Porträt
Stand: 13.10.2026 • 17:09 Uhr
Im März wurde Alexander Schweitzer als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz abgewählt. Jetzt soll er als Bundesarbeitsminister dabei helfen, Deutschland aus der Krise zu führen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte ihm in Berlin die Ernennungsurkunde.
Von Teresa Peters und Anne Koark, SWR
Am Abend des 22. März 2026 war Alexander Schweitzer die Enttäuschung deutlich ins Gesicht geschrieben. Mit 25,9 Prozent hatte seine SPD fast zehn Prozentpunkte im Vergleich zum vorigen Wahlergebnis eingebüßt und die Landtagswahl verloren - erstmals seit 1987 lag die CDU in Rheinland-Pfalz vor der SPD. Im Mai wurde Gordon Schnieder im Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt.
Amtsvorgänger Schweitzer wurde Koalitionspartner: Gemeinsam stellten die beiden im April den Koalitionsvertrag der neuen schwarz-roten Koalition vor. Schweitzer sprach bei dem Termin deutlich länger als Schnieder, seine SPD hat in der Koalition mit der CDU genau so viele Ministerposten wie die Christdemokraten - trotz gut fünf Prozentpunkten weniger im Wahlergebnis. Bei dem Termin in Mainz versicherte Schweitzer: Es komme jetzt auf eine stabile Regierung an. Man wolle keine "Berliner Verhältnisse" in Rheinland-Pfalz.
Gerüchte über Ambitionen in der Bundespolitik
Nach der Wahlniederlage in Mainz ließ Schweitzer sich zum Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion wählen. Minister in einer CDU-geführten Landesregierung zu werden, hatte er im Wahlkampf ausgeschlossen. Es dauerte nicht lange, da wurden ihm Ambitionen nachgesagt, von Rheinland-Pfalz in die Bundespolitik zu wechseln.
Sohn eines Binnenschiffers
Schweitzer, aufgewachsen als Sohn eines Binnenschiffers, trat mit 16 in die SPD ein und wurde 2013 mit 39 Jahren der bis dahin jüngste Minister in Rheinland-Pfalz: Er übernahm das Ressort für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung. Knapp zwei Jahre später wurde er Vorsitzender der SPD-Fraktion im Mainzer Landtag. 2024 machte die langjährige rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer ihn zu ihrem Nachfolger, als sie aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik ausschied. Doch diesen Posten behielt Schweitzer nicht einmal zwei Jahre - bis zu seiner Abwahl im März.
Chance auf Aufstieg ermöglichen
In der rheinland-pfälzischen Landespolitik war sein Ziel, die Chance auf einen sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg für jeden und jede möglich zu machen, sagt Schweitzer. "Wenn jemand sagt, ich komme nicht aus einer privilegierten Situation, aber ich will was erreichen, durch Bildung, durch mein eigenes Engagement, durch Leistung - dann müssen die Menschen diese Chancen finden", betonte er als Ministerpräsident.
Da er als erster in seiner Familie Abitur gemacht habe, "haben Gerechtigkeitsfragen und Zugang zu Chancen in der Gesellschaft ganz unmittelbar mit mir zu tun."
Kritik an Bundeskanzler Merz
Gute Voraussetzungen für einen Bundesminister für Arbeit und Soziales. Allerdings hatte Schweitzer in der Vergangenheit auch immer wieder gegen die gewettert, mit denen er nun auf Bundesebene zusammenarbeiten muss.
Nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt Anfang September warf er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor, dieser habe viele Menschen im Zuge der Reformdebatten durch "manche ungeschickte, aber nicht unabsichtliche Äußerungen vor den Kopf gestoßen." Und an anderer Stelle kritisierte er in Medien, "dass die Art, wie Friedrich Merz agiert, wie er Themen in die gesellschaftliche Debatte einbringt, dieser Bundesregierung nicht hilft."
Auch in der Koalitionsdebatte um die Rentenreform, wegen der die nun zurückgetretene Arbeitsministerin Bas erheblich unter Druck stand, sieht Schweitzer noch Diskussionsbedarf. Nach dem Wahldesaster in Sachsen-Anhalt forderte der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Änderungen an dem rentenpolitischen Reformkurs der Bundesregierung. Vorschläge, bei denen Menschen weniger von dem bekämen, was sie sich erarbeitet hätten, "dürfen von der SPD keine Unterstützung bekommen", bekundete er.
So spricht Schweitzer sich für die Beibehaltung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren aus - einer der großen Streitpunkte in der Koalition, wenn es um die Rentenreform geht. Es wird jetzt die große Aufgabe für ihn sein, diese Reform in Berlin umzusetzen.