Meinung: Wirtschaft: Trump-Inkasso, Burdas Umbau und Druck auf OpenAI

Sam Altmans OpenAI wird von einem Ex-Mitarbeiter überholt, Burda baut um und Trump schnitzt sich neue Zölle – über die wichtigsten Wirtschaftsthemen informieren wir Sie in unserem Newsletter „Der Tag“.

24.07.2026, 17.29 Uhr

Auch wenn US-Präsident Donald Trump (80) meist unvorhersehbar handelt, auf eine Sache ist Verlass: Beim Thema Zölle ist er höchst kreativ. Seine bisherigen Zölle liefen aus, deshalb war dringend Ersatz nötig. Und erfinderisch wie Trump ist, war eine Begründung auch schnell gefunden: angeblich unzureichende Maßnahmen gegen Zwangsarbeit.

Hintergrund: Die bisher geltenden Zölle gegen Dutzende Handelspartner wurden vom Supreme Court als rechtswidrig einkassiert. In der Konsequenz muss die US-Regierung Milliarden an Zöllen wieder zurückzahlen . Damit das nicht wieder passiert und die neuen Regelungen möglichst lange standhalten, ohne Zeitlimit, suchte sich Trumps Handelsministerium einen anderen Abschnitt des Handelsgesetzes von 1974 aus. Und landete bei der Zwangsarbeit. Wir lernen: Nicht nur wenn es um die private Bereicherung im Amt geht, ist Trump sehr umtriebig. Auch auf hohe staatliche Einnahmen legt er Wert. Schließlich muss ein teurer Krieg finanziert werden.

Her mit dem Geld: US-Präsident Donald Trump hat einen Anlass für neue Zölle konstruiert, nachdem der Supreme Court seine alten Zölle für nichtig erklärt hatte

Her mit dem Geld: US-Präsident Donald Trump hat einen Anlass für neue Zölle konstruiert, nachdem der Supreme Court seine alten Zölle für nichtig erklärt hatte

Foto: Francis Chung - via CNP / ZUMA Press Wire / IMAGO

Die Wirtschaftsnews des Tages :

  • Der Übernahmekampf zwischen der Commerzbank und der UniCredit ist entschieden. Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann gibt den Abwehrkampf verloren und fordert die italienische UniCredit nun zu direkten Gesprächen ‌mit dem Vorstand auf. Zuvor hatte sich die UniCredit die faktische Kontrolle über das Frankfurter Institut gesichert.

  • SAP-Chef Christian Klein (46) konnte seine Aktionäre zur Abwechslung mal positiv überraschen und starke Zuwächse im Abogeschäft für Cloudverträge vermelden. Der Cloudumsatz legte auf knapp 23 Milliarden Euro zu. Die Aktie zog kräftig an.

  • Schwieriger hatte es VW-Chef Oliver Blume (58). Schwache Verkäufe in China setzen dem Volkswagen-Konzern weiter zu. Der Gewinn ist im zweiten Quartal eingebrochen, auch der Umsatzausblick wird gekappt. Blume will das angekündigte Sparpaket daher noch in diesem Jahr festzurren – der Betriebsrat gibt sich abwehrbereit.

Der Absteiger des Tages:

  • Sam Altman (41) hatte lange die Nase vorn. Er wollte OpenAI zum nächsten Techgiganten machen und war auf gutem Weg, als er 2022 ChatGPT auf den Markt brachte und damit das KI-Rennen eröffnete. Mittlerweile stiehlt ihm aber sein ehemaliger Topforscher Dario Amodei (42) die Show. Zusammen mit seiner Schwester Daniela Amodei (38) verließ er Ende 2020 OpenAI, um das KI-Labor Anthropic zu gründen. Mit Erfolg. Investoren bewerten Anthropic inzwischen bereits höher als OpenAI – für Altman ist das ein Albtraum in Echtzeit , wie meine Kollegen Jonas Rest und Caspar Schlenk schreiben. Alles, was Sie zum Wettlauf der KI-Riesen wissen müssen und warum der Börsengang von OpenAI in Gefahr ist, lesen Sie hier .

Bitter: Sam Altman (l.) wird ausgerechnet von seinem früheren Mitarbeiter Dario Amodei deklassiert

Bitter: Sam Altman (l.) wird ausgerechnet von seinem früheren Mitarbeiter Dario Amodei deklassiert

Foto:

Fotos [M]: Winni Wintermeyer / Redux / laif; Jessica Chou

Was Sie finanziell voranbringt:

  • In der Finanzwelt ging es für Rüstungstitel steil nach oben, als Europa in den Verteidigungsmodus schaltete. Nahezu wöchentlich kamen neue Rüstungs-ETFs auf den Markt. Doch auf den Hype folgte schnell die Ernüchterung. Der Kurs von Rheinmetall hat sich fast halbiert, der deutsch-französische Panzerbauer KNDS verschob den für Sommer geplanten Börsengang auf unbestimmte Zeit. Und heute? Lohnt sich angesichts der ermäßigten Kursniveaus jetzt ein Einstieg in Rüstungsinvestments? Mein Kollege Christoph Rottwilm hat sich den Sektor angeschaut, seine ETF-Analyse lesen Sie hier .

Das Beste aus dem „Economist“:

  • Unsere britischen Kollegen haben Elon Musk (55) zum Interview getroffen, dem ersten großen seit dem IPO von SpaceX. Musk sagt, warum Geld künftig überflüssig sein könnte, warum Großbritannien vielleicht ein Bürgerkrieg bevorsteht und warum wir alle womöglich in einer Computersimulation leben. Und er gibt sich wie immer bescheiden: „Die Leute realisieren nicht, dass das, was ich sage, eintreffen wird.“ 

Mein Tipp fürs Wochenende:

  • Wenn Sie wie ich in einem leeren Büro sitzen, während Ihre Kollegen Urlaubsgrüße senden, dann sind diese Tipps vielleicht etwas für Sie. Zum Träumen vom nächsten Urlaub in traumhaften Gegenden: Amazonas und Saône – warum Luxusreisen auf dem Fluss boomen .

Bootsfahrt in der Wildnis: Die „MS Jangada“ fährt auf dem Amazonas

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Foto:

Dennis Schmelz

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Beim Medienkonzern Burda ist in diesen Tagen viel los. Mit einem radikalen Schritt hat das Unternehmen zum Monatswechsel alle gut 20 Fondsbeteiligungen auf einen Schlag versilbert. Und bereitet zugleich einen Strategieschwenk vor: Statt eigenes Geld anderswo zu investieren, will Burda künftig selbst Kapital von Investoren für seine Digitalbeteiligungen einsammeln. Es ist eine der ersten Veränderungen im Geschäftsmodell , seit Patriarch Hubert Burda (86) die Macht über den Konzern an seine Kinder Elisabeth Burda Furtwängler (34) und Jacob Burda (36) übergab, schreibt mein Kollege Henning Hinze.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend

Ihre Julia Wehmeier

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