Anfang September: Wie die Ottweiler Kirmes überleben soll – und welche Attraktion dieses Jahr kommt

Anfang September Wie die Ottweiler Kirmes überleben soll – und welche Attraktion dieses Jahr kommt

Interview | Ottweiler · Früher ein Selbstläufer, heute eher Sorgenkind: Die Kirmes. In vielen Kommunen wird es immer schwieriger, Fahrgeschäfte zu bekommen. Und auch sonst gibt es so einige Probleme. Wir fragen nach, wie man diese in Ottweiler angeht.

08.08.2026 , 07:00 Uhr

Die Ottweiler Kirmes wird seit 40 Jahren mit vielen Traditionen inmitten der Altstadt gefeiert.

Die Ottweiler Kirmes wird seit 40 Jahren mit vielen Traditionen inmitten der Altstadt gefeiert.

Foto: Michael Weber

In diesem Jahr feiert die Ottweiler Kirmes ein besonderes Jubiläum: Seit 40 Jahren ist die historische Altstadt Schauplatz der Veranstaltung. Mittelalterliche Stadtmauer, Fachwerkfassaden, Kopfsteinpflaster, dazu der alte Wehrturm – sie bieten die perfekte Kulisse für die Kirmes rund um Maria Geburt. Eröffnet wird die fünftägige Kirmes am Freitag, 4. September, um 19 Uhr auf dem Schlosshof. Gefeiert wird bis einschließlich Dienstag, 8. September, mit Musik, Gaumenschmaus, Rahmenprogramm und natürlich jeder Menge Kirmestreiben. Besonders freut sich Ortsvorsteher Alexander Weiß darüber, dass er endlich wieder ein großes Fahrgeschäft in die ehemalige Residenzstadt holen konnte. Mit ihm hofft er, vor allem die jüngere Generation, aber auch Familien für einen Kirmesbesuch zu begeistern. Wir haben ihm im Vorfeld zur Ottweiler Kirmes fünf Fragen gestellt.

Zunächst ein Rückblick auf das vergangene Jahr, in dem die Kirmes mit einem neuen Konzept gestartet ist: wie war die Resonanz bei der Bevölkerung?

Weiss Die Resonanz auf das neue Konzept war insgesamt sehr positiv. Uns war wichtig, die Kirmes gemeinsam mit allen Beteiligten auf die Beine zu stellen – von Stadtverwaltung, Vereinen und Gewerbeverein über Schausteller und Gastronomen bis hin zu den Bürgerinnen und Bürgern, die ihre Ideen einbringen konnten. Als Stadt gingen wir neue Wege zur Bewerbung der Veranstaltung. Viele Sponsoren ermöglichten durch ihre finanzielle Unterstützung unser Kultur- und Musikprogramm. Unser Ziel war es, der Kirmes wieder mehr Aufmerksamkeit und eine positive Stimmung zu geben – und das ist gelungen. Die Besucherzahlen waren deutlich höher als in den Vorjahren, und viele haben gespürt, dass wir gemeinsam etwas bewegen wollen. Es war eine Gemeinschaftsveranstaltung aller Akteure in der Altstadt. Natürlich lief nicht alles perfekt. Ein großes Karussell hat weiterhin gefehlt, und auch den „Kerwemontag“ wieder stärker zu beleben, bleibt eine Herausforderung. Deshalb haben wir die Kirmes intensiv ausgewertet und konstruktive Anregungen aufgenommen, die wir umsetzen wollen.

Es ist gelungen, endlich wieder ein großes Fahrgeschäft nach Ottweiler zu bekommen. Wie schwierig war das und was versprechen Sie sich davon?

