33-Jähriger will abfahrenden Zug in Italien noch aufhalten – vor den Augen seiner Freundin stirbt er

Stand: 27.10.2026, 13:03 Uhr

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Der Unfall ereignete sich am Sonntagnachmittag: Riccardo Stincone starb im Krankenhaus. Der Comiczeichner arbeitete für ein Unternehmen in Mailand, das Videospiele entwickelt.

Verona – Er wollte den gerade abgefahrenen Zug aufhalten, der ihn nach Mailand bringen sollte. Doch als er ihm hinterherrannte, rutschte er ins Gleisbett und wurde von dem Zug tödlich überrollt. Die Tragödie ereignete sich am Sonntagnachmittag am Bahnhof Verona Porta Nuova.

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Dieser Artikel von Beatrice Branca und Francesco Sergio entstand in Kooperation mit Corriere della Sera

Das Opfer hieß Riccardo Stincone. Der 33-jährige Comiczeichner mit dem Spitznamen „XDinky“ stammte aus Cervignano del Friuli und war gerade mit seiner Freundin aus einem Frecciarossa aus Venedig ausgestiegen. Am Wochenende hatten die beiden zusammen mit zwei Freunden ein Musikfestival in Rivolta besucht.

Ein 33-Jähriger ist am Bahnhof Verona Porta Nuova gestorben (Symbolbild).

Ein 33-Jähriger ist am Bahnhof Verona Porta Nuova gestorben (Symbolbild). © IMAGO / NurPhoto

Nach dem Mittagessen waren sie aufgebrochen und sollten um 16:43 Uhr den Zug zurück nach Mailand nehmen, wo er für ein Unternehmen arbeitete, das Videospiele entwickelt. Sie waren spät dran. Deshalb rannten sie außer Atem zum Bahnsteig und kamen gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie sich die Türen des Zuges schlossen.

In dem verzweifelten Versuch, den Anschluss nicht zu verpassen, begann Riccardo, gegen die Fenster des Zuges zu klopfen, um auf sich aufmerksam zu machen und die Türen öffnen zu lassen. Doch sobald der Zug abgefahren ist, lässt er sich nicht mehr anhalten. Vielleicht wusste er das nicht: Er begann, ihm hinterherzurennen. Dabei rutschte er vom Bahnsteig ins Gleisbett und wurde von dem Zug überrollt.

Freundin erlebt den Unfall mit, Riccardo stirbt im Krankenhaus

„Nachdem das Signal zur Abfahrt erteilt worden war, setzte sich der Zug mit geringer Geschwindigkeit in Bewegung“, teilte TreNord in einer Pressemitteilung mit. „Der Hergang des Vorfalls wird derzeit von den zuständigen Behörden geprüft. Das Unternehmen gewährleistet eine umfassende Zusammenarbeit.“

Der Zug setzte seine Fahrt fort; an Bord hatte niemand etwas bemerkt. Riccardos Freundin dagegen hatte die tragische Szene mitangesehen und begann zu schreien und um Hilfe zu rufen. Als Erste half dem 33-Jährigen eine Ärztin, die zufällig vor Ort war.

Dann trafen die Rettungskräfte des Notrufs 118 ein und brachten ihn umgehend ins Krankenhaus Borgo Trento. Er wurde auf die Intensivstation aufgenommen und starb wenige Stunden später. Seine Eltern kamen aus dem Friaul, auch seine Schwester und sein Bruder eilten an sein Krankenbett.

Alle kehrten am Montagabend zurück, während der Leichnam für weitere Untersuchungen noch in Verona bleibt. Die Bahnpolizei ermittelt unter Leitung der Staatsanwaltschaft zum Unfallhergang. Die Angehörigen müssen auf die Freigabe warten, bevor sie den Leichnam nach Cervignano überführen können.

Vom Mathematikstudium zum Comiczeichnen und zur Spieleentwicklung

Riccardo wurde in Palmanova in der Provinz Udine geboren. Nach der Schule zog er nach Padua, um dort die Universität zu besuchen. Er entschied sich für ein Mathematikstudium, doch seine Liebe zum Zeichnen und zu Videospielen führte ihn anschließend direkt an die Big Rock School in Roncade in der Provinz Treviso, wo er 3D-Modellierung studierte.

2019 zog er dann nach Mailand, wo er bei Ubisoft zu arbeiten begann und seine Freundin kennenlernte. Das Wochenende hatte Riccardo mit Thomas und Girolamo verbracht, die am Sonntag sofort ins Krankenhaus eilten, als sie von dem Unfall erfuhren. „Wir drei haben uns 2014 kennengelernt“, erinnert sich Thomas.

„Riccardo hatte mich über die sozialen Medien kontaktiert und mich eingeladen, an einer Comic-Zeichenrunde in Rovigo teilzunehmen.“ Daraus entstand ihre Freundschaft, die sie auch durch die gemeinsame Arbeit an ihren Comics verband.

„Von da an waren wir befreundet, und gemeinsam gründeten wir drei ein Kollektiv, um unsere Comics selbst zu veröffentlichen. Was geschehen ist, ist eine Tragödie. Wir haben versucht, seiner Freundin und seinen Angehörigen beizustehen. Wir hatten ihn von ganzem Herzen lieb.“