1860-Neuzugang Eberwein im Interview: „Mit Regionalliga hat das wenig zu tun“

Stand: 07.08.2026, 13:38 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Neulöwe Michael Eberwein spricht im exklusiven Interview mit Absolut Sechzig über 1860-Wucht, seine FCB-Vergangenheit und Jesper Verlaat.

München – Versierte Ballannahme, Drehung – Tor. Michael Eberwein (30) ist es zu verdanken, dass die Löwen beim Auftaktmatch in Schweinfurt (2:2) nicht lange mit 0:1 hinten lagen. Sein erster Treffer im ersten Punktspiel für die Blauen – und das als ehemaliger Roter. In unserem Interview spricht der Offensivallrounder aus Au in der Hallertau über die Gründe für seinen Wechsel, die besondere Energie am Standort Giesing und einen beliebten Ex-Löwen, der seine Wohnung in Dortmund übernommen hat.

Zweikampfstark und torgefährlich: Michael Eberwein ist 208 Mal in der 3. Liga aufgelaufen, meist mit starkem Offensivdrang – diese Erfahrung bringt er bei 1860 ein.

Zweikampfstark und torgefährlich: Michael Eberwein ist 208 Mal in der 3. Liga aufgelaufen, meist mit starkem Offensivdrang – diese Erfahrung bringt er bei 1860 ein. © IMAGO/Max Kilian

Herr Eberwein, seit Ihrer Ankunft bei 1860 ist enorm viel passiert. Alles schon verarbeitet?

Mittlerweile schon. Es war für mich persönlich ein gelungener Auftakt – auch wenn ich gerne den Sieg mitgenommen hätte. Ehrlicherweise fühlt es sich so an, als wäre ich schon ein bisschen länger hier. Es ist auch sehr angenehm, wieder in der Heimat zu sein, auch mit meinen beiden Kindern. Die Familie freut sich.

Was gab den Ausschlag für den Wechsel?

Ich war jetzt viele Jahre in Dortmund. Ich wusste, welche Wucht hinter Sechzig steckt. Das ist schon cool, in meinem Alter noch mal so etwas erleben zu dürfen. Man spürt die große Aufbruchsstimmung.

1860-Neuzugang Eberwein: „An der Abstimmung müssen wir arbeiten“

Auf welchen Spielertypen können sich die Fans bei Michael Eberwein freuen?

Ich bin kein klassischer Mittelstürmer, spiele eher etwas dahinter. Trotzdem will ich immer wieder in den Sechzehner kommen und torgefährlich sein. Haben wir defensiv Schwierigkeiten, komme ich aber auch gerne tiefer und helfe mit. Eine Stärke von mir ist die Arbeit gegen den Ball, ich bin recht laufstark.

Ist Ihre Vergangenheit beim FC Bayern verjährt oder haben Sie schon einen Spruch abbekommen?

(lacht) Ein paar Sprüche gab es natürlich schon. Aber die Zeit dort ist sehr lange her, das war in meiner Jugend. Da muss man zum Glück nicht mehr viel darüber reden.

Sie haben die Vorbereitung bei Dortmund II absolviert. Auch mal bei Jesper Verlaat nachgefragt, wie der Verein in Giesing so tickt?

Ja, klar. Er hat mir einiges erzählt. Als der Kontakt konkreter wurde, habe ich noch mal expliziter Fragen gestellt. Da er wahrscheinlich meine Wohnung in Dortmund übernimmt, haben wir auch jetzt noch Kontakt (lacht).

Sie haben die Wucht schon angesprochen. Überrascht von dem großen Interesse an 1860, dem Regionalligisten?

Das ist extrem hier. Mit Regionalliga hat das wenig zu tun. Ich hoffe, wir können die Begeisterung in positive Ergebnisse umwandeln. Natürlich kann die große Medienpräsenz auch mal unangenehm werden, wenn die Stimmung kippt. Es ist unsere Aufgabe, das mit sportlicher Leistung zu vermeiden.

Der Auftakt beim 2:2 in Schweinfurt war solide. Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Wir haben eine sehr laufstarke und aggressive Mannschaft, der Spirit ist gut. Uns fehlen Eingespieltheit und Cleverness – beispielsweise im Anlaufverhalten. An der Abstimmung müssen wir arbeiten. In Schweinfurt ist es uns leider nicht gelungen, die wenigen Chancen des Gegners zu verteidigen. Die konnten aus relativ wenig zwei Tore machen.

Zeit zum Durchschnaufen bleibt keine. Bis Ende August stehen sechs Spiele an…

Es ist vielleicht nicht ganz optimal, direkt so viele Spiele zu haben, da einige Jungs keine sonderlich lange Vorbereitung hatten. Ein paar Trainingseinheiten mehr würden nicht schaden. Aber wir können es nicht ändern. Vielleicht hilft es auch dabei, dass wir noch schneller zusammenwachsen – das klappt gut über Spiele und Erfolgserlebnisse.

Sind die Löwen bereits ein Kandidat auf den Aufstieg?

Wir wissen noch nicht, wo wir stehen. Wir hatten erst wenige Trainingseinheiten zusammen und gegen Schweinfurt erst ein Spiel gegen eine Mannschaft aus der gleichen Liga. Es wäre falsch, den Aufstieg als Ziel auszurufen. Wir brauchen mindestens noch den August, um zueinander zu finden. Wir kennen uns noch nicht gut genug.

Am Freitag geht es gegen Augsburg II. Herrscht Stolpergefahr?

Zweite Mannschaften sind unberechenbar. An einem guten Tag können sie dir mit ihrem Talent extrem wehtun. Unser Anspruch ist jedoch, dass wir in unserem Stadion zeigen, wer Herr im Haus ist. Wir wollen die Fans sofort mitnehmen und bestenfalls in Führung gehen.

Kayabunar vor Heimpremiere: Es kribbelt!

Ausverkauftes Haus, riesige Euphorie und mit Augsburg II ein Gegner, der das Spiel als Derby ansieht. Auch Alper Kayabunar kann nicht leugnen, dass seine Heimpremiere mit den Regionalliga-Löwen ein gewisses Kribbeln auslöst. „Ein Riesending“ sei das für ihn als Münchner, gibt der ehemalige U 21-Trainer zu.

Vor dem Talentschuppen aus Augsburg warnt Kayabunar („top ausgebildet“), zeigt aber auch auf, wo‘s beim FCA haken könnte. „Ich war letzte Saison selbst Trainer einer zweiten Mannschaft. Oft wusste ich erst am Spieltag, welche Spieler zur Verfügung stehen.“ Diese Sorgen hat er aktuell nicht. Linksfuß Moritz Seiffert, am Montag aus Aue gekommen, erweitert Kayabunars Spektrum: „Er kann offensiv spielen, er kann defensiv spielen.“ Ob Seiffert auch gleich anfängt, wollte er nicht verraten.

TSV 1860 – Augsburg II

Anstoß: Freitag, 19 Uhr, wir berichten im Live-Ticker.

TSV 1860: Eicher - Bell, Faßmann, Weber, Fiedler - Wach, Dressel - Leone, Eberwein, Husic - Niederlechner.

Augsburg II: Wisbereit - Aigner, Guha, Lichtensteiger, Schumacher - Bahn, Bleicher - Malaj, Mühlbauer, Ruf - Nana.

Schiedsrichter: Johannes Wagner (Ingolstadt).