Weiss Viele Schausteller halten uns seit Jahrzehnten die Treue – dafür sind wir sehr dankbar. Ottweiler hat einen guten Ruf und mit der besonderen Altstadt auch eine attraktive Veranstaltungsfläche mit Charme und Einzigartigkeit. Ein großes Fahrgeschäft nach Ottweiler zu holen, ist trotzdem nicht einfach. Parallel finden viele größere Volksfeste im Saarland, in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus statt. Da konkurrieren wir mit teils deutlich größeren Veranstaltungen und Städten. Das Vorgehen ist, dass sich Schausteller auf öffentliche Ausschreibungen bewerben, die Fahrgeschäfte mit ihrer Art und Größe zu den Platzverhältnissen passen müssen und wir als Stadt dann schlussendlich auswählen. In unserer Altstadt gelten beispielsweise strenge Brandschutzvorgaben und Abstände zu den Gebäuden, die wir einhalten müssen. In diesem Jahr haben wir mit dem Karussell „Chaos“ wieder eine Bewerbung erhalten, die für uns attraktiv und vielversprechend ist. Ich glaube, das ist auch ein Ergebnis unseres neuen Konzepts. Es hat sich herumgesprochen, dass wir uns in Ottweiler viel Mühe geben und mit unserem Kultur- und Rahmenprogramm eine attraktive Kirmes gestalten. Ich hoffe, dass wir damit vor allem die Lücke für Jugendliche und Erwachsene schließen können. Genau das wurde im vergangenen Jahr von vielen Besucherinnen und Besuchern angesprochen. Jetzt bin ich gespannt, wie das neue Angebot angenommen wird.

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Dinner in Weiß Ottweiler – die schönsten Bilder vom Abend auf dem Schlossplatz

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Foto: Anja Kernig

Das Geld wird knapper, Feste gibt es viele – wie zeitgemäß ist Kirmes heute noch?

Weiss Die Kirmes gehört seit Jahrzehnten zu Ottweiler und ist mit fünf Tagen unsere längste Veranstaltung. Viele Menschen verbinden mit ihr schöne Erinnerungen an die eigene Kindheit, an gemeinsame Erlebnisse mit Familie und Freunden. Solche Traditionen haben meiner Meinung nach auch heute noch ihren Wert. Gleichzeitig muss sich eine Kirmes weiterentwickeln und Bewährtes mit neuen Ideen verbinden. Mir ist es wichtig, dass die Kirmes für möglichst viele Menschen etwas bietet, auch wenn wir auf die Preise keinen Einfluss haben. Deshalb gibt es in unserem neuen Konzept mit Unterstützung zahlreicher Sponsoren von Freitag bis Sonntag ein kostenloses Bühnenprogramm mit Musik und Kultur für alle Generationen. Auch der Seniorennachmittag mit Kaffee, Kuchen und Unterhaltung gehört seit Jahren fest dazu und ist für alle Gäste ab 70 Jahren aus Ottweiler-Zentral kostenlos. Die Schausteller unterstützen uns mit einer Spende und außerdem mit Freikarten für Kinder aus den Kindergärten und Grundschulen in Ottweiler-Zentral sowie mit Angeboten wie zum Beispiel im letzten Jahr kostenlosem Kinderschminken oder einem Clown. So sorgen wir gemeinsam dafür, dass die Kirmes für möglichst viele Menschen ein schönes Erlebnis bleibt.

Was darf man an der Ottweiler Kirmes nicht verpassen?

Weiss Eigentlich sollte man sich die Kirmes als Ganzes nicht entgehen lassen. Gerade das Zusammenspiel aus Fahrgeschäften, der besonderen Atmosphäre unserer Altstadt, den gastronomischen Angeboten und dem kostenlosen Bühnenprogramm macht ihren Reiz aus. Dazu kommen die Auftritte unserer Vereine mit Musik und Tanz. Fünf Tage lang ist Ottweiler ein Ort, an dem sich Menschen treffen, gemeinsam feiern und einfach eine gute Zeit verbringen können.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft in Ottweiler?

Weiss Ich wünsche mir, dass Veranstaltungen wie die Kirmes zeigen, was Ottweiler alles zu bieten hat. Mein Ziel war und ist es, Menschen zusammenzubringen, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen und den Zusammenhalt zu stärken. Ich bin überzeugt, dass Ottweiler ein großes Potenzial hat und wir uns damit nicht verstecken müssen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich noch mehr Menschen mit ihren Ideen einbringen und mit anpacken. Konstruktive Kritik gehört natürlich dazu und hilft uns, besser zu werden. Neuen Ideen sollte man aber erst einmal eine Chance geben. Mit einer positiven Grundeinstellung kann man gemeinsam viel bewegen.

Einen Überblick über das Programm der Ottweiler Kirmes gibt es unter www.ottweiler.de (hek)