Mercosur-Deal: 500-Millionen-Zückerli spaltet Schweizer Landwirtschaft

Publiziert19. September 2026, 13:30

Bauern zu Mercosur500-Millionen-Zückerli: «In Wahrheit ist es eine Niederlage»

Die Landwirte im Parlament haben ihren Widerstand gegen das Mercosur-Freihandelsabkommen aufgegeben. Der Deal: Dafür bekommen sie 500 Millionen Franken. Doch dieses Zückerli schmeckt nicht allen Landwirten.

Stefan Lanz

Darum gehts

  • Das Parlament hat 517 Millionen Franken für die Landwirtschaft als Begleitmassnahmen zum Mercosur-Freihandelsabkommen beschlossen – hauptsächlich als rückzahlbare Darlehen.
  • Gemäss Grünen-Nationalrat Kilian Baumann könnten nur 63 Prozent der rund 46'270 Schweizer Landwirtschaftsbetriebe von den beschlossenen Investitionskrediten profitieren.
  • Die Kleinbauernvereinigung unterstützt deshalb das Referendum gegen den «faulen Mercosur-Deal» und warnt vor Präzedenzwirkung für künftige Abkommen.

517 Millionen Franken konnten die Schweizer Landwirte am Mittwoch beim Parlament lockermachen. Dafür gaben sie ihren Widerstand gegen das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen «Mercosur»-Staaten auf. Das kritisierten vor allem Linke bereits bei der Debatte im Nationalrat.

Doch ist dies wirklich ein grosser Sieg? Der Präsident der Kleinbauernvereinigung, der grüne Nationalrat Kilian Baumann, sagt: «Nein.» Er spricht von einem «Pyrrhussieg für die Landwirtschaft». Dieser werde zwar in vielen Medien als Erfolg dargestellt, «in Wahrheit ist es aber eine Niederlage und wird vielen Bauernbetrieben die Existenz kosten».

Das Geld gibt es nur als Kredit – zu strengen Konditionen

Der Grund: Ein Grossteil der 517 Millionen Franken sind Darlehen des Bundes, sogenannte «Investitionskredite». Diese sind zwar zinslos, müssen allerdings durchschnittlich nach 14 Jahren zurückgezahlt sein. Das heisst: Nimmt ein Landwirt eine Million Franken für einen neuen Stall auf, muss er jährlich knapp 71’500 Franken zurückzahlen.

Wegen der Bedingungen des Kredits, zum Beispiel dass mindestens eine vollzeitangestellte Person sich um den Hof kümmern muss, würden zudem viele Betriebe gar kein Darlehen erhalten. Baumann rechnet vor, dass von den aktuell 46’270 Landwirtschaftsbetrieben nur 63 Prozent von den Krediten profitieren können. Mit der neuen Agrarpolitik 2030, die bald im Parlament beraten wird, wären es sogar nur noch 57 Prozent.

«In Wahrheit ist es eine Niederlage und wird vielen Bauernbetrieben die Existenz kosten», sagt Grünen-Nationalrat Kilian Baumann.

«In Wahrheit ist es eine Niederlage und wird vielen Bauernbetrieben die Existenz kosten», sagt Grünen-Nationalrat Kilian Baumann.20min/Matthias Spicher

Baumann fürchtet zudem langfristig ein tieferes Einkommen für alle – wegen des Preisdrucks durch die Billigimporte. Der Mercosur-Deal mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sei zudem «ein Präjudiz» wegen der zollfreien Importe. «Wenn sich die Landwirtschaft jetzt nicht wehrt, kommt sie bei zukünftigen Abkommen komplett unter die Räder», warnt der Berner. Seine Vereinigung werde darum das bereits angekündigte Referendum gegen den «faulen Mercosur-Deal» unterstützen.

Bauern-Chef Markus Ritter wehrt sich

Der oberste Landwirt im Parlament ist Bauernpräsident und Nationalrat Markus Ritter (Die Mitte). Er widerspricht Kleinbauernchef Baumann: «Mit den Begleitmassnahmen für die Landwirtschaft zum Mercosur-Abkommen können wichtige Ziele erreicht werden.»

«Gesamthaft handelt es sich nun um ein ausgewogenes Paket, das die Anliegen der Landwirtschaft aufnimmt», findet Bauernverbands-Präsident Markus Ritter.

«Gesamthaft handelt es sich nun um ein ausgewogenes Paket, das die Anliegen der Landwirtschaft aufnimmt», findet Bauernverbands-Präsident Markus Ritter.20min

Die rückzahlbaren Darlehen würden die Investitionsfähigkeit der Betriebe und damit die Wettbewerbsfähigkeit stärken, sagt der St. Galler. «Diese Mittel sind dringend notwendig und basieren auf den Rückmeldungen der Kantone, die diese Gelder sprechen.»

Was sollte die Schweiz bei Freihandelsabkommen mit der Landwirtschaft stärker berücksichtigen?

Mehr direkte Unterstützung für die betroffenen Betriebe.

Bessere Schutzmassnahmen gegen Billigimporte.

Nur Gelder, die wirklich allen Betrieben zugutekommen.

Mehr Chancen für neue Absatzmärkte im Ausland.

Ich finde, die Landwirtschaft wird schon genug geschützt.

Zudem lobt er die 37 Millionen Franken, die das Parlament für die Absatzförderung gesprochen hat. Damit «können die neuen Märkte, gerade für den Käse, erreicht und die Konsumentinnen für unsere Produkte sensibilisiert werden», so Ritter. Auch sei es dank diesem Geld möglich, die Strukturhilfen für den Wein weiterzuführen. «Gesamthaft handelt es sich nun um ein ausgewogenes Paket, das die Anliegen der Landwirtschaft aufnimmt», so der Bauernverbands-Präsident.

Stefan Lanz

Stefan Lanz arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Er ist Bundeshausjournalist mit langjähriger Erfahrung.

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