WorldSkills Shanghai 2026 Weltmeister der Berufe – zwei Saarländer kämpfen in Shanghai um Gold
Rehlingen-Siersburg/Illingen · Zwei Saarländer kämpfen bei den „WorldSkills“ in Shanghai um WM-Gold. Leo Kloft tritt als Elektroniker an, Niko Schleicher als Fliesenleger. Für beide zählt am Ende jeder Handgriff. Was die 22-Jährigen vor Ort erwartet.
31.08.2026 , 08:26 Uhr
Leo Kloft wurde bei der Deutschen Meisterschaft zum Deutschen Meister der Elektroinstallation ernannt.
Foto: WorldSkillsGermany/Frank Erpinar/Fotohinweis: WorldSkills Germany / Frank Erpinar
Alle zwei Jahre finden die „WorldSkills“ statt, die Weltmeisterschaft der Berufe. In diesem Jahr ist Shanghai vom 22. bis zum 27. September der Austragungsort. Während dieser Woche kommen junge Fachkräfte aus aller Welt zusammen, um sich in der chinesischen Metropole in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern zu messen. Über 1.400 Teilnehmer reisen aus mehr als 70 Ländern und Regionen an, um in 64 unterschiedlichen Berufen ihr Können unter Beweis zu stellen. Das deutsche Team, das sich unter dem Motto „Maximal zusammen!“ auf den Weg macht, reist mit 36 Teilnehmern an und ist in 31 Disziplinen vertreten. Zwei Teammitglieder der Berufe-Nationalmannschaft stammen aus dem Saarland. Inmitten ihrer Vorbereitungen bekamen wir die Chance, mit ihnen über das anstehende Abenteuer zu sprechen.
„Einer kann nicht alles wissen, das reizt mich.“
Für den aus Fürweiler stammenden Leo Kloft ist der beruflich-orientierte Wettbewerbsgedanke noch ganz frisch. Erst im vergangenen Herbst wurde der 22-Jährige von seinem Ausbilder auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht, da der meinte, sein Schützling sei dafür qualifiziert. Prompt ging es für Kloft nach Dresden zur Deutschen Meisterschaft, wo er nach einer Woche Wettbewerb mit den meisten Punkten zum Deutschen Meister der Elektroinstallation ernannt wurde.
Der Elektroniker für Betriebstechnik, der erst seit wenigen Wochen ausgelernt hat, hat bei der VSE AG in Saarbrücken seine Ausbildung absolviert, wo er auch heute arbeitet. Nach dem Abitur am Gymnasium in Dillingen zog es ihn allerdings zunächst an die Universität, wo er ein Studium im Mint-Bereich aufnahm. Doch schnell merkte Kloft, dass dieser Weg nichts für ihn ist. Seit der Kindheit fühlt er sich zu handwerklichen Tätigkeiten hingezogen und erinnert sich an die Begeisterung für Elektronik-Baukästen. Er habe „immer schon gebastelt“. Und diese Entscheidung bereut er keine Sekunde: „Man hat unfassbar viele Möglichkeiten im Beruf, wenn man ausgelernt hat, ist man lange noch nicht fertig.“ Es ist ein vielseitiger Bereich, mit vielen unterschiedlichen Themenfeldern, in denen man sich spezialisieren kann, so Leo Kloft. „Einer kann nicht alles wissen, das reizt mich.“
Vorbereitung ist das A und O
Für den Wettbewerb gilt: Vorbereitung ist das A und O. Und die läuft für ihn schon seit einigen Monaten auf Hochtouren. Bei den „AustrianSkills“ in Salzburg durfte er außerhalb der Wertung mitmachen, eine Art „Vergleichstraining“. In Regensburg hat er sich spezielle Programmierkenntnisse angeeignet. Das Wichtigste sei, Geschwindigkeit drauf zu bekommen, da die Aufgaben mit Absicht so gestellt sind, dass man Schwierigkeiten hat, sie in der vorgegebenen Zeit zu absolvieren, erklärt Kloft.
