Stand: 16.08.2026, 17:15 Uhr
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Boeing 787-9 schießt am Flughafen München über die Startbahn hinaus und muss notlanden – Passagiere schildern unserer Redaktion Horror-Szenen aus dem Flugzeug.
Nervenkrieg für rund 280 Passagiere: Ein Dreamliner von Vietnam Airlines ist am Samstag beim Start in München gefährlich weit über die Startbahn hinausgerast und musste dann mit stark beschädigtem Fahrwerk notlanden.

Eine Passagierin, die anonym bleiben will, schildert den Ablauf unserer Zeitung: Die Münchnerin saß mit ihrem Mann und zwei Töchtern im Flieger und filmte, wie nach dem Start aus den Tragflächen Treibstoff abgelassen wird. Zur Landung mussten alle die Schuhe ausziehen und die Notfallposition einnehmen. Dabei zieht man den Gurt fest, beugt den Oberkörper nach vorn, legt den Kopf tief und schützt ihn mit den Händen. „Wir dachten, unser letztes Stündlein hätte geschlagen“, sagt sie.
Die Boeing 787-9 mit der Flugnummer VN34 war kurz vor 14 Uhr auf der südlichen Startbahn 26L Richtung Hanoi unterwegs. Schon der Abflug lief völlig aus dem Ruder: Nach unbestätigten Angaben soll die Boeing rund 120 Meter über das Ende der Startbahn hinausgerollt sein und erst im Gras abgehoben haben. Dabei berührte das Heck wohl den Boden, auch die Pistenbegrenzung könnte beschädigt worden sein.
„Als die Maschine in Höhe der Lufthansa-Wartungshallen immer noch nicht abhob, bin ich stutzig geworden“, sagt Beobachter Thomas Mai vom Youtube-Kanal Munich Aviation. Sein Video zeigt die Staubwolke beim späten Abheben. Kurz danach wurde die Südbahn gesperrt und von einem Polizeihubschrauber überprüft.
Die Maschine drehte rund zwei Stunden über dem Erdinger Moos, die Crew ließ den Treibstoff ab. Später überflog der Dreamliner mehrfach die nördliche Startbahn, wohl um das Fahrwerk überprüfen zu lassen. Schließlich landete die Maschine auf Bahn 26R. Das Hauptfahrwerk rauchte stark, die Feuerwehr stand bereit.
Das Flugzeug konnte nicht mehr von der Bahn rollen. Reifen und Fahrwerk waren beschädigt, Reifenteile lagen auf dem Rollfeld. Augenzeugen wollen sogar Risse im Rumpf erkannt haben. Die unverletzten, aber schockierten Passagiere wurden ins Terminal gebracht.
Für den Flughafen kam der Zwischenfall mitten in den Ferien zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Nordbahn war gesperrt, es kam zu Verzögerungen, die Aufräumarbeiten dauerten bis in die Nacht. Seit Sonntagfrüh läuft der Betrieb wieder normal.
Pressesprecher Robert Wilhelm betonte auf Anfrage: „Die Sicherheit am Flughafen München hat höchste Priorität.“ Für alle Eventualitäten gebe es klare Abläufe, die regelmäßig geübt und überprüft würden. Diese hätten auch hier „einwandfrei funktioniert“. Jetzt ermittelt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Vietnam Airlines spricht in einer Mitteilung von einem „technischen Problem“ und entschuldigt sich „aufrichtig für die entstandenen Unannehmlichkeiten“.
Warum hob der Dreamliner so spät ab? Im Forum des Luftfahrtportals aeroTELEGRAPH wurde heiß diskutiert, ob eine falsch berechnete Startleistung, das tatsächliche Gewicht oder ein technisches Problem hinter dem missglückten Start steckten.
Die Münchner Familie wurde für die Weiterreise aufgeteilt – einer fliegt über Frankfurt, einer über Osaka und zwei über Bangkok nach Vietnam.