TV-Tagebuch
"Wir haben hier keine Kontrolle": Drei Frauen überqueren den Nordatlantik
Die Doku "Women & the Wind" auf Amazon Prime begleitet Lærke, Kiana und Alizé auf ihrem Atlantik-Abenteuer und zeugt von Freundschaft, Natur und dem puren Leben
Lisa Fischer
Wie eine Walnussschale schaukelt der 50 Jahre alte, hölzerne Katamaran mitten im Nordatlantik. An Bord: drei junge Frauen. Als Kapitänin trägt Kiana die Verantwortung für ihre Crew. Als erfahrene Seglerin hat sie gelernt, Wind, Wasser und das Ächzen des Katamarans zu lesen und zu verstehen. Ihre Erste Offizierin ist Lærke, die sich für den Schutz der Ozeane einsetzt und deshalb auch die Plastikverschmutzung im Nordatlantik dokumentiert. Ohne Segelerfahrung, dafür mit Kameras und jeder Menge Abenteuerlust, macht die Filmemacherin Alizé das Trio komplett. Na ja, fast: Als blinder Passagier reist auch die kleine Eidechse Liz mit.
"Test des Unwohlseins"
Das Leben auf hoher See ist entbehrungsreich. Wasser, Essen und Strom sind abgezählt. Rückzugsorte, die nicht schaukeln, gibt es nicht. Aber die drei Frauen zelebrieren die Abschottung vom Festland, das Ausgesetztsein gegenüber den Naturgewalten und die Überflüssigkeit von Terminkalendern. Ihr Optimismus ist unerschütterlich. In 30 Tagen Seefahrt lässt sich dieser auch nicht durch Seekrankheit, gerissene Segel und tagelangen Unwettern kleinkriegen. Das Trio nennt es einen "Test des Unwohlseins". Sie wissen, dass sie hier draußen keine Kontrolle haben – außer die über ihre Emotionen und Gedanken.
Die Dokumentation Woman & the Wind auf Amazon Prime ist roh, gefühlvoll und schön. Man selbst wird schaukelnd auf den Katamaran transportiert und fühlt den Zusammenhalt, Mut und die Zuversicht der drei Frauen. Der blaue Ozean und das einfache Leben lassen einen zumindest kurz den eigenen Alltag hinterfragen. Denn sind wir nicht doch für ein Dasein ohne Termine und Betonbauten gemacht? (Lisa Fischer, 16.8.2026)
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