Lionel Messi wird nicht mehr für Argentinien spielen

Adiós, Argentina: Das Nationalteam gab Lionel Messis Karriere den epischen Anstrich

Nach 207 Einsätzen erklärt der achtfache Weltfussballer den erwarteten Rücktritt vom Länderfussball. Argentinien betrauert das Ende einer Ikone, die es zu Hause nicht immer leicht hatte.

01.09.2026, 14.22 Uhr

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Aktualisiert


Lionel Messi nach der Niederlage im WM-Final gegen Spanien.

Lionel Messi nach der Niederlage im WM-Final gegen Spanien.

Agustin Marcarian / Reuters

Am 8. August starb sein Vater, da sprach Lionel Messi schon von Zweifeln, ob er weiter Fussball spielen könne. Jorge Messi war für ihn der Leuchtturm, nachdem sich die Familie getrennt hatte, als Lionel dreizehn Jahre alt war. Jorge zog damals mit ihm nach Barcelona, seine Mutter und seine Geschwister blieben in Argentinien. Das schweisste sie für immer zusammen, ausserdem übernahm Jorge den Job des Beraters seines Sohnes.

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Mit dem Fussball klappt es trotzdem weiterhin, wie sich schnell herausgestellt hat. Gerade erst am Sonntag schoss Lionel Messi für seinen Klub Miami in der amerikanischen Liga vier Tore gegen Montreal. Am Montag aber, da verkündete er einen Teilrückzug – sein Ausscheiden aus der argentinischen Nationalmannschaft. Messi publizierte einen handgeschriebenen Brief, den er bereits zwei Tage nach dem verlorenen WM-Final gegen Spanien verfasst habe, und fügte hinzu: «Nach der Sache mit meinem Papa bin ich überzeugter (von diesem Schritt) als vorher.»

Erwartet wurde ohnehin nichts anderes. Messi ist 39, er hat seine Auswahlkarriere bereits in ungeahnter Dauer verlängert. Vor der WM 2022 hatte der achtfache Weltfussballer schon das anstehende Turnier als seine letzte WM bezeichnet. Dann gewann er am Golf den heiligen Gral des Fussballs, dann wollte er noch ein paar Matches ohne Druck geniessen, dann wurde daraus noch ein voller WM-Zyklus mit einer furiosen Endrunde in Nordamerika. Messi hielt die Zeit an, weil er auch mit halber Laufleistung doppelt so viel Einfluss nahm wie der Rest. So überlegen beherrschte er seinen Sport.

An 12 von 19 argentinischen WM-Toren war Messi als Schütze oder Passgeber beteiligt, und sein spiritueller Einfluss während legendärer Aufholjagden im Achtelfinal gegen Ägypten oder im Halbfinal gegen England ging noch weit darüber hinaus. Kein Wunder, dass sich Land und Mannschaft nun geradezu nackt fühlen. Es bleiben 21 Jahre, 207 Einsätze, 125 Tore und die Erinnerung, dass da einer mit der Nummer 10 war, dem man nur irgendwie den Ball zukommen lassen musste.

«Gracias eternas», «ewiger Dank», lautete der häufigste Satz in den Verabschiedungen seiner Mitspieler, «es geht der Spieler, den wir alle bewundern», so resümierte Giovanni Simeone das Befinden. «Du hast uns an Zauberei glauben lassen», schrieb der Verbandspräsident Chiqui Tapia, der das nationale Trainingszentrum schon nach dem WM-Sieg 2022 in Predio Deportivo Lionel Andrés Messi hatte umbenennen lassen. «Das Hemd des Nationalteams ist deine Fahne. Und die Liebe deines Volkes zu dir ist für immer», so Tapia. Argentiniens Politiker bemühten ähnliches Pathos.

Messis Palmarès ist auch im Länderfussball komplett: Weltmeister 2022, Südamerika-Champion 2021 und 2024. Alle Titel bis auf den Olympiasieg 2008 errang er weit nach dem 30. Geburtstag – nachdem er zuvor schon den Rücktritt erwogen hatte. Zwischen 2014 und 2016 gingen drei Finals nacheinander verloren, an der WM gegen Deutschland nach Verlängerung und an der Copa América zweimal nacheinander gegen Chile im Penaltyschiessen. Kritiker zweifelten an der «argentinidad» des Wahlkatalanen, und Messi hatte allen Grund, sich verflucht zu fühlen. Damals sagte er: «Ich habe es versucht. Es war das, was ich am meisten wollte. Es sollte nicht sein. Ich glaube, das war’s.»

Er liess sich dann doch umstimmen, in erster Linie von seinem Vater. Und so sollte es doch noch sein. Das Genie, dem so viel Talent in die Wiege gelegt war, dem als Star einer einmaligen Generation im FC Barcelona die Klubtitel nur so zufielen – dass sich dieser Ausnahmekönner die Triumphe mit Argentinien unter so viel Leid und Durchhaltewillen erkämpfen musste, macht die Nationalmannschaftskarriere zum epischen Kapitel seiner Laufbahn. «Ich schwöre, dass ich immer alles gegeben habe, nicht nur in den letzten Jahren des Erfolgs, (. . .) damit ihr euch durch den Fussball stolz fühlen konntet, Argentinier zu sein», schrieb er seinen Fans zum Abschied.

Nur im Final gegen Spanien konnte auch er nichts ausrichten. Danach beklagten manche Beobachter fehlende Grösse, weil er als Captain das unsportliche Verhalten seiner Mannschaft mitzuverantworten hatte. Unter anderem wandten die Argentinier bei der Siegerehrung den Champions den Rücken zu und blickten zur Tribüne.

Sosehr Messi mit den Gedanken bei seinem Vater gewesen sein mochte, der an der WM wegen seines Gesundheitszustands erstmals im Publikum fehlte: Es war ein Abgang, der seiner Bedeutung für den Fussball nicht gerecht wurde. Irgendwann in Miami wird er ihn korrigieren können. Sein Vertrag dort läuft noch bis Ende 2028.

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