80 Lehrer, ein Kühlschrank: So chaotisch geht es im Lehrerzimmer zu

Stand: 27.08.2026, 21:59 Uhr

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Deutschland, 24.09.2024: In einer Grundschule wurde der Schriftzug Lehrerzimmer mit einem Genderstern versehen *** Germa

Was passiert hier bloß? © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

In der großen Pause drängen sich bis zu 80 Pädagogen im Lehrerzimmer. Dort regeln sie ihren Blutzuckerspiegel und stimmen gleichzeitig über Ordnungsmaßnahmen ab. Die FR-Kolumne „Im Rotstiftmilieu“ mit Berichten einer Lehrerin aus Hessen.

Lehrkräftezimmer sind geheimnisvolle Orte. Hier wird laut und leise über Klassen gesprochen und über Noten entschieden. Manchmal wird hier sogar Pause gemacht, aber selbst dann wird gesprochen. Und ja: Es gibt Jugendliche, die sind hier Dauerthema. Wenn die Klingel zur großen Pause schrillt, ist die Kreuzung von Shibuya in Tokyo im Vergleich ein Ort der Einsamkeit. Gleichzeitigkeit ist der Standard: Es wird gegessen, während zum Kopierraum gerannt wird, es werden Blätter sortiert, während man eine Aufsicht tauscht, es werden Notizen ins iPad getippt, während man der Kollegin Feedback zur letzten Vertretungsstunde gibt – kurz gesagt: Niemand hat Zeit, alle haben Hunger und viele Probleme zu lösen.

Und während dieser ganzen Show werden bestimmte, ungeschriebene Gesetze eingehalten, wie: Man setzt sich nicht auf den Stuhl eines Kollegen, man zieht nicht ungefragt den Vorhang zu oder klaut Süßigkeiten vom Tisch. Dass Dinge hier verschwinden: ein Dauerbrenner. Wer in einem Lehrkräftezimmer irgendwo etwas Süßes liegen lässt – it vanishes. An bestimmten Orten allerdings, vorzugsweise auf den Schränken, Fensterbänken und auf allen Tischmitten sammeln sich binnen weniger Tage unerklärliche Mengen Wasserspritzpistolen, leere Getränkedosen, Sichtschutzwände für Klausuren, Tupperdosen, Knautschbälle, Laserpointer und einzelne Arbeitsblätter. Lehrkräftezimmer sind ein Ort des inneren und äußeren Chaos, in dem professionell pädagogische Probleme gelöst werden.

Ich bin immer wieder überrascht, wie gut das alles funktioniert, wenn man bedenkt, dass dort die wenigsten einen eigenen Platz haben, ab 19 Grad Außentemperatur die Heizkörper auf Maximum laufen, es kaum Steckdosen gibt, nur einen kleinen Kühlschrank für alle und dann zu Stoßzeiten rund achtzig Pädagoginnen und Pädagogen ihren Blutzuckerspiegel regeln und dabei die nächste Ordnungsmaßnahme abstimmen. Pausen sind keine. Freistunden, das sind die wirklichen Pausen. Dann herrscht in diesem Raum meistens so etwas wie Ruhe, weil die wenigen übrig gebliebenen leise über Klassen sprechen, bis zur nächsten: Pause.

FR7-Autorin Svenja Post ist Gymnasiallehrerin in Wiesbaden und postet auf Instagram als „Tante Kante“.