Blick vom Saarland nach Frankreich: Was Homburgs ungewöhnlicher Blumentopf mit Orléans zu tun hat

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Blick vom Saarland nach Frankreich Was Homburgs ungewöhnlicher Blumentopf mit Orléans zu tun hat

Kolumne | Homburg/Orléans · In Homburg wurde das Objekt als Riesen-Aschenbecher verspottet, mittlerweile hat man sich daran gewöhnt. Hunderte Kilometer entfernt findet sich der gleiche Typ – was das mit Hitzeschutz zu tun hat.

16.08.2026 , 18:00 Uhr

 In Orléans stehen gleich mehrere Plfanzenschirme an verschiedenen Stellen, sie sind etwas kleiner als der in Homburg.

In Orléans stehen gleich mehrere Plfanzenschirme an verschiedenen Stellen, sie sind etwas kleiner als der in Homburg.

Foto: Ulrike Stumm

Auf dem Homburger Christian-Weber-Platz steht ein Objekt, das auch 570 Kilometer entfernt für Aufmerksamkeit sorgt. Im französischen Orléans allerdings nicht als Einzelstück und eher nicht als Kuriosität. Partnerstädte sind Orléans und Homburg nicht. Die Jumelage pflegt die saarpfälzische Kreisstadt bekanntlich mit La Baule an der Atlantikküste – und nicht mit Orléans an der wilden Loire. Doch es gibt etwas, was die Städte verbindet: Auf einem der schönsten Plätze der Großstadt in Zentralfrankreich stehen ungewöhnliche Konstruktionen, genau der Typ, der auch – und dies sogar in größerer Form - auf dem Christian-Weber-Platz steht. Letztlich bestehen sie aus einem riesigen Blumentopf, gefüllt mit Erde und Substrat samt eigenem Bewässerungssystem. Darüber schwebt eine Art Krone, die als Rankhilfe für Pflanzen dient. Sie erinnert ein bisschen an ein Kinderspielzeug aus Draht und Perlen.

Vom Riesen-Aschenbecher zum gewohnten Stadtmobiliar

Doch während die Konstruktion in Orléans offenbar selbstverständlich zum Stadtbild gehört, musste sie sich in Homburg ihren Platz erst einmal erobern: Als dieses Objekt im Frühjahr 2025 auf dem Christian-Weber-Platz aufgestellt wurde, zog es zahlreiche Blicke auf sich. Manche fanden es interessant, andere eher rätselhaft. Viele Homburgerinnen und Homburger wunderten sich, wofür es überhaupt gut sein sollte. In den sozialen Netzwerken war von der Landung Außerirdischer oder einem Riesen-Aschenbecher die Rede – aber es gab auch Fürsprecher. Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt. Die meisten Homburger haben sich an die ungewöhnliche Rankhilfe gewöhnt. Allerdings steht sie gerade in den Sommermonaten nicht mehr so prominent mitten auf dem weitgehend unverschatteten Platz. Sie muss bei großen Veranstaltungen weichen, denn sie nimmt Raum weg und kann die Sicht versperren. Deswegen fristet sie derzeit auch ein verstecktes Dasein hinter dem Gebäude des H&M.

Eine französische Idee gegen die Hitze

Bei ihren Schwestern in Orléans ist das anders, die künstlichen Bäume werden anders inszeniert. Sie zieren gut sichtbar den Platz mit dem Denkmal der berühmten Heiligen Johanna. Es gibt nicht nur einen Pflanzenschirm, sondern es sind gleich mehrere, allerdings in etwas kleinerer Ausführung als in Homburg. Sie stehen hier vor wunderschönen Häuserzeilen. Übrigens gibt es in Orléans direkt neben den Pflanztöpfen noch etwas, was Homburg gerade in heißen Sommern gut zu Gesicht stehen würde: Wasserspiele, die mal als Fontänen aus dem Boden sprudeln, mal als zarter Sprühnebel für Abkühlung sorgen. Genau das schafft die Aufenthaltsqualität, die sich Homburg an heißen Sommertagen ebenfalls wünschen dürfte.

Übrigens ist es gar nicht so verwunderlich, dass die Pflanzenschirme (auch) in Frankreich stehen: Sie heißen offiziell „Corolle“ und stammen von einem französischen Unternehmen. „Urban Canopee“ ist nach eigenen Angaben aus der École des Ponts Paris-Tech hervorgegangen. Seit 2016 wird an Lösungen gearbeitet, um Städten Begrünungsmöglichkeiten zu bieten, die sehr schnell installiert und bewegt werden können. Die Idee ist einfach: Wo keine Bäume stehen, sollen sie Hitzeinseln abmildern.

Derzeit steht der Pflanzenschirm in Homburg versteckt am Christian-Weber-Platz, wenn hier große Veranstaltungen stattfinden, muss er weichen.

Foto: Ulrike Stumm

In Homburg ist der Pflanzenschirm in den letzten Wochen fast unsichtbar geworden – nicht weil er verschwunden wäre, sondern weil er an einem Platz steht, an dem er nicht so sehr ins Auge sticht und an dem er auch nicht das bewirken kann, was er eigentlich soll: Schatten spenden und so zu einem Baustein werden für eine Stadt, in der man auch in heißen Sommertagen gerne länger bleibt. (pn)