ADFC: Radfahren im Landkreis Verden muss attraktiver werden

Stand: 29.08.2026, 06:30 Uhr

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Radserie

Der Vorsitzende des ADFC-Kreisverbands Verden Holger Löhmann sieht Potenzial im Radschnellweg, aber auch noch einige Baustellen. © Bartz

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club bemängelt die Radinfrastruktur im Landkreis Verden. Kreisvorsitzender Holger Löhmann fordert rote Pflasterung an Tankstellen und Supermärkten.

Achim – Stärkung für den Rad- und Fußverkehr – das ist das Anliegen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Doch wie sieht es aus Sicht des Clubs im Landkreis Verden aus? Im Zuge der aktuellen Serie „Mit Rückenwind“ sprechen wir mit dem Kreisvorsitzenden Holger Löhmann über den aktuellen Stand der Dinge, wo es gut aussieht und wo noch Nachholbedarf ist.

Ist Radmobilität im Landkreis Verden eine Erfolgsgeschichte, eine Dauerbaustelle oder etwas dazwischen?

Das ist was dazwischen. Grundsätzlich ist der Radschnellweg der einzige Weg, der wirklich gut ist, während wir in einigen Orten auch Probleme haben. Zum Beispiel entlang der Obernstraße, wo der neue Radweg zu schmal ist. Und dann ist da das große Thema K6 in Baden. Da haben wir unsere Mitarbeit angeboten, sind aber nicht eingeladen worden. Unter anderem ging es uns da um die Einrichtung von Tempo 30.

Wie ist denn generell die Zusammenarbeit zwischen ADFC, dem Landkreis und einzelnen Gemeinden?

Die ist grundsätzlich gut. Wir haben guten Kontakt zur Stadt Achim, natürlich auch daher, weil ich hier lebe und alles mitbekomme. Wir gehen zu Ratssitzungen, machen Einwände, wir unterstützen aber auch die Stadt. Auch mit der Stadt Verden haben wir viel zu tun. Letztens waren wir mal bei einer Sitzung vom Bauausschuss und sind dort für unsere Eingaben auch gelobt worden. Mit dem Land sieht das schon anders aus, da haben wir kaum Kontakt. Mit dem Landkreis schon. Das geht zwar gut, aber es ist nicht so, dass sie uns gerne einbinden. Wir haben uns nun eingebracht, als es in Langwedel um die Fortführung des Radschnellwegs ging. Das grundsätzliche Problem ist, dass es da nicht so wirklich weitergeht – aufgrund der Bahnplanung.

Wie viel Potenzial steckt im Radschnellweg – nicht nur im Bereich Achim-Bremen, sondern perspektivisch auch Richtung Verden?

Sehr viel. Da ist zum einen die Berufsschule in Verden, dann gibt es viele Arbeitnehmer, die von hier kommen und in Verden arbeiten. Bei der Besprechung in Langwedel haben wir dann von vielen gehört: Ja, wir würden gerne den Weg haben, wir fahren jeden Tag von Langwedel nach Verden. Die Zählung hier ist bei 900 am Tag. Ich war jetzt gerade in Bremen am Osterdeich gefahren. Was da los ist! Dagegen ist das hier ein Witz, aber da wollen wir hin. Und wir gehen noch weiter und sagen, wir brauchen eine Verbindung nach Thedinghausen und eine nach Rotenburg.

Mit Rückenwind

In unserer Sommerserie „Mit Rückenwind“ nehmen wir die Region unter die Lupe – aus Fahrradperspektive. Wie funktioniert Radmobilität im ländlichen Raum? Wie sieht es mit dem Radwegenetz in den Kommunen aus? Funktionieren die Schnittstellen zwischen Rad- und öffentlichem Personennahverkehr? Wie lässt es sich auf den großen Verbindungen fahren – wie der Radroute Richtung Bremen? Das und einiges mehr sehen wir uns in den kommenden Wochen einmal genauer an, probieren aus und sprechen mit lokalen wie auch überregionalen Akteuren.

Wie sieht der ADFC Projekte wie die viel diskutierte Radbrücke bei Intschede?

Grundsätzlich ist die Maßnahme richtig für Radfahrer, unabhängig davon, was sie kostet. Wer mal auf der Intscheder Wehrbrücke gefahren ist, weiß warum. Aber wir müssen auch Schilder aufstellen und deutlich machen, dass das eine Ausweichroute des Weserradwegs ist. Zumindest müssen dort die touristischen Routen angezeigt werden. Das ist auch dieses Thema mit den Knotenpunktnummern, die viele Regionen wie Osterholz und Weyhe schon haben, wir aber bisher nicht.

Gibt es drei knackige Maßnahmen, die aus Sicht des ADFC am dringendsten nötig wären, um das Radfahren spürbar sicherer und attraktiver zu machen?

Attraktiver heißt, dass die Radwege besser werden. Zum Beispiel auf dem Weg nach Baden dieses ständige Auf und Ab bei den Zu- und Ausfahrten. Dann das ständige Aufpassen, dass an jeder Tankstelle und an jedem Supermarkt keiner auf einmal vom Parkplatz schießt – da verlangen wir rote Pflasterung oder rote Farbe. Aber da sperren sich die Behörden. Da sind das schon Maßnahmen, die sein müssten. Oder in Cluvenhagen gibt es eine Strecke, die Sie wegen einer Baumwurzel aktuell nicht fahren können. Die Schüler hier in Achim nutzen inzwischen den Radschnellweg und nicht mehr die normale Hauptstraße.

Wie sollte sich der Landkreis in zehn Jahren bis dahin für Radfahrer verändert haben, dass Sie sagen: „Da war es wichtig, dass wir da dran geblieben sind!“?

Wir brauchen durchgängige Radinfrastruktur, die wir momentan nicht haben. Aber wir sind natürlich nicht nur für Radfahrer da, wir sind auch für Fußgänger und allgemein für Klimaschutz. Aber natürlich geht es auch um die Zusammenarbeit mit den Behörden – und da kämpfen wir drum.