Stand: 24.07.2026, 17:32 Uhr
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In Ziegenhain protestierten zahlreiche Menschen gegen die Schließung der Geburtshilfe und Gynäkologie. Unter ihnen waren überwiegend Frauen und Asklepios-Mitarbeiterinnen.
Ziegenhain – Schwarze Luftballons schwebten am Freitagnachmittag am Himmel vor der Asklepios-Klinik in Ziegenhain, wo zu einer Kundgebung eingeladen worden war (HNA berichtete).
Ihrem Unmut, Ärger und auch ihrer Trauer über die Schließung der Geburtshilfe und der Gynäkologie machten etwa 350 Menschen Luft, die auf einer abgesperrten Parkplatzfläche direkt am Klinikum zusammenkamen. Bemerkenswert: Unter den Demonstrierenden waren überwiegend Frauen.
Plakate machten auf Missstände aufmerksam
Die Polizei war mit drei Streifen im Einsatz, auch Pressesprecherin Yvonne Winter war vor Ort. Die Parksituation blieb entspannt, alle Beteiligten hielten sich an die zuvor kommunizierten Regeln.
Auf der mit Flatterband umsäumten Fläche zeigten sich viele Frauen entsetzt über die Pläne des Konzerns. Optisch machten sie auf die Missstände mittels teils sehr kreativ gestalteter Plakate aufmerksam. Die Schließung der Frauenklinik sei ein Schlag gegen die Frauengesundheit, brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt.
Dass eine Region so ausgedünnt wird, ist ein Skandal.
„Ich stehe heute hier, weil ich es wichtig finde, dass kleine Kliniken erhalten bleiben. Es ist unverantwortlich, dass Gebärende künftig so weit fahren müssen“, sagte Alina Burkart aus Schwalmstadt.
Demonstrierende setzen sich für Mitarbeitende ein
Ihre Freundin Laura Brüchle ergänzte: „Eine Bekannte von mir arbeitet hier im Kreißsaal. Wir stehen heute auch hier für die Menschen, die hier arbeiten.“

Aus der Politik war die Partei Die Linke vertreten, auch Bürgermeister Tobias Kreuter und der Landratskandidat Luca Fritsch kamen mit der Organisatorin Ariane Prösch-Roppel und weiteren ins Gespräch.
Ebenso die Kreisvorsitzende der CDU Anna-Maria Bischof und die Landtagsabgeordneten Wiebke Knell (FDP) und Christoph Sippel (Grüne). Eine technische Anlage gab es seitens der Veranstalter nicht: einzig ein Megafon.
Viele Frauen machten ihrem Ärger Luft
Trillerpfeifen und andere akustische Signale waren im Vorfeld wegen des sensiblen Krankenhausbetriebes untersagt worden.
Viele Frauen machten ihrem Ärger Luft: Sie monierten, dass man mit der Gesundheit keine Geschäfte mache, und appellierten an die soziale Verantwortung und die Daseinsvorsorge des Klinikkonzerns. Männer waren in der Unterzahl.
Das sei schade, kritisierte eine Teilnehmerin. Sie sei hier, um ein Zeichen zu setzen, sagte Hebamme Isabelle Vaupel. Alexandra Trümner, siebenfache Mutter und Unternehmerin aus Neukirchen, die zum ersten Mal eine Demo besuchte, sagte: „Mir fehlt eine kreative Lösung. Man sollte auf Augenhöhe sprechen. Aber kampflos aufgeben, das dürfen wir nicht.“
Nachricht über Schließung sorgt für Fassungslosigkeit
Ärztin Ruth Bär positionierte sich ebenfalls. Sie rückte den Wegfall der Gynäkologie noch einmal in den Mittelpunkt: „Diese künftig weiten Fahrtstrecken sind für viele nicht zumutbar. Dass eine Region so ausgedünnt wird, ist ein Skandal.“
Demo-Teilnehmerin Theresa Bär erklärte, dass die Nachricht von der Schließung sie fassungslos gemacht habe. Mit der Gesundheit solle man keine Geschäfte machen. Sie habe die Hoffnung, dass der Protest Wirkung zeige und die Frauenklinik erhalten bleibe.
Das Organisationsteam fand ebenfalls deutliche Worte. „Wir sind heute hier, um unsere Empörung über die Schließung der Geburtsstation und Gynäkologie zu zeigen“, begrüßte Initiatorin und Versammlungsleiterin Ariane Prösch-Roppel.
Asklepios-Mitarbeitende waren ebenfalls vor Ort
Besonders dankte sie Asklepios-Mitarbeiterinnen, die ebenfalls zur Kundgebung gekommen waren: „Es ist schön, dass ihr hier seid und für euch einsteht.“ Pünktlich zum Start der Kundgebung war Schichtwechsel gewesen und Mitarbeitende waren an pinkfarbenen T-Shirts zu erkennen.
Treffende Worte fand auch Teilnehmerin Mandy Lukes-Möller: „Danke an alle Mitarbeitenden, die jahrelang die Station vorangetrieben haben. Und an die Klinikleitung: Ihr solltet euch in Grund und Boden schämen.“
Mit weiteren Redebeiträgen und Solidaritätsbekundungen schlossen sich auch Vera Böckler, Sprecherin von Verdi Mittelhessen, und ein Vertreter der Bürgerinitiative, die seinerzeit für den Erhalt der Klinik in Melsungen gekämpft hatten, an.
Politiker wollen weiterhin für Frauenklinik kämpfen
Luca Fritsch, die Landtagsabgeordneten Knell und Sippel hatten ebenso kurze Redebeiträge, die von den Teilnehmerinnen beklatscht wurden.
„Wir wurden im Vorfeld nicht ins Boot geholt und dürfen erst jetzt agieren, wo das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, machte Fritsch seinem Ärger Luft. Knell und Sippel versicherten, dass sie im Landtag mithilfe der Online-Petition auch weiterhin für eine Lösung kämpfen werden.
Bürgermeister Tobias Kreuter bedankte sich bei allen, die zu der Versammlung gekommen waren. „Diese Kundgebung und die Online-Petition sind ganz wichtige Bausteine, um weiterhin Druck aufzubauen“, verdeutlichte er.
Leitender Oberarzt hielt emotionale Ansprache
Zum Abschluss meldete sich Mohamed Koheil, Leitender Oberarzt der Gynäkologie am Asklepios Krankenhaus, zu Wort. „Ich bin heute sehr emotional. Wir stehen alle enttäuscht und entsetzt zusammen“, begann er seinen Redebeitrag.
Die tiefsitzenden Emotionen waren ihm deutlich anzumerken. Keiner habe der Belegschaft gesagt, dass das Ende bevorstehe. „In unserem Job hat jeder von uns schon einmal erlebt, dass jede Minute zählt. Wir haben Menschen und Kinder gerettet, die sonst sterben würden“, verdeutlichte er. Seine Worte sorgten für lautstarke Zustimmung im Publikum, als er forderte: „Lasst uns das bitte weitermachen.“
Versammlungsleiterin Ariane Prösch-Roppel war überwältigt von der großen Teilnehmerzahl. „Es kann nicht sein, dass unsere Schwalm-Babys aussterben. Danke, dass ihr alle da seid. Gemeinsam sind wir stark.“