(Motorsport-Total.com) - Als die Chancen auf eine Austragung des Grand Prix von Bahrain 2026 im Zuge des andauernden Iran-Konflikts immer weiter schrumpften, verfiel die Formel 1 auf eine kreative Lösung, wie sie wohl nur der Königsklasse des Motorsports einfallen kann: Ein Bahrain-Grand-Prix, der gut 6.000 Kilometer entfernt in Malaysia ausgetragen wird.
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Logo des Grand Prix von Bahrain in Malaysia Zoom
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Anstatt Sepang einfach als direkten Ersatz für Bahrain in den überarbeiteten Rennkalender aufzunehmen, verpflanzten die Organisatoren gleich ihre gesamte Veranstaltung auf den neuen Austragungsort.
In enger Zusammenarbeit mit der malaysischen Regierung, den Verantwortlichen des Sepang International Circuit und dem Formel-1-Management wurde ein Rennwochenende auf die Beine gestellt, das sich wie ein echter Bahrain-Grand-Prix anfühlt, wobei der Veranstalter aus Bahrain dem Vernehmen nach den Bärenanteil der ursprünglichen Antrittsgebühr übernimmt.
Möbel, Catering, Mitarbeiter: Bahrain zieht nach Malaysia um
Mit nur zwei Monaten Vorlaufzeit nach der offiziellen Bekanntgabe brachte der sogenannte Bahrain-Grand-Prix in Malaysia erhebliche logistische Herausforderungen mit sich. Denn die offiziellen Vertreter Bahrains setzen alles daran, ihr Paddock-Erlebnis nach Kuala Lumpur zu transportieren. Das bedeutete unter anderem zwei gecharterte Gulf-Air-Flüge - beladen mit Paddock-Möbeln, Catering-Equipment und mehr als 500 Streckenposten, Arbeitern und Offiziellen.
"Als mich Seine Königliche Hoheit anrief und sagte, dass der Bahrain-Grand-Prix dieses Jahr stattfindet, aber eben in Malaysia, musste ich erst einmal kurz nachdenken", gesteht Scheich Salman bin Isa Al Chalifa, CEO des Bahrain-Grand-Prix, am Samstag im Gespräch in seinem provisorischen Büro in Sepang.
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"Aber dann dachte ich mir: Das ergibt absolut Sinn. Die Leute wissen das vielleicht gar nicht so genau, aber die Beziehung zwischen Malaysia und Bahrain ist seit Jahrzehnten sehr eng. Und die Strecke ist wunderschön."
Echtes Bahrain-Feeling in Sepang
"Der erste Schritt war die Grade-1-Lizenz der FIA. Die haben sie im März erhalten, das hat natürlich geholfen. Und dann stellt man sich im Grunde die Frage: Was macht den Bahrain-Grand-Prix eigentlich aus? Wie schaffen wir es, dass die Leute vom Moment der Landung an dieses Gefühl haben - genau wie bei uns in Bahrain?"
"Wir haben damit angefangen, dass dieselben Leute die Teams am Flughafen empfangen und betreuen. Ferrari zum Beispiel hat genau den gleichen Ansprechpartner angetroffen wie sonst in Bahrain. Und wenn du erst einmal hier ankommst: Wie verwandelst du das Fahrerlager?"
"Wir haben im Grunde alles hergeflogen: unsere Möbel, unsere Stühle, sogar das traditionelle Paddock-Barbecue am Mittwoch. Wir haben unsere Köche früher einfliegen lassen, damit sie sich mit den Küchengeräten vor Ort vertraut machen können. Es gab sogar einen speziellen Empfang für Seine Königliche Hoheit und den Premierminister."
Besucheransturm sorgt am Freitag für Probleme
"Wir sind der Formel 1 und Malaysia sehr dankbar, dass sie uns dieses einmalige Event ermöglichen, und natürlich auch den Fans. Dass wir mit dieser Veranstaltung über 100.000 Tickets verkaufen konnten, darunter 50.000 an Fans außerhalb Malaysias, ist für mich persönlich eine riesige Überraschung. Aber es ist eine tolle Sache. Ich hatte eigentlich mit 70 Prozent Malaysiern und 30 Prozent Gästen aus dem Ausland gerechnet."

