30 Jahre Wärmestube in Schongau – „Hier habe ich meine Familie gefunden"

Stand: 24.10.2026, 18:00 Uhr

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Leiter Stefan Schütz (4.v.l.) hat den „treuen Seelen“ der Wärmestube Blumen geschenkt. Auf dem Foto sind folgende Helfer zu sehen: (v.l.) Wolfgang Baier, Johanna Preu, Monika Wunderer, Renate Brauchler, Monika Kühnel, Reinhard Slama und Agnes Assmann.

Leiter Stefan Schütz (4.v.l.) hat den „treuen Seelen“ der Wärmestube Blumen geschenkt. Auf dem Foto sind folgende Helfer zu sehen: (v.l.) Wolfgang Baier, Johanna Preu, Monika Wunderer, Renate Brauchler, Monika Kühnel, Reinhard Slama und Agnes Assmann. © Herold

Seit 1996 öffnet die Wärmestube in Schongau täglich ihre Türen für Menschen in Not. Ein Stammgast kommt seit über 25 Jahren – und nennt die Einrichtung seine zweite Familie.

Schongau – „Es ist die Geborgenheit und Wärme, die ich hier so sehr schätze.“ Dieser Satz wird sehr nachdenklich gesprochen von Thomas Gretencord (64), der von vielen Freunden „Bäcker“ genannt wird. Thomas ist einer der ersten Gäste an diesem besonderen Dienstagmorgen, die in ihre „zweite Wohnstube“ eintrudeln. Dort soll das Jubiläum der Schongauer Wärmestube, in der man immer herzlich willkommen ist, miteinander gefeiert werden.

Besucher Dirk Voigt musste fünf Schlaganfälle erleiden

Thomas Gretencord ist seit über 25 Jahren ein gern gesehener Gast in dieser Einrichtung. Er kann sich noch genau daran erinnern, als sich in den Anfangsjahren die Räumlichkeiten noch im 2. Stock des Gebäudes an der Christophstraße befanden. Schon damals sei er als „Zugroaster“ gut aufgenommen worden.

„Hier habe ich meine Familie gefunden, die ich im Leben niemals richtig kennengelernt habe“, erzählt Thomas. Er musste in seiner Kind- und Jugendzeit viele Stationen durchlaufen, auf denen die Wege nicht gerade mit Rosenblättern bestreut waren. Er hat viel mehr die Dornen verspüren müssen. Thomas kennt das reale Leben durch und durch. Umso bemerkenswerter, wie er sich selbst gerade für die Fußballjugend in Schongau einsetzt und hilft, wo er nur kann.

Es gibt ein fantastisches Essen zu einem fantastischen Preis, und das jeden Werktag.

Kurz nach Thomas trudelt Dirk Voigt (58) mit seinem „Papamobil“ ein. Er ist vor zehn Jahren von Brandenburg nach Schongau gekommen und ist seit acht Jahren täglicher Besucher der Wärmestube. Für Dirk, der nach fünf Schlaganfällen gesundheitlich nicht gerade auf der Sonnenseite lebt, ist es die herzliche Wärme und die besondere Zwischenmenschlichkeit, die man hier erfahren darf. „Es gibt ein fantastisches Essen zu einem fantastischen Preis, und das jeden Werktag“, so Dirk. Und setzt in seinem allen Gästen bekannten Dialekt nach: „Das Team reißt sich für uns die Beine aus.“ Kommentare weiterer Gäste dieses Morgens sprechen für sich: „Wie eine zweite Familie“, „man bekommt immer unkomplizierte Hilfe“, „viel Abwechslung und leckeres Essen“

Startschuss für die Wärmestube war am 2. Oktober 1996

Abteilungsleiter Stefan Schütz, der unter den Gästen auch Schongaus 1. Bürgermeister Thomas Schleich, Altenstadts 2. Bürgermeisterin Kathrin Högg sowie Peitings 2. Bürgermeister Gunnar Prielmeier begrüßt, erinnert in seiner Rede an die Entstehung der Wärmestube. Als im November 1995 in Herzogsägmühle angefragt wurde, ob man nicht gemeinsam etwas für Obdachlose in Schongau machen könne, startete der damalige Direktor Erwin Dürr einen Spendenaufruf für diese Idee. Die Kosten der Einrichtung übernahm der Lions-Club Schongau. Der Startschuss für die Schongauer Wärmestube war am 2. Oktober 1996.

Eine große Unterstützerin der Aktion war Marion Dürr (84), die sich in Hohenfurch ein Geschäft für Weihnachtskrippen aufgebaut hat. Dort sammelte sie in einer Spendenbox für das Projekt. „Uns geht es doch so gut, da müssen wir doch andere unterstützen, die Hilfe brauchen“, war damals ihr Gedanke.

Nach zwei Umzügen der Räumlichkeiten ist seit Juli 2005 an der Dominikus-Zimmermann-Straße in Schongau das Zuhause für alle Genießer des „besten Kaffees von Schongau“, wie einer der Stammgäste der Wärmestube sagt.

Wenn Wolfgang kocht, gibt‘s österreichische Delikatessen

Monika Wunderer und Renate Brauchler sind als Köchinnen die „guten Seelen“ der Wärmestube. Wenn die beiden am Donnerstag die Ausgabe der „Schongauer Tafel“ abwickeln, schwingt stattdessen Wolfgang Baier die Kochlöffel. An diesem Tag gibt’s dann Kost aus dem Nachbarland Österreich, wo Wolfgang seine Wurzeln hat. Salzburger Nockerln, Kaiserschmarrn, Palatschinken oder eine deftige Kartoffelsuppe, das sind Wolfgangs Stammgerichte.

Unterstützt werden Monika Wunderer und Renate Brauchler von Johanna Preu, Monika Kühnel und Reinhard Slama. „Immer wenn’s brennt und wir Unterstützung brauchen, sind die drei Stützen zur Seite“, sagen die beiden. Für diesen besonderen Tag wurden von ihnen die süßen Teilchen gebacken.

Mitarbeiterin Agnes Assmann, die für die Büroarbeit zuständig ist, hat immer ein offenes Ohr für alle Belange, die alleine nicht zu schaffen sind. Hoffentlich ein Garant dafür, dass hier noch viele Jahre lang gelacht, getröstet, wild und manchmal lautstark diskutiert und auch Wäsche gewaschen wird.