Ein Erdbeben mittlerer Stärke hat in der Nacht die Provinz Granada im Süden Spaniens erschüttert und Hunderte Menschen in Angst versetzt. Todesopfer oder Schwerverletzte gab es aber nicht. Der andalusische Rettungsdienst befreite mehrere Menschen aus beschädigten Gebäuden. Auf Fernsehbildern des Senders TVE waren Trümmer auf den Straßen und demolierte Fahrzeuge in der beliebten Touristenstadt zu sehen.
Nach Angaben der Stadt Granada wurden auch keine schweren oder großflächigen strukturellen Gebäudeschäden festgestellt. Die gemeldeten Schäden beschränkten sich überwiegend auf nichttragende Bauteile, hieß es.
Die Behörden hätten den Notstand ausgerufen, teilte der Vizepräsident der andalusischen Regionalregierung, Antonio Sanz Cabello, auf der Plattform X mit . Er rief die Bevölkerung zur Besonnenheit auf. »Wenn Sie in Granada sind, das Erdbeben gespürt haben, es Ihnen gut geht und Ihr Haus keine Schäden aufweist, bleiben Sie ruhig und vermeiden Sie es, Gebäude unnötig zu betreten und zu verlassen.« Am Vormittag teilte er auf X ein Bild eines Beratungsausschusses, der die Erdbebenaktivitäten in der Provinz Granada überwache. Auch der Präsident der Autonomen Gemeinschaft Andalusien, Juanma Moreno, rief die Bevölkerung zur Vorsicht auf . Beschädigte Fassaden und Gebäudeteile könnten sich noch lösen, warnte er.
Das Beben mit Epizentrum in Alhendín, einem südlichen Vorort von Granada, ereignete sich frühmorgens um 1.04 Uhr in einer Tiefe von zehn Kilometern. Der spanische Notruf registrierte mehr als 200 Anrufe. Viele Menschen verließen aus Angst ihre Wohnungen und verbrachten einen Teil der Nacht im Freien. Einige mussten wegen Angstzuständen behandelt werden. »Wir sind im Dunkeln aus dem Haus gelaufen und haben nur das Handy mitgenommen«, berichtete eine Anwohnerin im Fernsehsender RTVE.
Erschütterungen wurden in weiten Teilen Andalusiens gespürt
Die US-Erdbebenwarte (USGS) gab die Stärke des Bebens mit 5,2 an, Spaniens IGN-Institut mit 5,0 und das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) mit 4,9. Bei ersten Messungen sind begrenzte Abweichungen nicht ungewöhnlich. Wenige Minuten nach dem Hauptbeben folgte laut IGN ein Nachbeben der Stärke 2,6.
Besonders betroffen war die Region um Granada. Gespürt wurden die Erschütterungen nach Medienberichten jedoch in weiten Teilen Andalusiens – darunter in der Provinz Jaén, an den Küsten von Málaga und Almería sowie auch in Córdoba.
Die Stadt Granada mit 235.000 Einwohnern ist bei Touristen beliebt und unter anderem berühmt für die mittelalterliche Burg Alhambra, ein herausragendes Beispiel maurischer Architektur, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.