Stand: 18.08.2026, 14:00 Uhr
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Zehn Jahre lang dienten zwei Gemeindehäuser in Schaftlach als Flüchtlingsunterkunft. Jetzt werden die acht Wohnungen neu vermietet. Es ist die zweite Phase des Schaftlacher Modells.
Schaftlach – Zehn Jahre lang haben die beiden Gemeindehäuser in Schaftlach als Flüchtlingsunterkunft gedient. Um den Weg frei zu machen für die zweite Phase des Schaftlacher Modells, mussten die 33 Bewohner jetzt ausziehen. Die Vergabe der acht Wohnungen liegt nun in kommunaler Hand.
Die beiden Schaftlacher Flüchtlingshäuser sind leer, alle 33 Bewohner ausgezogen. Etwas vor der Zeit: Der Mietvertrag, den der Landkreis mit der Gemeinde Waakirchen geschlossen hat, endet erst am 30. September. Zehn Jahre lang haben die beiden Häuser am Michael-Schreiber-Weg als Unterkunft für Asylbewerber gedient. Versprochen war, dass die acht Wohnungen, jede mit 52 Quadratmetern, nach einem Jahrzehnt als günstiger Wohnraum für Einheimische zur Verfügung stehen. Um Wort zu halten, hat der Gemeinderat im Februar beschlossen, den Vertrag fristgerecht zu kündigen – auch wenn die Situation komplex ist.
Manche der zuletzt 33 Bewohner haben jahrelang dort gelebt, sind hier heimisch geworden. Die Kinder gehen am Ort zur Schule, die Eltern zur Arbeit. Zwei Familien durften von der Unterkunft in Gemeindewohnungen umziehen. „Teils waren die Arbeitgeber bei mir“, berichtet Bürgermeister Norbert Kerkel. Händeringend hätten die Unternehmer darum gebeten, ihren Mitarbeitern nicht die Wohnung am Ort zu nehmen, damit sie im Betrieb bleiben. „Die Leute werden gebraucht“, weiß Kerkel.
14 der früheren Bewohner der Schaftlacher Häuser sind keine Asylsuchenden mehr, sondern sogenannte Fehlbeleger. Ihr Antrag auf Asyl ist längst bewilligt, aber weil sie auf dem freien Markt keine Wohnung finden konnten, durften sie in der Unterkunft bleiben. Auch jetzt wurden sie nicht auf die Straße gesetzt. Wer ohne Alternative war, den hat das Landratsamt in einer der anderen Unterkünfte des Landkreises untergebracht, wie die Asylbewerber auch. Die Verlegung sei „bedarfsorientiert“ erfolgt, erklärt die Pressesprecherin. Also keine Einweisung in die gleiche Unterkunft, sondern individuelle Entscheidungen, welche Landkreis-Unterkunft am besten passt. Der ehrenamtliche Helferkreis hat den Vorgang begleitet. „Es gab Härten“, weiß Sprecher Eckhart von Zons.
Der Landkreis hätte den Mietvertrag für die Häuser gerne verlängert. Ein schwerer Schlag in Sachen Flüchtlingsunterkünfte ist die Kündigung aber nicht. „Im Hinblick auf die aktuellen Gegebenheiten und die derzeit noch bestehenden Unterkünfte hat sich die Situation nicht signifikant verschlechtert“, heißt es aus dem Landratsamt.
Mit dem Auszug der Migranten ist der Weg frei für die zweite Phase des sogenannten Schaftlacher Modells: Die 2016 errichteten Häuser können nun von der Gemeinde vermietet werden, was in diesem Fall Aufgabe des Kommunalunternehmens (KU) Wohnbaugesellschaft Waakirchen ist. Die zehnjährige Nutzung als Flüchtlingsunterkunft hat die Finanzierung des Baus ermöglicht, dank der üppigen Mietzahlungen des Freistaats. Dass die künftig fehlen werden, war dem Gemeinderat bei der Entscheidung, die Kündigung auszusprechen, bewusst gewesen.
Eine große Sanierung ist jetzt nicht fällig. „Die Wohnungen sind in einem guten Zustand“, berichtet KU-Vorstand Luitpold Grabmeyer. Ein paar kleinere Dinge seien zu erledigen, wie das bei jedem Wohnungswechsel üblich sei. Wann die Wohnungen neu vermietet werden, lasse sich noch nicht exakt sagen. Wohl zum Jahresende.
Das Interesse dürfte groß sein. Die Liste der Wohnungssuchenden in Waakirchen ist lang, die Vergabe erfolgt nach einem Kriterienkatalog. Wie hoch die Miete sein wird, ist Grabmeyer zufolge noch nicht festgelegt, der Verwaltungsrat werde sich damit befassen. Es sei aber von einem Mietpreis von 12 bis 14 Euro pro Quadratmeter auszugehen: „Auf jeden Fall günstiger als auf dem freien Markt.“