200 Jahre Quierschieder Schulgeschichte Als ein Rinnstein im Schulhof noch Mädchen und Jungs trennte
Quierschied · Historische Hefte, Fotos und persönliche Erinnerungen: Die Geschichtswerkstatt Quierschied nimmt Besucher mit auf eine Reise durch die Schulgeschichte der Gemeinde.
16.08.2026 , 18:00 Uhr
Die ehemalige Bergvorschule in der Hauptstraße in Göttelborn wurde als einzige nicht abgerissen.
Foto: Steinmann/Dieter Steinmann
Die Geschichtswerkstatt Quierschied und die Gemeinde laden in der Zeit vom Dienstag, 18. August, bis Donnerstag, 27. August, zu einer spannenden Reise durch mehr als 200 Jahre Schulgeschichte ein. Die Ausstellung in der Gemeindebücherei vermittelt anhand von historischen Fotos, Dokumenten, Artefakten und Erinnerungen einen Einblick in den Schulalltag vergangener und aktueller Generationen. „Auf der Suche nach historischen Themen haben wir uns diesmal der Geschichte des Lernens in Quierschied, Fischbach-Camphausen und Göttelborn angenommen“, erzählt Harald Klein von der Geschichtswerkstatt im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. „Dabei haben wir über einen Zeitraum von etwa acht Monaten alles gesammelt, was Bürgerinnen und Bürger noch an Aufzeichnungen, Schulheften, Fotos und anderen Utensilien zuhause aufbewahrt haben.“
Die Ausstellung präsentiert auch viele persönliche Erinnerungen insbesondere älterer Mitbürger und auch von Mitgliedern der Geschichtswerkstatt, die seinerzeit noch ganz andere Bedingungen als Abc-Schützen vorfanden als die heutige Generation. Aus Zeiten etwa, als es auf den Schulhöfen noch eine strikte und streng überwachte Grenze zwischen Mädchen und Jungen gab. „Damals etwa teilte sich die 1895 erbaute Rathausschule in Quierschied als reine Jungenschule einen gemeinsamen Schulhof mit der nur von Mädchen besuchten Hirtenwies-Schule“, erklärt Harald Klein. „Allerdings wurde der Schulhof durch einen Rinnstein getrennt und auch von Lehrpersonen strengstens überwacht, sodass Mädchen und Jungs nicht miteinander in Kontakt kommen konnten.“ Bei Zuwiderhandlungen mussten die Schüler häufig mit empfindlichen Strafen rechnen.
Harald Klein von der Geschichtswerkstatt Quierschied.
Foto: Stefan Bohlander
Die erwähnten Schulgebäude sind inzwischen abgerissen. Ebenso wie das 1847 erbaute Waldschulhaus in Fischbach. Einzig erhalten von den drei in der heutigen Gemeinde Quierschied erbauten Schulhäuser ist das Gebäude der Bergvorschule in der Göttelborner Hauptstraße, das 1887 errichtet wurde und heute als Wohnhaus dient. Wenn auch in die Jahre gekommen, sticht das Gebäude aufgrund seiner Architektur aus dem Umfeld heraus. Seine Namensbezeichnung als „Bergvorschule“ verweist dabei auch auf den historischen Hintergrund der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung der heutigen Ortsbezirke der Gemeinde Quierschied, die mit der Errichtung der ersten Glashütte im Jahr 1779 begann und mit einem beträchtlichen Bevölkerungszuwachs einherging.
Nach der Eröffnung mehrerer Gruben wuchs die Bevölkerung zwischen 1871 und 1892 gar um das Doppelte an. Um den Kindern den langen Schulweg ins Köllertal zu ersparen – Quierschied gehörte seit 1816 und bis 1903 zur Bürgermeisterei Heusweiler – wurden die ersten eigenen Schulen gebaut. Die Ausstellung zeigt mit etlichen historischen Fotos auch, wie stark die Entwicklung der ersten Schulen direkt mit dem Bergbau zusammenhing.
Die Geschichtswerkstatt Quierschied, die eng mit der Volkshochschule zusammenarbeitet und immer auch Projekte mit den Schulen in der Gemeinde entwickelt, macht sich seit etwa drei Jahren zur „historischen Spurensuche“ auf. Und packt dabei auch heiße Eisen an. Im Mai 2025 etwa fand die Ausstellung „Von der Hauptstraße zur Deutschen Front“ große Beachtung. In Zusammenarbeit mit Schülern der Gemeinschaftsschule und ihrer AG „Quistory“ erforschte das Team der Geschichtswerkstatt dabei die Schicksale jüdischer Familien in Quierschied (die SZ berichtete).
Zur Vernissage der neuen Ausstellung am Dienstag, 18. August, ab 17 Uhr dürfen die Veranstalter die saarländische Staatssekretärin für Bildung und Kultur, Jessica Heide, als Schirmherrin begrüßen. Was eventuell auch die Möglichkeit bietet, aktuelle Probleme im Bereich der Bildung und der Schulen anzusprechen. (tho/cbe)