Zu Gast im Panoramazug Traumkulisse, harter Job: Arbeiten an Bord des Bernina Express
Zwischen Gletschern, Seen und spektakulären Viadukten sorgen Lokführer und Zugbegleiterin dafür, dass die Fahrt von St. Moritz nach Tirano sicher und entspannt verläuft – auch wenn es brenzlig wird.
15.08.2026, 17:23
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In 1775 Metern über Meer liegt der Bahnhof von St. Moritz. Dort steht eine Zugkomposition der Rhätischen Bahn mit dem Namen «Carlo Janka».
Im Führerstand sitzt aber nicht die Skilegende und der Namensgeber des Zuges, sondern Lokführer Joshua Buchner, und blickt mit seiner verspiegelten Sonnenbrille durch die ausladende Frontscheibe der Lokomotive.
Für die Angestellten der Rhätischen Bahnen, die auf dem Bernina Express arbeiten Alltag. Für viele Touristen ein einzigartiges Erlebnis. Die Szenerie der Bernina-Express-Strecke.
KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
Etwas weiter hinten im Zug steht Andrea Neff. Sie ist Zugbegleiterin. In einem Schaltkasten prüft sie Sicherungen und andere Schaltgeräte. Die Reise kann beginnen.
Einmaliger Ausblick und vielfältige Arbeit
Der Bernina Express startet in St. Moritz, zieht vorbei am Morteratschgletscher, fährt über den Bernina-Pass ins Puschlaver Tal und vorbei am Lago di Poschiavo. Bei Brusio überquert der Express den weltberühmten Kreisviadukt und beendet dann seine Reise im italienischen Tirano.
Die Fahrgäste sähen, so Neff, vor allem die schöne Landschaft und nicht die Aufgabenbereiche, die in so einem Zug anfallen. «Wow, haben Sie einen schönen Job!», sagte ein Fahrgast mal zu Andrea Neff.
Druckausgleich bei den Zugwagons, Abfahrbefehle, Gästeanfragen und vieles mehr: Der Job von Zugbegleiterin Andrea Neff ist sehr vielfältig. Hier im Bild erklärt sie Moderator Ralph Wicki, wie sie einen «Abfahrbefehl» auslöst.
SRF / Lars Epting
Die wunderschöne Natur ist für den Lokführer und die Zugbegleiterin aber natürlich auch Teil des ganzen Reizes. «Es gibt eine Stelle, nach Surovas, wenn man dort mit 60 km/h durch die Ebene fährt und die Sonne aufgeht, ist das eine wunderschöne Morgenstimmung», schwärmt Lokführer Buchner.
Nicht nur für Touristen bestechend: Die schöne und vielfältige Natur ist auch für das Zugpersonal ein Teil des Arbeitsalltags.
SRF / Lars Epting
Das Engadin ist ein Touristenmagnet und aus den Panoramafenstern im Zug sieht man auch alles, sagt Andrea Neff: «Die Kombination aus Bergen, Gletschern und Seen ist einmalig und jedes Wetter verleiht der Landschaft einen ganz eigenen und neuen Charakter.»
Konzentriert und mit viel Fingerspitzengefühl manövriert Lokführer Joshua Buchner die weit über hundert Tonnen Stahl über die Schienen durchs Engadin.
SRF / Lars Epting
Im Führerstand der Lokomotive schüttelt Lokführer Buchner den Kopf und betätigt zweimal die Hupe.
Einige Wanderer sind vor dem stehenden Zug über die Gleise gelaufen. Vor einem Zug die Gleise zu passieren, sei sehr gefährlich. Speziell, wenn ein Zug, wie in diesem Moment, entgegenkommt.
Zwischen Feingefühl und brenzligen Situationen
So idyllisch die Zugstrecke zwischen St. Moritz und Tirano auch erscheinen mag, so herausfordernd kann die Arbeit an Bord sein.
Eine Zugkomposition zu bewegen oder vor allem auch zum Stillstand zu bringen, bedeutet nämlich nicht, «nur ein paar Hebel» zu bedienen. Es braucht viel Fingerspitzengefühl, damit die Fahrt für die Gäste entspannt bleibt.
Hohe Konzentration erfordern Baustellen oder die Abfahrt nach Tirano. «Dort fährt man mit dem Zug durch die Stadt, und das kann herausfordernd sein», sagt Buchner.
Erinnern mag sich Joshua Buchner an eine Situation im Winter. «Ich hatte einen Güterzug dabei und es hat stark geschneit. Dann begann der Zug zu spulen.» Er habe schwer gehofft, dass er es mit dem Zug noch den Berg hinaufschafft.
«Jeder Beruf hat mehr Aufgabenbereiche, als man von aussen vermutet», sagt auch Zugbegleiterin Andrea Neff. Auch in ihrer Arbeit als Zugbegleiterin sind die Aufgaben breiter gefächert als «Billette knipsen».
Nach der Fahrt von St. Moritz bis Tirano ist vor der Fahrt zurück. Während die Zugreise für die Fahrgäste am Endbahnhof in Tirano beendet ist, beginnt für Andrea Neff die Schlusskontrolle. Hat jemand etwas vergessen? Nach einer kurzen Pause fährt der Panoramazug, der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, wieder zurück in die Schweiz.
Radio SRF 1, 12.08.2026, 12.15 Uhr «Aktuell»; noes