Aida, Mein Schiff und Co.: Wie umweltfreundlich sind Kreuzfahrten? NABU-Ranking 2026 zeigt deutliche Unterschiede

Aida, Mein Schiff und Co. Wie umweltfreundlich sind Kreuzfahrten? NABU-Ranking 2026 zeigt deutliche Unterschiede

Kreuzfahrten boomen weltweit. Doch wie schneiden die Reedereien beim Klima- und Umweltschutz ab? Das NABU-Ranking 2026 zeigt Sieger, Schlusslichter und ein ernüchterndes Ergebnis.

07.08.2026 , 20:53 Uhr

 Das Kreuzfahrtschiff Mein Schiff im Hamburger Hafen.

Das Kreuzfahrtschiff Mein Schiff im Hamburger Hafen.

Foto: imago stock&people

Kreuzfahrten sind beliebt wie nie. Weltweit reisten 2025 rund 37 Millionen Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff – ein neuer Höchstwert. Auch in Deutschland wächst der Markt: Rund 2,8 Millionen Passagiere wurden zuletzt gezählt.

Was zeigt das NABU-Kreuzfahrtranking 2026?

Hinter den Bildern von Sonnenuntergängen, Buffet und weißen Stränden steht ein erhebliches Umweltproblem. Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende Städte: Sie benötigen während der Fahrt und im Hafen große Mengen Energie, stoßen klimaschädliche Treibhausgase aus und belasten die Luft mit Stickoxiden, Ruß und weiteren Schadstoffen.

Der NABU untersucht deshalb regelmäßig, welche Reedereien beim Klima- und Umweltschutz Maßnahmen umsetzen. Das aktuelle Ranking zeigt einzelne technische Fortschritte, aber keinen grundlegenden Kurswechsel der Branche.

Wichtig ist dabei: Das Ranking zeigt, welche Klima- und Umweltschutzmaßnahmen die Reedereien nach Angaben des NABU umgesetzt haben oder planen. Es ist jedoch kein direkter Vergleich des absoluten CO₂-Ausstoßes der Flotten. Eine große Reederei landet also nicht automatisch wegen ihrer Flottengröße auf einem hinteren Platz. Entscheidend sind die Kriterien des Rankings und die Antworten der Unternehmen.

Bewertet wurden:

  • Klimaziel – Wie ernst nehmen die Anbieter das Netto-Null-Ziel für 2050?
  • Klima- und Effizienzmaßnahmen – Welche Maßnahmen diesbezüglich werden aktuell getroffen?
  • Klimaintensität – Wie hoch ist der Energieverbrauch pro Passagier?
  • Alternative Kraftstoffe – Werden alternative Kraftstoffe eingesetzt?
  • Landstrom – Liegen die Schiffe am Hafen am Stromnetz?
  • Stopp von Schweröl – Wird der Kraftstoff weiterhin genutzt?
  • Luftreinhaltung – Kommt es zu einer flächendeckenden Eindämmung von Stickoxidemissionen und Rußemissionen?

Kreuzfahrten: Welche Reedereien schneiden im NABU-Ranking am besten ab?

An der Spitze liegen erneut die norwegischen Anbieter Havila und Hurtigruten. Beide Reedereien schneiden beim NABU im Vergleich zu den übrigen bewerteten Unternehmen am besten ab.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Schiffe umweltfreundlich wären. Der NABU betont, dass selbst die Erstplatzierten nicht einmal die Hälfte der möglichen Punkte erreichen. Das Ranking ist daher vor allem ein Vergleich innerhalb einer problematischen Branche – kein Umweltzeugnis ohne Einschränkung.

Auf dem dritten Rang liegen Ponant, TUI Cruises und AIDA Cruises punktgleich. Die deutschen Anbieter schneiden damit im internationalen Vergleich besser ab als mehrere große Wettbewerber. Bei TUI Cruises wird die Marke Mein Schiff bewertet, bei AIDA die Flotte von AIDA Cruises.