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Scheich Salman bin Isa Al Khalifa, CEO des Bahrain-Grand-Prix Zoom
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Dieser Zuspruch hatte allerdings auch seinen Preis. Während das Fahrerlager die gewohnte bahrainische Gastfreundschaft genoss, hatten die Ticketinhaber draußen an der Strecke weniger Glück.
Am Freitag tauchten in den sozialen Medien schnell Berichte von Fans auf, die über lange Schlangen an den Verpflegungsständen bei sengender Hitze klagten. Erschwerend kamen ein akuter Mangel an Trinkwasser sowie massive Probleme bei der An- und Abreise zur Rennstrecke hinzu.
Organisatoren reagieren auf die Herausforderungen
Scheich Salman redete nicht um den heißen Brei herum. Zusammen mit seinem Team und den malaysischen Partnern wurden umgehend Maßnahmen ergriffen, um den Samstag reibungsloser zu gestalten. Er räumte jedoch ein, dass die Organisatoren den Ansturm schlichtweg unterschätzt hatten.
Die rund 70.000 Zuschauer am Trainingsfreitag stellten nicht nur die üblichen Kulissen in Bahrain weit in den Schatten, sondern übertrafen auch die bescheidenen Zuschauerzahlen aus der Zeit, als die Formel 1 vor zehn Jahren das letzte Mal in Malaysia gastierte.
"Wir haben die Infrastruktur quasi unter Schock gesetzt", gibt er ehrlich zu. "Wir haben es hier mit Dimensionen und Zahlen zu tun, die für uns völlig neu sind. Selbst das Team aus Bahrain ist es nicht gewohnt, dass 70.000 Menschen über das Straßennetz anreisen."
Gute Zusammenarbeit mit Malyasia
"Am Freitag hatten wir Probleme. Am Samstag lief es schon viel besser, und da müssen wir uns jetzt einfach von Tag zu Tag vorarbeiten. Wir hatten viele Meetings, und ich glaube, es ging vor allem darum zu verstehen, wie frühzeitig man so etwas planen muss."
Dass für ein solches Ausweichevent an einem fremden Ort nur extrem wenig Vorbereitungszeit blieb, machte die Sache nicht leichter. Scheich Salman zeigte sich dennoch zufrieden mit der Zusammenarbeit beider Parteien.
"Die größte Herausforderung ist es, mit einem völlig neuen Team in nur zwei Monaten Vertrauen aufzubauen - und das auf eine angenehme Art und Weise", erklärt er. "Du willst schließlich nicht ankommen und einfach ihre Strecke übernehmen. Man muss da demütig auftreten."
Neue Zuschauermärkte wurden erschlossen
"Sie müssen dahinterstehen und Teil des Ganzen sein. Der Geschäftsführer und der Vorsitzende waren fantastisch. Die Jungs haben so hart gearbeitet. Hoffentlich sehen wir am Sonntag alle die schwarz-weiß karierte Zielflagge."
Auch wenn die Absage des Rennens in Sachir zu Jahresbeginn 2026 nicht das war, was sich die Verantwortlichen in Bahrain vorgestellt hatten, versucht man den Ausweichschritt nach Kuala Lumpur nun als unverhoffte Chance zu begreifen: als Plattform, um sowohl das Rennen als auch das Land in einem neuen Markt zu präsentieren - pünktlich zum Verkaufsstart der Tickets für das Rennen 2027.
"Wir haben unser Rennen für den südasiatischen Markt geöffnet", sagt Scheich Salman. "Nicht nur für Malaysia, sondern auch für Thailand und die Philippinen. Ich glaube, das war ein echter Aha-Effekt. Es hat uns geholfen, und jetzt blicken wir voller Vorfreude auf 2027. Unser Ticketverkauf ist angelaufen, und hoffentlich nehmen wir diesen Schwung aus dem neuen Markt mit nach Hause."
Der beste Weg dahin führt über einen reibungslosen Ablauf am Rennsonntag, was nun die oberste Priorität für die Veranstalter ist - schließlich werden am Hauptrenntag bis zu 100.000 Zuschauer erwartet.
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"Wenn alles vorbei ist, machen sich 100.000 Menschen gleichzeitig auf den Heimweg. Daran müssen wir feilen", meint Scheich Salman abschließend. "Aber um fair zu sein: Die Regierung unterstützt uns enorm. Sie hilft an allen Ecken und Enden, und wir werden das hinbekommen."