Stand: 15.09.2026, 14:00 Uhr
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Betanken, über die Startbahn fahren, per Funk ohne Unterbrechung verbunden sein. An Bayerns drittgrößtem Flughafen soll in Zukunft noch mehr los sein als heute.
Flughafen Memmingen – Vier Minuten früher als geplant setzt der Airbus A320 aus Timișoara an diesem Montagvormittag Ende August auf der Landebahn auf. Nicht mehr als 35 Minuten darf jetzt alles dauern, bis es wieder in die Luft geht. Das ist die strikte Vorgabe der Airline. An der Parkposition läuft jedes Rädchen, um die Wizzair-Maschine zu empfangen: Einweiser, Gepäckabfertiger, Betanker. Bereit, um keine Minute während der Abfertigung zu verlieren. Am drittgrößten Flughafen Bayerns, dem Memminger Airport, ist das Zusammenspiel mit den auf Effizienz getriebenen, günstigen Airlines perfektioniert worden. Das zahlt sich aus: Bald sollen statt sechs, acht Flieger gleichzeitig abgefertigt werden. Dafür rollen die Bagger bereits rund um das Vorfeld, um es zu erweitern. Mehrere Millionen soll am Ende alles kosten.

Hier kennen Abfertiger die Piloten: Hinter den Kulissen von Bayerns drittgrößtem Airport
„Der Flughafen ist in den letzten Jahren stark gewachsen“, erklärt Maricci King, die Marketing-Managerin, am frühen Morgen dieses Ferientags im Terminal. Bei den Abfertigungen „zählt jede Minute“, wird sie später das Erfolgsmodell in aller Kürze zusammenfassen. Zeit ist hier wie kaum woanders Geld. Zwischen 50 und 70 Flugzeuge starten und landen täglich, auf einer Bahn. Um diese fit zu halten, rückt auch heute das Vorfeldteam an: Nicole Odusch ist seit zwei Jahren am Airport, davor war sie lange Zeit am Münchner Flughafen, arbeitete für eine amerikanische Airline im Bodenpersonal. „Für mich ist die Fliegerei Leidenschaft“, sagt sie auf dem Vorfeld, während eine Ryanair-Maschine mit krachendem Lärm in Richtung Griechenland aufbricht.

„Jede Minute zählt“: Das kriegen Passagiere am Airport nie zu sehen
Als Tochter eines Piloten sei ihr die Fliegerei in die Wiege gelegt worden, die Nähe zur Familie habe sie vom Drehkreuz am Erdinger Moos an den Regionalflughafen gebracht. Zusammen mit ihrer Kollegin Stefanie Haggenmüller geht es jetzt im auf E-Antrieb umgebauten VW-Bus auf die Startbahn. Alle zweieinhalb Stunden gibt es Kontrollfahrten, weder Vögel dürfen umherfliegen, noch dürfen Fremdkörper herumliegen. Auch die Abfertigung von Kleinflugzeugen, etwa von Privat- und Businessflügen, liegt in ihrem Bereich. An diesem Montagmorgen kommt die Routineabfahrt ins Stocken, es braucht Geduld. Mehrere Ryanair-Flüge müssen zuerst starten, andere landen. Erst danach geben die Lotsen im Turm Freigabe, die Fahrt kann weitergehen.
Betankung, Piloten-Blick, „Bauch“ des Fliegers: Mittendrin in Bayerns drittgrößtem Flughafen
Vorbei am Pistenabschnitt „Echo 06–24“, wie „E“ in der globalen Fliegerei buchstabiert wird, geht es dann wieder Richtung Terminal. Am anderen Ende des Flughafens steht bereits Thomas Seitz. In 30 Minuten wird die Wizzair aus Rumänien erwartet. Als Supervisor ist er für die Schichteinteilung zuständig: Push-Backs, Busfahrer, Betankung – für alles gibt es täglich Zuständigkeiten. Heute ist er selbst als Tankdienst eingeteilt. 25 Operationen, wie es in der Fliegerei heißt, stehen auf dem Plan. „Dann wird es schon stressig“, erklärt er. 40.000 Liter fasst sein Fahrzeug, pro Flieger, etwa nach Palma, werden sieben bis acht Tonnen Treibstoff betankt, für den Notfall immer etwas mehr. Davor hat er einige Jahre bei der Feuerwehr am Flughafen gearbeitet, ehe es aus beruflichen Gründen in die Abfertigung ging.

Von „Echo“ bis „Romeo“
Die globale Sprache in der Luftfahrt heißt ICAO-Alphabet (auch bekannt als NATO-Flugfunkalphabet oder internationales Buchstabieralphabet). Piloten und Fluglotsen weltweit nutzen diese standardisierte Sprache, um Buchstaben über Funk eindeutig und ohne Missverständnisse zu übermitteln.
An Bayerns drittgrößtem Flughafen kennen Abfertiger die Piloten manchmal persönlich
„Ein Buch könnte man vollschreiben“, erinnert sich der Supervisor, wenn er an seine Einsätze von damals denkt. Eine Flugschule landete etwa vor Jahren ohne Fahrwerk, ein anderer Flieger kam mit plattem Reifen. „Das sorgt dann schon einmal für zwei Stunden Stillstand“, bis die Maschinen geparkt und die Startbahn freigegeben wird. Seit ein paar Monaten gehört auch Marvin Weindl zum Team von Thomas Seitz. Die Faszination Fliegerei packe ihn jeden Tag, erzählt er am Steuer seines Arbeitswagens. Keine 50 Meter daneben macht sich eine Boeing auf in Richtung Süden. Einige Piloten, etwa von Ryanair, kenne man mit der Zeit auch persönlich, kleine Plaudereien seien dann an der Tagesordnung. Etwa dann, wenn der Beleg für den Tankvorgang ins Cockpit gebracht werden muss. Eine Lieblingsroute hat er mittlerweile auch: Immer, wenn ein Flieger Richtung Mallorca abhebt, sei es ein besonderer Moment. Noch am selben Abend wird er von Memmingen aus privat in den Urlaub starten – nach Mallorca, seinem liebsten Reiseziel.

Dann ist die Wizzair-Maschine aus Rumänien auf Parkposition, die Memminger-Abfertigungsmaschinerie kommt ins Rollen. Im Bauch des Airbus wird Gepäck heraus- und wieder reingehieft, das Kerosin fließt tonnenweise in die Tragflächen. Die Passagiere, für die es gleich nach Osteuropa geht, warten bereits, nur wenige Meter neben dem Flugzeug, in das sie gleich steigen. Weniger als 35 Minuten wird am Ende alles gedauert haben, bis es wieder in die Luft geht. Dann machen sich Vorfelddienst, Busfahrer, Follow-Me’s und Abfertigung bereit für den nächsten Flieger – an Bayerns drittgrößtem Flughafen.