Stand: 19.08.2026, 13:39 Uhr
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Zwischen Cybermobbing, Fake News und problematischem Medienkonsum: Der Stuhrer Verein Release baut dank einer NDR-Förderung seine Präventionsangebote an Schulen aus. Neue Workshops und das Peer-Projekt „Net-Piloten“ sollen Kinder und Jugendliche fit für die digitale Welt machen.
Stuhr – Was passiert in einer Klassen-WhatsApp-Gruppe, wenn aus einem Streit plötzlich Mobbing wird? Wie erkennt man Fake News – und wann wird aus täglichem Scrollen ein problematischer Medienkonsum? Mit solchen Fragen will Release künftig noch stärker in Schulen gehen.
Dank einer Förderung aus der NDR-Benefizaktion „Hand in Hand in Norddeutschland“ kann der Stuhrer Verein sein Angebot zur Medienprävention deutlich ausweiten. Dafür wurde ein Kompetenzteam mit fünf Teamerinnen aufgebaut sowie eine halbe Projektstelle eingerichtet. Die Koordination übernimmt Elena Stermer-Fischer, Fachberater für Suchtprävention ist Patrick Ehnis. Die Förderung läuft zunächst bis zum 31. März kommenden Jahres.
„In jeder Familie, in jeder Gesellschaft, in jeder Schule gibt es Streit zu diesem Thema“, berichtet Ehnis. Digitale Medien seien längst fester Bestandteil des Alltags – gleichzeitig gebe es ein erhebliches Sucht- und Konfliktpotenzial. Nach den von Release herangezogenen Studien würden etwa drei bis fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen eine hochproblematische Mediennutzung zeigen.
Dabei gehe es längst nicht nur um die Frage, wie lange Kinder am Smartphone sitzen, betont der Suchtpräventionsberater. In den Workshops werden unter anderem Cybermobbing, Datenschutz, Fake News, Fake-Profile, Clickbait, Künstliche Intelligenz und versteckte Kosten in Spielen thematisiert. Auch soziale Medien wie TikTok können eine Rolle spielen, weil kurze und ständig neue Reize dazu verleiten können, immer weiterzuschauen.
Besonders wichtig: die frühe Sensibilisierung. Genau deshalb richtet sich ein Angebot an fünfte und sechste Klassen. Die Medientage sind interaktiv angelegt. Die Kinder sollen nicht einfach Vorträge über Medienkonsum hören, sondern sich selbst mit ihrem Verhalten auseinandersetzen, eigene Grenzen erkennen und Alternativen entwickeln.
Teamerin Alina Thesen hat das bestehende Konzept gemeinsam mit den anderen neuen Kräften in einer mehrtägigen Schulung weiterentwickelt. „Wir haben das Ganze ein bisschen aufgearbeitet und noch ein paar Veränderungen angebracht“, berichtet sie. Neue Themen wie KI und Fake News seien inzwischen selbstverständlich hinzugekommen. Wichtig sei vor allem, die Kinder aktiv einzubeziehen.
Alle sagen, das Wichtigste ist die Prävention, aber es kommt nie etwas an den Fachstellen der Sucht und Suchtprävention an.
Ein weiteres Angebot ist das Peer-Projekt „Net-Piloten“. Dabei werden ältere Schüler aus den neunten und zehnten Klassen zu Multiplikatoren ausgebildet. Anschließend können sie mit jüngeren Schülern der fünften und sechsten Klassen arbeiten. Gerade bei Themen rund ums Smartphone könne es hilfreich sein, wenn Jugendliche mit Jugendlichen sprechen, ist Patrick Ehnis überzeugt.
Auch für Grundschulen hat Release ein Angebot: Das sogenannte Präventionsprogramm „1.000 Schätze“ soll Lebenskompetenzen vermitteln und dabei ebenfalls den Umgang mit digitalen Medien aufgreifen. Elternabende sollen zudem möglichst früh ansetzen. Denn Eltern hätten eine wichtige Vorbildfunktion, betont Ehnis. „Dass Vormachen immer mehr gilt, als wie man darüber spricht.“ Was Eltern selbst am Smartphone vorlebten, wirke stärker als jede aufgestellte Regel.
Die neuen Teamerinnen sollen die Fachstelle nun dabei unterstützen, mehr Schulen zu erreichen. Bislang habe Ehnis immer wieder Anfragen ablehnen müssen, weil die Kapazitäten fehlten. „Ich habe oft halt sagen müssen, ich schaffe das nicht“, sagt er. Mit dem neuen Projekt ändere sich das.
Das Angebot richtet sich in erster Linie an Schulen im Nordkreis Diepholz, unter anderem in Stuhr, Weyhe, Syke und Bassum. Interessierte Schulen können sich ab sofort bei Release melden.
Dabei soll es nicht bei der Prävention bleiben. Die Fachstelle möchte Kindern und Jugendlichen auch zeigen, dass sie dort Unterstützung bekommen können, wenn aus einem Problem mehr wird. „Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass wir die Anlaufstelle sind“, sagt Stermer-Fischer. Die Beratung sei kostenlos, anonym und unterliege der Schweigepflicht.
Ein Problem bleibt allerdings die Finanzierung. Präventionsangebote seien häufig von befristeten Projektmitteln abhängig, kritisiert Patrick Ehnis. „Alle sagen, das Wichtigste ist die Prävention, aber es kommt nie etwas an den Fachstellen der Sucht und Suchtprävention an.“ Gerade persönliche Angebote vor Ort seien jedoch wichtig, um Kinder und Jugendliche tatsächlich zu erreichen.
Mit der aktuellen Förderung will Release deshalb vor allem eines schaffen: mehr Präsenz in den Schulen – und damit mehr Gelegenheit, Kinder und Jugendliche fit für die digitale Welt zu machen.