Das Nabu-Ranking in der Übersicht:

  1. Havila: 7,5 / 17 Punkten
  2. Hurtigruten: 7,25 / 17 Punkten
  3. Ponant: 6 / 17 Punkten
  4. Mein Schiff: 6 / 17 Punkten
  5. Aida Cruises: 6 / 17 Punkten
  6. HX Expeditions: 5,5 / 17 Punkten
  7. MSC Cruises: 5,25 / 17 Punkten
  8. Hapag-Lloyd Cruises: 4,75 / 17 Punkten
  9. Carnival: 4,25 / 17 Punkten
  10. Royal Caribbean: 4 / 15 Punkten
  11. Norwegian Cruise Line: 3,75 / 17 Punkten
  12. Marella Cruises: 3,75 / 17 Punkten

Warum werden einige Reedereien nicht bewertet?

Am unteren Ende des Rankings finden sich drei große Anbieter: Royal Caribbean, Norwegian Cruise Line und Marella. Schlusslicht ist laut der Auswertung die britische Reederei Marella.

Drei befragte Anbieter tauchen zudem ohne Wertung auf, weil sie dem NABU nicht geantwortet haben: Phoenix Reisen, Viking Ocean Cruises und Nicko Cruises. Eine fehlende Antwort ist dabei nicht mit einer guten oder schlechten Platzierung gleichzusetzen. Sie bedeutet lediglich, dass der NABU diese Unternehmen auf Grundlage der vorliegenden Antworten nicht vergleichen konnte.

Warum bleiben Schweröl und LNG problematisch?

Ich fasse den Abschnitt zu Schweröl, LNG und alternativen Kraftstoffen zu einem deutlich kompakteren Absatz zusammen.Gekürzt:

Fossile Kraftstoffe bleiben ein Problem

Der NABU kritisiert den weiterhin fossilen Kurs der Branche. Nur vier von zwölf Reedereien verzichten vollständig auf Schweröl. Scrubber können zwar Schwefel aus Abgasen filtern, belastete Rückstände aber ins Meer leiten.

Auch LNG sei keine klimaneutrale Lösung, weil entweichendes Methan die Klimabilanz verschlechtert. Stattdessen sollten Reedereien stärker auf erneuerbare Kraftstoffe wie E-Methanol oder grünen Ammoniak setzen – bislang bleiben solche Antriebe die Ausnahme.

Welche Fortschritte gibt es bei Landstrom und Energieeffizienz?

Beim Landstrom können Schiffe ihre Motoren im Hafen abschalten und Emissionen senken. Alle bewerteten Reedereien verfügen inzwischen über landstromfähige Schiffe; Havila, Hurtigruten, HX Expeditions und Mein Schiff sind vollständig ausgerüstet. Wie oft die Anschlüsse genutzt werden, erfasst das Ranking jedoch nicht.

Effizientere Schiffe, optimierte Routen und besseres Energiemanagement senken den Verbrauch pro Passagier. Angesichts steigender Passagierzahlen reicht das laut NABU aber nicht aus. Die Emissionen unterscheiden sich zudem stark: 2025 lagen sie bei unter 200 bis über 1200 Gramm CO₂ pro Passagierkilometer.

Das Fazit des NABU: Kleine Fortschritte, keine Wende

Das NABU-Kreuzfahrtranking 2026 zeigt eine Branche mit einzelnen technischen Fortschritten, aber ohne grundlegenden Kurswechsel. Landstrom, effizientere Schiffe, Batterien und punktuelle Abgasreinigung können die Umweltbelastung reduzieren. Der Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen bleibt jedoch ungelöst.

Die Rangliste macht deshalb zweierlei deutlich: Havila und Hurtigruten schneiden im Vergleich am besten ab, während Marella, Norwegian Cruise Line und Royal Caribbean am unteren Ende stehen. Gleichzeitig gilt laut NABU auch für die Spitzenreiter: Eine wirklich umweltverträgliche Kreuzfahrt gibt es derzeit noch nicht.

Die grundsätzliche Einschätzung des NABU bleibt eindeutig: Die nachhaltigste Kreuzfahrt ist die, die nicht stattfindet.