mobilfunknetz der Swisscom benutzen.
Was sagt Migros Mobile? Der Mutterkonzern Migros entschuldigt sich auf Anfrage des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» für das Versehen. Man habe den Fall geprüft und Massnahmen ergriffen, damit solche Fehler «künftig möglichst vermieden werden». Und: Der Kundendienst von Migros Mobile und Wingo sei im gleichen «organisatorischen Bereich» bei der Swisscom angesiedelt. Es seien für die Marken jedoch unterschiedliche Teams und Fachspezialisten am Werk.
Was sagt die Swisscom? Der Konzern erklärt, die Kundenbetreuung von Wingo, Migros Mobile und auch Coop Mobile sei bei ihnen im Bereich «Zweit- und Drittmarken» organisiert. Da gebe es beim Kundendienst «gewisse Überschneidungen». Der Swisscom ist es aber wichtig festzuhalten, dass die Kundenbetreuung der Hauptmarke Swisscom von diesem Bereich getrennt ist. Zudem seien die Kundendienste von Migros Mobile und Coop Mobile getrennt. Eine Verwechslung hier wäre wohl bedeutend peinlicher als im Fall des Migros Mobile Kunden mit Wingo.
Wieso das ganze Durcheinander? Bis Ende der 1990er-Jahre war der Mobilfunkmarkt in der Schweiz sehr übersichtlich – es gab einen Anbieter, die damalige PTT. Mit der Privatisierung der Swisscom und dem Markteintritt von Diax und Orange gab es daraufhin aber bald drei, die eigene Netze betrieben. Dabei ist es bis heute geblieben, Diax wurde später zu Sunrise, Orange zu Salt. In der Folge gab es jedoch weitere Marktteilnehmer – die drei Netzbetreiber gründeten einerseits eigene Submarken, weitere Anbieter mieten ausserdem die Benutzung der bestehenden Netze. Wie Oliver Zadori vom Vergleichsdienst Dschungelkompass sagt, gibt es zurzeit über 20 verschiedene Anbieter – die Zahl sei aber seit einigen Jahren stabil.
Das waren noch Zeiten: Das übersichtliche Mobilfunkangebot in einem Zürcher Elektronikgeschäft im Jahr 2000.
KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT
Was bringt es den Anbietern? Mit ihren eigenen Zweitmarken hätten Swisscom, Sunrise und Salt ein eigenständiges Angebot im Portfolio, mit dem sie andere Kundengruppen ansprechen könnten als mit der Hauptmarke, so Oliver Zadori. So können sie zum Beispiel dort Aktionen bei Abos durchführen und bei der Hauptmarke gleichzeitig eine andere Strategie fahren. Das Vermieten der Netze an Drittmarken wie Migros, Coop, Lidl oder Aldi Mobile generiert dagegen einfach Einnahmen. Die Zusammenarbeit beim Kundendienst bei den Drittmarken führt laut der Swisscom zudem dazu, dass «gemeinsame Grundlagen und Kompetenzen» genutzt werden können.
Was bringt es den Kunden? Auch hier verweisen Migros und Swisscom auf «eingespielte Service- und Supportprozesse» respektive auf «professionelle Betreuung». Davon abgesehen ist die grosse Auswahl zwar unübersichtlich, laut Oliver Zadori gibt es darunter aber viele gute Angebote. Wer mit dem Mobilfunknetz bei sich zu Hause oder der Arbeit zufrieden ist, kann zudem auf Vergleichsseiten wie Dschungelkompass, Moneyland oder Comparis andere Angebote finden, die das gleiche Netz nutzen, aber vielleicht passendere Konditionen haben.
Espresso, 08:10 Uhr, XX.XX.2026