Wohnen auf dem ehemaligen Tegeler Flughafen: Baustart für neues Quartier steht kurz bevor – aber die Straßenbahn kommt später

Jetzt soll es losgehen mit dem Wohnungsbau auf dem ehemaligen Tegeler Flughafen: „Endlich“, wie sowohl der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bei der kleinen Startschuss-Festivität auf dem Gelände betonte als auch der Geschäftsführer der Berlin TXL Management GmbH, Frank Wolters.

Tatsächlich hat es ein Weilchen gedauert: Der städtebauliche Wettbewerb für das Schumacher Quartier fand bereits 2016 statt, das letzte Flugzeug hob 2020 von TXL ab. Seitdem laufen die Planungen.

5000 Wohnungen sollen auf dem Ostzipfel des ehemaligen Flugfeldes entstehen. Die Munition im Boden ist in großen Teilen ausgebuddelt, die Vertiefungen für die Keller bereits ausgehoben. Der eigentliche Baustart findet im November statt, bislang ist der Bauantrag gestellt; am Donnerstag wurde als Zeremonie feierlich der große Bauplan des Quartiers ausgerollt.

Mit Wegner, dem Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD), der Reinickendorfer Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) und den beiden Geschäftsführern von Berlin TXL Management sowie dem landeseigenen Wohnungsunternehmen Degewo, Pascal Atzert, lief kurz vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus noch mal ein Maximum an landespolitischer Prominenz auf.

Die Degewo soll gemeinsam mit der ebenfalls landeseigenen Gesobau einen Großteil der 5000 Wohnungen bauen. 35 bis 40 Prozent der Wohnungen sollen gefördert, also besonders bezahlbar sein.

5000

Wohnungen sollen im Schumacher Quartier entstehen.

Die ersten beiden Bauabschnitte, mit denen die Degewo demnächst beginnt, werden zunächst 327 Wohnungen beinhalten, 15 Gewerbeeinheiten sowie eine Kindertagesstätte. Die Gesobau startet mit ihren Bauarbeiten laut Plan in etwa einem Jahr. 2028 sollen dann die ersten der Wohnungen fertig und 2029 bezugsfertig sein.

„Wir wissen und sind stolz darauf, dass das ein Leuchtturmprojekt nicht nur Deutschlands, auch Europas ist“, sagte Bezirksbürgermeisterin Demirbüken-Wegner bei der Festivität. Ein Leuchtturmprojekt: Weil mit der benachbarten Urban Tech Republic und dem Campus der Berliner Hochschule für Technik (BHT) Wissenschaft, Wirtschaft und Wohnen auf dem ehemaligen Flughafengelände künftig ganz nah beieinanderliegen sollen.

Leuchtturmprojekt auch deswegen, weil Wissenschaft und Wirtschaft hier auch an besonders nachhaltigen Bauweisen arbeiten sollen, die im Schumacher Quartier gleich zur Anwendung kommen sollen. Ein bedeutender Teil des Quartiers soll aus Holz gebaut werden. Es soll Verdunstungsbeete geben, abgebautes Material des alten Flughafens soll im neuen Quartier eine neue Verwendung finden. Und das Quartier soll autoarm werden.

Straßenbahn frühestens 2034

„Früher haben uns die Leute von außen für den stadtnahen Flughafen beneidet. Heute beneiden sie uns um diese große Entwicklungsfläche, die wir stadtnah haben“, sagte Stadtentwicklungssenator Gaebler.

Stadtnah ist das Areal zwar – aber trotzdem nicht besonders gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden. Das dürfte auch vorerst so bleiben: Im Gespräch mit dem Tagesspiegel bestätigte Geschäftsführer von Berlin TXL Management, Frank Wolters, dass die Straßenbahnanbindung, die das Schumacherquartier bekommen soll, wohl frühestens 2034 fertig werden wird – also fünf Jahre später, als die ersten Wohnungen bezugsfertig sind.

Genossenschaften dürfen sich ab 2028 bewerben

Auch Genossenschaften sollen im Schumacher Quartier einen Teil der Grundstücke entwickeln. „Es wird Raum für Genossenschaften geben in den nächsten Baufeldern, wo wir zeigen, dass gemeinwohlorientierte Wohnungsbaugesellschaften hier einen Platz haben und sich einbringen sollen“, sagte Gaebler bei seinem Grußwort.

Allerdings gab es zuletzt im Umfeld der bauwilligen Genossenschaften Kritik, nicht gut in die Planungen einbezogen worden zu sein. Am Rande des Spatenstichs wurde nun bekannt, dass ab 2028 Konzeptverfahren für die Baulose starten sollen, auf denen die Genossenschaften bauen sollen.

Berlin hat Heidelberg dazubekommen

Kai Wegner nutzte die Gelegenheit, um aufzuzählen, welche Verbesserungen die schwarz-rote Koalition für den Wohnungsbau auf den Weg gebracht habe: das Schneller-Bauen-Gesetz, das Einfach-Bauen-Gesetz, die neue Landesbauordnung.

Bis zum Ende der Legislaturperiode würden 80.000 neue Wohnungen gebaut worden sein, prognostizierte Wegner, mithin Wohnungen für ungefähr so viele Menschen geschaffen, wie in Heidelberg wohnen, nämlich 162.000: „Das heißt, wir haben den Wohnungsbestand von Heidelberg in einer Legislaturperiode in Berlin gebaut.“