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33 Kilometer ohne Klamotten Nackte Hessen auf Rädern wollen nach Berlin
Mit einer Demonstration in Berlin will eine Mountainbike-Gruppe aus dem Taunus für Freikörperkultur werben - splitterfasernackt. Was sie dazu bewegt und wie die Polizei das findet, erzählt der Organisator im Interview.
Normalerweise im Hochtaunus unterwegs jetzt aber auch in Berlin. Die “Taunus Nackt-Mountainbike-Gruppe”. Bild © Ralf Sprenger
Audio
02:05 Min.|Tim Frühling / Ralf Sprenger
Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite
Nackt am Strand liegen ist auch in Deutschland nicht ungewöhnlich. Nackt Fahrradfahren schon eher. Doch genau dafür wurde die "Taunus Nackt-Mountainbike-Gruppe" gegründet. Bislang war sie ausschließlich in heimischen Gefilden unterwegs.
Nun aber will die Gruppe Neu-Anspach (Hochtaunus) für das Nacktradeln werben und macht sich dafür auf nach Berlin. Nur bei der Anreise ist sie bekleidet.
Als Teil der "World Naked Bike Ride" wollen die FKK-Pedalisten dort für die Werte des "Naturismus" werben. Was damit gemeint ist, erklärt Organisator Ralf Sprenger im hessenschau-Interview.
Weitere InformationenDas Gespräch führte Tim Frühling.
Ende der weiteren Informationenhessenschau.de: Herr Sprenger, am Sonntag gibt es eine große Nackt-Fahrrad-Demo in Berlin - den "World Naked Bike Ride". Organisiert wird er von Ihnen und Ihrer Nackt-Radel-Gruppe aus dem Taunus. Was genau haben Sie eigentlich vor?
Ralf Sprenger: Wir wollen 33 Kilometer quer durch die Hauptstadt fahren und dabei für die Werte des Naturismus werben. Wenn möglich, wollen wir sogar am Reichstag vorbeischauen. Dafür steht aber gerade noch die Genehmigung aus. Das ist ja ein sogenannter "befriedeter" Bezirk. Wenn es nicht klappt, haben wir auch eine Alternativroute.
hessenschau.de: Die Polizei in der Hauptstadt hat also Bedenken?
Sprenger: Nein. Mit der Polizei ist alles geklärt und die unterstützen uns auch sensationell gut. Wir sind total happy damit, wie die mit uns umgehen.
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Zur Person:
Ralf Sprenger - Gründer der “Taunus Nackt-Mountainbike-Gruppe” . Bild © Ralf Sprenger
Ralf Sprenger, (58) aus Neu-Anspach (Hochtaunus) arbeitet bei einer großen Versicherung in Frankfurt. Im Rahmen einer Psychotherapie kam er vor acht Jahren mit dem "Naturismus" in Berührung. Vor fünf Jahren gründete er die Taunus Nackt-Mountainbike-Gruppe".
Ende der weiteren Informationenhessenschau.de: Jetzt radeln Sie und Ihre Mitstreiter in der Regel durch den Taunus. Da sind normalerweise jetzt nicht so wahnsinnig viele Menschen unterwegs. Das dürfte in Berlin schon anders sein, oder?
Sprenger: Ja, so ein ganz bisschen (lacht).
hessenschau.de: Es ist aber auch eine große Bühne...
Sprenger: Wir wollen den "World Naked Bike Ride" einfach nach Deutschland holen. Das ist ja eine Veranstaltung, die überall in Europa stattfindet. In London ist der größte. Da sind immer ein paar tausend Nackte unterwegs. Die müssen das sogar als Sternfahrt organisieren. Und wir haben uns gedacht: Warum denn nicht auch in Deutschland? Deshalb geht es nach Berlin. Um ein Zeichen zu setzen.
hessenschau.de: Aber durch eine Millionenstadt fahren ist ja doch ein ganz anderer Rahmen als sonst. Haben Sie das schon mal vor so einem großen Publikum gemacht?
Sprenger: Es gibt einige von unserer Gruppe, die regelmäßig nach Brüssel oder nach Amsterdam fahren. Dort finden auch große "World Naked Bike Rides" statt, und die genießen das sehr. Gerade in Amsterdam, das ist richtig Partystimmung.
hessenschau.de: Vielleicht auch deshalb Berlin? Die Berliner kann ja so leicht nichts mehr schocken.
Sprenger: Naja, wir machen es schon auch wegen der Symbolik. Und vielleicht ist es ja auch ein Türöffner für ganz Deutschland. Dann sind wir irgendwann vielleicht auch in Frankfurt.
hessenschau.de: Sie sagen, dass Sie Werbung für den Naturismus machen wollen. Erklären Sie uns doch mal die Idee dahinter! Was macht die Philosophie des Naturismus aus?
Sprenger: Ich glaube, jeder, der FKK oder Naturismus mal ausprobiert, wird merken, wie befreiend es ist, wenn man unter Menschen auch nackt unterwegs ist. Das ist ein gewaltiger Booster für das eigene Selbstbewusstsein. Das fördert die Selbstakzeptanz ungemein. Man erlebt ein unglaubliches Gefühl der Freiheit.
hessenschau.de: Würden Sie denn sagen, dass es sich um eine politische Aktion handelt?
Sprenger: Es gibt natürlich die Möglichkeit, seinen eigenen Körper mit ein paar Parolen zu verzieren. Wir wollen aber in erster Linie bei unseren Werten bleiben. Es soll nicht zu politisch werden, aber es soll durch die Nacktheit auch die Verletzlichkeit des Radfahrers im Straßenverkehr dargestellt werden. Aber für uns stehen die naturistischen Werte im Vordergrund.
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Naturismus - auch bekannt als Freikörperkultur (FKK) - ist eine Lebensweise, bei der das Nacktsein als natürlicher Ausdruck von Körperakzeptanz, Freiheit und Gleichheit verstanden wird. Im Mittelpunkt sollen ein respektvoller Umgang mit sich selbst, anderen Menschen und der Natur stehen. Nacktheit soll dabei keinen sexuellen Charakter haben, sondern als selbstverständlicher Teil des Zusammenlebens betrachtet werden.
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