Wenn das ukrainische Militär eine Aufklärungsdrohne in die Luft steigen lässt, schickt das Fluggerät über Starlink-Satelliten hochauflösende Videoaufnahmen in Echtzeit an den Boden.
Das Satelliteninternet von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX bildet in dem Kriegsgebiet, wo Mobilfunkmasten und Internetleitungen zerstört sind, das Rückgrat der Kommunikation.
Oft die einzige Möglichkeit zum Datenempfang
Die gut 10.000 Satelliten, die in der niedrigen Erdumlaufbahn in rund 500 Kilometern Höhe über der Erde kreisen, versorgen rund 12 Millionen Kunden in entlegenen Regionen auf der Welt mit schnellem Internet: Das Einzige, was man dazu benötigt, ist eine laptopgroße Satellitenantenne, die mittlerweile in jedem Elektronikfachgeschäft erhältlich ist.
Brasilianische Kaffeefarmer nutzen das Satelliteninternet ebenso wie digitale Nomaden und Camper, die durch das australische Outback reisen. Auch Rettungskräfte greifen auf die technische Infrastruktur zurück. In Gebieten mit schwacher Netzabdeckung ist Starlink oft die einzige Möglichkeit, mobile Daten zu empfangen und zu senden. Die monatlichen Abo-Preise für den Satelliteninternetdienst liegen je nach Datenvolumen zwischen 35 und 45 Euro und sind damit nicht viel teurer als gewöhnliche Internettarife.
SpaceX dominiert das Satelliteninternet – die Konkurrenz ist entweder kleiner (Eutelsat), in anderen Sphären unterwegs (SES) oder noch im Aufbau (Amazon). Doch das Unternehmen, das kürzlich ein fulminantes Börsendebüt hinlegte, braucht eine Wachstumsstory – und will daher auch den Telekommunikationsmarkt aufmischen. So berichtete die Financial Times kürzlich unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass SpaceX einen Einstieg in den Mobilfunkmarkt prüfe: Das Weltraumunternehmen plane demnach in den USA einen eigenen Mobilfunkdienst zu lancieren und Handy-Verträge an Endkunden zu verkaufen. Damit würde SpaceX in direkte Konkurrenz zu den Platzhirschen AT&T, Verizon und T-Mobile treten. Die Aktien der Telekommunikationsriesen brachen daraufhin ein.
Das Angebot richtet sich vor allem an Geschäftsleute, die viel im Ausland unterwegs sind: Statt dauernd SIM-Karten auszutauschen und hohe Roaming-Gebühren zu bezahlen, könnten Kunden einen Handy-Vertrag bei SpaceX abschließen. Und das könnte für Mobilfunkanbieter zum Problem werden. In Australien, wo eine geringe Kundenbasis hohen Investitionskosten gegenübersteht, rechnen Branchenexperten mit Verdrängungseffekten. „SpaceX wird die 1,6 Billionen Dollar schwere Kommunikationsbranche disruptieren“, schrieb der Oppenheimer-Analyst Tim Horan in einer Mitteilung. Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat SpaceX vor seinem Börsengang Investoren ein KI-Gerät präsentiert, das dünner als ein iPhone sein soll. Telefonieren wir bald bei Elon Musk?
Spekulationen, dass der Tech-Milliardär in den Mobilfunkmarkt einsteigen könnte, gibt es schon länger. So hat SpaceX im vergangenen Jahr einen Markenantrag für „Starlink Mobile“ eingereicht und zudem für 17 Milliarden Dollar Mobilfunklizenzen in einem Frequenzbereich ersteigert, in dem moderne Smartphones mit Mobilfunkmasten kommunizieren. Und schließlich entwickelt SpaceX eine sogenannte Direct-to-Cell-Technologie, bei der sich Smartphones direkt mit Starlink-Satelliten als einer Art orbitalem Tower verbinden können. Starlink hat hierfür bereits eine Kooperation mit T-Mobile vereinbart: Kunden des US-Anbieters können für zehn Dollar Aufpreis im Monat über die Starlink-Verbindung SMS und Sprachnachrichten verschicken. 2028 soll der Satellitenservice auch in Europa an den Start gehen.
Mobilfunkanbieter haben ein Interesse daran, Funklöcher in ihren Netzen zu schließen. Die Funkverbindung über das Weltall könnte daher eine Ergänzung sein. Insofern sind SpaceX und Telekomkonzerne nicht nur Konkurrenten, sondern auch Partner.
Geringere Bandbreite
Auf dem Weg zu einem Mobilfunknetz im Weltall gibt es allerdings einige technische und rechtliche Hürden zu überwinden. So kann die aktuelle Starlink-Flotte nicht mit normalen Smartphones kommunizieren, weil die Antenne in Handys sehr klein ist und nur eine geringe Sendeleistung hat.
Um eine eigene Mobilfunkinfrastruktur aufzubauen, muss SpaceX daher einen neuen Ring von Satelliten mit deutlich größeren und leistungsfähigeren Funkantennen ins Weltall befördern. Das ist extrem kapitalintensiv. Die Produktionskosten für die neue Generation von Starlink-Satelliten (V3) belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Dollar pro Stück, hinzu kommen Frachtkosten in Millionenhöhe. Aktuell befinden sich 650 Direct-to-Cell-Satelliten im Orbit. Doch das reicht bei weitem nicht aus.
Nutzer unter einem Satelliten teilen sich dessen Funkressourcen, weshalb die verfügbare Kapazität geringer ist. Verglichen mit den drei großen US-Mobilfunkanbietern hat SpaceX eine deutlich geringere Bandbreite. Um die zu vergrößern, müsste SpaceX weitere Funkfrequenzen erwerben. Die aber werden von nationalen Regulierungsbehörden vergeben. Und da beginnt das politische Problem: So hat die Telekommunikationsaufsicht in Namibia Starlink kürzlich die Lizenz verweigert.
Der Grund: Das namibische Recht schreibt vor, dass Telekommunikationsunternehmen mehrheitlich in Besitz von einheimischen Bürgern oder Firmen sein müssen. Auch in Südafrika, dem Geburtsland von Elon Musk, ist die Zulassung ausstehend – angeblich, weil er nicht schwarz sei, wie der Tesla-Gründer auf seiner Plattform X ätzte. Und auch die EU will das Geschäft stärker regulieren und bei der Vergabe der 2027 auslaufenden Frequenzen der US-Satellitenbetreiber Echostar und Viasat europäische Anbieter bevorzugen. Das dürfte die Wachstumspläne von SpaceX bremsen.
Trotz Absatzschwäche
Tesla stellt Elon Musk bis zu einer Billion Dollar in Aussicht
Das Disruptionsgerede könnte nach Einschätzung von Marktbeobachtern ein taktisches Manöver sein, um den Preis für mobile Satellitentelefonie in die Höhe zu treiben und bessere Deals mit Telekom-Konzernen abzuschließen. Denn ohne die technische Infrastruktur der Telekomriesen können IoT-Anwendungen wie autonomes Fahren in der Fläche nicht betrieben werden. So schnell werden Sendemasten wohl nicht obsolet.
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