In Shanghai tritt er in der Disziplin „Elektroinstallation“ an. Vorab bekommen die Teilnehmer einen Installationsplan, auf dem die Anordnung aller Betriebsmittel aufgezeichnet ist, zum Beispiel der Verteilerkasten, Schalter, Steckdosen, Motoren und Kabelführungskanäle. Diesen Plan müssen sie möglichst genau auf drei Installationswände übertragen. Am Ende eines Wettbewerbstages schauen sich Experten die bisherige Arbeit an, messen nach und vergeben Teilpunkte. Nach drei Tagen wird die Funktion getestet – ist alles richtig verdrahtet, welcher Schalter aktiviert welche Lampe? Nach vier Wettbewerbstagen und insgesamt 22 Arbeitsstunden werden alle Punkte zusammengezählt.
Beruf quasi in die Wiege gelegt
Wer die meisten errungen hat, gewinnt den Weltmeistertitel. Und den möchte natürlich auch Leo Kloft: „Der Ehrgeiz ist da. Nach so viel Vorbereitung will man zeigen, dass es sich gelohnt hat.“ Gleiches gilt für seinen saarländischen Teamkollegen Niko Schleicher. Der 22-jährige Fliesenleger aus Illingen ist seit drei Jahren im Nationalteam, wurde 2023 zum Landessieger ernannt und gewann dieses Jahr die „GermanSkills“.
Fliesenleger Niko Schleicher wurde 2023 zum Landessieger ernannt und gewann dieses Jahr die „GermanSkills“.
Foto: WorldSkillsGermany/Frank Erpinar/Fotohinweis: WorldSkills Germany / Frank Erpinar
Ihm wurde der Beruf quasi in die Wiege gelegt. Da sein Vater auch Fliesenleger ist, war ihm relativ früh klar, welche Richtung er einmal einschlagen möchte. Dieser Berufszweig habe ihn „immer schon interessiert und begeistert“. Nach der Schule hat er im familiären Betrieb gelernt. Durch den Abschluss mit guter Gesellenprüfung hat er sich für die Teilnahme am Landesentscheid qualifiziert. Es folgte der Schritt ins „Nationalteam Fliesen“, wo er in einem internen Entscheid das Ticket für Shanghai löste.
„Ich gehe mit dem Anspruch rein, zu gewinnen.“
Spricht Niko Schleicher über seinen Beruf, klingt es nach Berufung. Er schätzt vor allem die Möglichkeit, die eigene Kreativität und Ideen einbringen zu können. Jedes Badezimmer, jedes Gebäude trägt die eigene Handschrift. Zusammen mit dem Kunden werden Entscheidungen getroffen. Und am Ende des Tages sieht man, was man mit seinen eigenen Händen geleistet hat.
In der Disziplin „Wand- und Bodenfliesen“ wird er mit Teilnehmern aus 19 Ländern in den direkten Vergleich gehen. Jeder bekommt einen knapp 20 Quadratmeter großen Arbeitsplatz zugewiesen, der meist den Ausschnitt aus einem Badezimmer darstellt – eine Ecke für die Dusche, Platz für einen Waschtisch.
„Die Hauptschwierigkeit ist die Zeit“, erklärt Schleicher, und schließt sich seinem Teamkollegen Leo Kloft an. Man muss sehr genau arbeiten und viele Details beachten. Bestimmte Elemente müssen am Ende des Tages schon für die Bewertung der Jury fertig sein. „Man muss sich relativ schnell entscheiden, wann man was anfängt und fertigstellt, worauf man den Fokus legt“, so Schleicher. „Jeder hat die gleichen Voraussetzungen, es geht nur um die persönliche Fähigkeit.“
Insgesamt 1.000 Punkte kann man erreichen. Und der Siegeswille ist bei dem Fliesenleger aus Illingen spürbar: „Wenn ich etwas mache, dann so gut und weit wie möglich. Ich gehe mit dem Anspruch rein, zu gewinnen.“ Ab 700 Punkten bekommt man eine Exzellenz-Medaille, die haben Niko Schleicher und Leo Kloft fest im Blick. Schließlich ist die Weltmeisterschaft in Shanghai für beide eine einmalige Chance, dürfen die Teilnehmer im Wettbewerbsjahr doch maximal 22 Jahre alt sein.
(sop/ek)