Nach AfD-Wahlsiegen: Ausland in Sorge über Deutschlands „Stabilität“ – Ex-Botschafter warnt

AfD-Wahlsiege beunruhigen das Ausland: Ex-Botschafter warnt – „Habe es selbst erlebt“

Stand: 23.09.2026, 14:02 Uhr

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Rolf Nikel war jahrzehntelang Diplomat – unter anderem als Botschafter in Polen. Ihn besorgen die Ergebnisse der AfD. Er sieht aber auch Lehren aus Polen.

Die AfD-Ergebnisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben die Bundespolitik erschüttert. Aber sie werden auch im Ausland mit Sorge verfolgt – und sie könnten Deutschlands Außen- und Sicherheitspolitik beeinträchtigen. Davor warnt der langjährige Diplomat und frühere deutsche Botschafter in Polen, Rolf Nikel, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Lehren für Deutschland bietet ihm zufolge die Erfahrung Polens mit der PiS-geführten rechtspopulistischen Regierung.

Die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla

Die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla am Montag in der Bundespressekonferenz © Britta Pedersen/dpa/picture alliance

Die jüngsten Ergebnisse bei Landtagswahlen seien „besorgniserregend“, sagte Nikel. „Sie führen zu Fragen über die außenpolitische Stabilität Deutschlands auch bei unseren Freunden und Partnern. Das dürfen wir nicht unterschätzen“, mahnte er. Zugleich gelte unter anderem mit Blick auf den Ukraine-Krieg und den Aggressor Russland: Diplomatie könne nur mit klaren Zielen und auf Basis von glaubwürdiger Abschreckung und wirtschaftlicher Stärke Erfolg haben. Auch in dieser Hinsicht hätten die Wahlen Anlass zur Sorge geliefert.

AfD-Erfolge beunruhigen langjährigen Diplomaten: Nur „stark“ werden man ernstgenommen wird

„Nur wenn wir zusammenstehen, auch gegen die politischen Ränder, werden wir uns in dieser Welt im Umbruch durchsetzen können“, sagte der erfahrene Diplomat unserer Redaktion. Im Inneren gehe es darum, klarzumachen, „dass wir Reformen für ein starkes Deutschland brauchen“. Denn nur mit glaubwürdiger Abschreckung und wirtschaftlich „fit“ werde Deutschland ernstgenommen – das gelte auch in Russland.

„Bei der Wehrhaftigkeit geht es vor allem darum, die Bevölkerung darauf vorzubereiten, dass wir mehr tun müssen“, sagte der erfahrene Diplomat unserer Redaktion. „Wie schwierig das ist, sieht man an den Wahlergebnissen der vergangenen Wochenenden.“ In Mecklenburg-Vorpommern hatte am Sonntag die Kanzlerpartei CDU sogar den Einzug in den Landtag verpasst. Gewählt hatte zuletzt auch Berlin, dort war die Linke als stärkste Kraft hervorgegangen.

Die möglichen Auswirkungen einer rechtspopulistisch-nationalkonservativen Regierung habe er als Botschafter selbst erlebt, sagte Nikel. „Die PiS unter Jaroslaw Kaczynski hat versucht, die Gerichte unter politische Kontrolle zu bringen. Ähnliches ist von der AfD auch zu erwarten“, warnte er. Dasselbe gelte für die öffentlich-rechtlichen Medien. Das seien gleichwohl nur die wichtigsten von mehreren möglichen Effekten.

„Es war enorm schwierig für die bürgerlich-konservativ-christdemokratisch-liberal-linke Regierung von Donald Tusk, diese Veränderungen, die zum Teil mit nicht-legalen Mitteln erzielt wurden, mit legalen Mitteln wieder zurückzudrehen“, sagte Nikel. Deutschland könne aus diesen Erfahrungen „eine Menge lernen“.

In Polen hatte von 2015 bis 2023 die PiS den Ministerpräsidenten gestellt. Aktuell regiert ein politisch breitgefächertes Bündnis unter dem konservativen Tusk – allerdings mit dem PiS-nahen Präsidenten Karol Nawrocki als vergleichsweise mächtigem Gegenspieler. Mit der Abwahl Viktor Orbáns war in Ungarn in diesem Jahr eine weitere rechtspopulistische Regierung in der EU zu Ende gegangen. Dort hat Nachfolger Péter Magyar aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament und dadurch größere Möglichkeiten, die Entwicklung zurückzudrehen.

Rolf Nikel hatte als Diplomat unter anderem in Moskau und Warschau gearbeitet, zu Beginn seiner Karriere den Prozess der deutschen Wiedervereinigung miterlebt und war Beauftragter der Bundesregierung für Rüstungskontrolle. Jüngst hat er das Buch „Der schmale Grat – Die Kunst der Diplomatie in Zeiten des Umbruchs“ veröffentlicht. Ein ausführliches Interview lesen Sie am Wochenende auf unseren Portalen. (Quellen: Gespräch mit Rolf Nikel, eigene Recherchen)