Wimbledon-Sieger Sinner: „Ich habe sehr viel geopfert“

Seinen schwierigsten Auftritt in Wimbledon hatte Jannik Sinner Stunden nach dem verwandelten Matchball im Endspiel gegen Sascha Zverev

Als der Sieger, wie es die Tradition im berühmten All England Lawn Tennis Club eben will, im Smoking beim Champions-Dinner antanzen musste.

Sympathiepunkte

Aber selbst Jannik Sinners unbeholfene Bewegungen beim obligaten Tänzchen mit der Tschechin Linda Noskova, der Gewinnerin im Frauen-Bewerb, brachten dem Italiener stehende Ovationen und jede Menge Sympathiepunkte. 

Auch wenn sich der beste Tennisspieler der Gegenwart auf dem Tanzparkett nicht annähernd so geschmeidig und elegant bewegt wie auf den Centre Courts dieser Welt.

Souveräner Auftritt

Jannik Sinner bewältigte auch diese Pflichtaufgabe in typischer Sinner-Manier. Mit Stil, Souveränität und einer Portion Humor – gewinnbringende Eigenschaften, die längst auch auf dem Platz zu seinem Markenzeichen geworden.

Wenn der 24-Jährige den Schläger in der Hand hat, dann sieht alles so mühelos einfach aus. Tennis Made by Jannik Sinner wirkt zumindest optisch wie ein Sport ohne große Kraftanstrengung und Qual.

Selbst nach über dreieinhalb Stunden im Finale von Wimbledon gegen Sascha Zverev (6:7, 7:6, 6:3, 6:4) waren dem Italiener die Strapazen nicht wirklich anzusehen. „Aber ich habe auch viel geopfert, um jetzt hier so dazustehen“, gab Sinner nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung zu.

TENNIS-GBR-WIMBLEDON

Große Sorge

Rückblick: Als die Nummer 1 der Welt bei den French Open in der 2. Runde gegen Juan Manuel Cerundolo (ARG) verliert und sich wie ein körperliches Wrack über den Platz schleppt, verfällt Italien in Schockstarre. Was ist bloß los mit dem Sporthelden? Wie schlimm ist es um Sinner bestellt?

Der Tennisstar zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und lässt seinen Körper tagelang von allen möglichen Experten scannen. „Es war richtig hart nach Paris“, gestand Jannik Sinner.

Wimbledon

Jannik Sinner nach seinem zweiten Sieg in Wimbledon im Kreise seiner Liebsten

Nach dem Hitzekollaps und Schwächeanfall bei den French Open legte der Südtiroler Sonderschichten ein und reiste nach Wimbledon, ohne zuvor auch nur ein Match auf Rasen bestritten zu haben. „Ob das gut geht“, fragte denn auch der ehemalige Wimbledon-Sieger Michael Stich, der das Turnier als TV-Experte begleitete.

Und wie gut es ging. Und wie stark sich Jannik Sinner präsentierte. Der unterlege Finalist Sascha Zverev quittierte seine zehnte Niederlage in Folge mit den Worten. „Jannik, langsam wirst du mir echt unsympathisch.“

Lange Erfolgsserie

Mit der erfolgreichen Titelverteidigung im Wimbledon – das ist zuvor erst neun Spielern gelungen – untermauerte Jannik Sinner jedenfalls seine Vormachtstellung im Tennis. Er ist nun die 80. Woche die Nummer 1, sein größter Herausforderer im Kampf um den Tennis-Thron, der Spanier Carlos Alcaraz (3.) liegt im Ranking bereits 5.290 Punkte zurück.

Seit Oktober 2025 hat der Dominator gerade einmal drei Spiele verloren, neben dem Argentinier Cerundolo zählen noch der Tscheche Jakub Mensik (Viertelfinale in Doha) und Altstar Novak Djokovic (Semifinale in Melbourne) zu den Auserwählten, die Jannik Sinner auf der Abschussliste haben.

Der Superstar selbst zeigte sich nach dem Wimbledon-Triumph sichtlich emotional und gerührt. „Ihr wisst gar nicht, wie viel mir dieser Erfolg bedeutet“, sagte Jannik Sinner. „Ich habe mein Leben diesem Sport gewidmet.“

kurier.at, cg  |  13.07.2026, 15:14