Anonymer Spender: 2400 Kinder kommen gratis ins Freibad – „Ich brauche das Geld nicht“

Stand: 30.08.2026, 20:00 Uhr

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Freibad Schwalmstadt Ziegenhain

Freibad Schwalmstadt Ziegenhain © Anne Quehl

2.400 Gratis-Eintritte, ein Gedicht, eine Flasche Wein – und ein Mann, der einfach Gutes tun will. Die rührende Geschichte eines anonymen Spenders aus Nordhessen.

Schwalmstadt – Ein großzügiger Unbekannter aus Schwalmstadt hat in den Sommerferien Tausenden Kindern und Jugendlichen einen kostenlosen Freibadbesuch ermöglicht. Insgesamt 2.400 Freikarten kamen dabei zusammen – finanziert aus einem Spendentopf, den der Mann zuvor bei der Stadt hinterlegt hatte.

Von den ursprünglich 5.000 Euro, die der Spender bei der nordhessischen Stadt deponiert hatte, wurden laut eigener Aussage genau 2.400 Euro abgerufen. Den verbleibenden Rest ließ er sich nicht zurückbuchen, um ihn zu behalten: „Die restlichen 2.600, die die mir dann zurücküberwiesen haben, die spende ich eben für andere Zwecke“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Im Blick hat er dabei Organisationen wie die Christoffel-Blindenmission und die SOS-Kinderdörfer. Denn Kinder, so sein Credo, trügen an den Kriegen der Erwachsenen keine Schuld – litten aber am meisten darunter.

Der Mann möchte anonym bleiben. Dass seine Aktion „solche Wellen geschlagen“ habe, habe ihn überrascht – aber auch sehr gefreut. Besonders bewegte ihn die Nachricht, dass sein Beispiel offenbar Schule macht: „Ich habe gehört, dass in anderen Städten auch andere Leute gesagt haben, sie machen das auch.“

„Ich brauche das Geld nicht alles“

Spenden gehört für den Mann schon lange zum Alltag. Jedes Mal, wenn er einem Unfall oder einer brenzligen Situation glimpflich entkommen sei, bedanke er sich bei seinem Schutzengel – mit 200 Euro für einen guten Zweck. Den finanziellen Spielraum dafür hat er nach eigenen Worten: „Ich habe eine gute Altersversicherung und ich brauche das Geld nicht alles. Und meine Kinder sind gut versorgt.“

Im Freibad selbst wurde er für seine Großzügigkeit mit viel Herzlichkeit empfangen. Eine Schulklasse sprach ihn während seiner Schwimmrunden an – einer der Schüler hielt ein Blatt mit dem Wort „Danke“ in die Höhe, umrahmt von den Namen der Kinder. Alle wollten ihm die Hand schütteln. „Das fand ich schon ganz rührend“, sagte er. Außerdem wurden für ihn ein Brief mit einem selbst verfassten Gedicht und eine Flasche Wein im Schwimmbad abgegeben.

Dankbarkeit für Jahrzehnte des Friedens

Wer nach den Beweggründen fragt, bekommt eine politische Antwort. Der Spender sagt, er sei zutiefst dankbar dafür, „so viele Jahrzehnte hier in Europa in Frieden gelebt“ zu haben. Seinen besonderen Dank richtet er an den früheren französischen Außenminister Robert Schuman – denn die europäische Einigung sei seiner Überzeugung nach der eigentliche Grund dafür, dass Westeuropa so lange vom Krieg verschont geblieben sei.

Dass viele Menschen – vor allem Jüngere – darüber kaum nachdenken würden, bereitet ihm Sorgen. Und dass eine Partei in Deutschland den Austritt aus der Europäischen Union fordere, sei für ihn schlicht „unbegreiflich“: „Und dass es dann eine Partei gibt in Deutschland, die aus der Europäischen Union austreten will und praktisch dieses Geschenk sozusagen zerstört für uns, also das ist für mich unbegreiflich.“

Pläne fürs nächste Jahr – und ein großes Versprechen

Der Schwalmstädter denkt bereits über eine Fortsetzung nach. Für die kommende Saison könnte er sich vorstellen, die Hälfte der Kosten für Jugendsaisonkarten zu übernehmen – das wolle er noch mit dem Schwimmbadverein und der Stadt abstimmen. Und sollte er eines Tages wirklich zu Geld kommen, hat er noch Größeres vor: „Wenn ich mal Millionär sein sollte, dann wird das Freibad saniert.“ (dpa)