Tickets: Wucherpreise und zweifelhafte Verkaufspraktiken

Tickets für begehrte Konzerte und Sportevents sind oft schon wenige Minuten nach Verkaufsstart vergriffen. Wer anschließend auf Ticketbörsen nach Karten sucht, zahlt nicht selten ein Vielfaches des Originalpreises. Verbraucherschützer fordern deshalb strengere Regeln gegen gewerbliche Wiederverkäufer, die Tickets mit Hilfe automatisierter Programme (Bots) aufkaufen und mit hohen Aufschlägen weiterverkaufen.

Online seit heute, 13.15 Uhr

Der Ticketzweitmarkt ist seit Jahren ein lukratives Geschäft. Plattformen wie Viagogo, StubHub und Vivid Seats vermitteln Eintrittskarten, die häufig deutlich teurer angeboten werden als vom Veranstalter vorgesehen. Im Mai wandte sich die deutsche Interessenvertretung Pro Musik deshalb mit einem offenen Brief an die Bundesregierung.

Unter dem Motto „Gegen Wucher und Betrug – Tickets dürfen keine Spekulationsobjekte sein“ forderten rund 200 Künstlerinnen und Künstler, Veranstalter sowie Vertreter der Musikbranche strengere gesetzliche Regeln. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Die Toten Hosen, Die Ärzte, Nina Chuba, Kraftklub, AnnenMayKantereit und Max Giesinger.

Bots kaufen Tickets in Sekunden

Verbraucherschützer kritisieren, dass die hohen Aufschläge nicht bei Künstlern und Veranstaltern landen. Vielmehr profitierten gewerbliche Zwischenhändler. Wer etwa eine Konzertkarte für mehrere hundert Euro kauft und später feststellt, dass der ursprüngliche Preis nur einen Bruchteil davon betrug, richte seinen Ärger häufig gegen die Künstler statt gegen die Wiederverkäufer.

Nach Angaben von Branchenvertretern werden große Mengen an Tickets mit automatisierten Computerprogrammen (Bots) innerhalb weniger Sekunden gekauft. Während Fans ihre Zahlungsdaten eingeben, sichern sich die Programme bereits Hunderte oder Tausende Tickets.

Diese erscheinen oft unmittelbar nach Verkaufsbeginn auf Zweitmarktplattformen – zu deutlich höheren Preisen. Nach Angaben des deutschen Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft stammen rund 70 Prozent der dort angebotenen Tickets von kommerziellen Händlern.

Verkaufsdruck durch künstliche Verknappung

Juristen und Verbraucherschützer kritisieren außerdem die Gestaltung vieler Zweitmarktplattformen. Countdowns, Hinweise auf angeblich nur noch wenige verfügbare Tickets und automatisch vorausgewählte Zusatzleistungen sollen Kaufdruck erzeugen. Solche „Dark Patterns“ können Verbraucherinnen und Verbraucher zu überstürzten Entscheidungen verleiten.

Hinzu kommt, dass viele Zweitmarktplattformen bei Suchmaschinen weit oben erscheinen. Dadurch bemerken manche Fans erst nach dem Kauf, dass sie ihre Karten gar nicht beim offiziellen Anbieter erworben haben.

Debatte über FIFA-Ticketverkauf

Auch die FIFA geriet zuletzt wegen ihrer Ticketverkäufe in die Kritik. FIFA-Präsident Gianni Infantino erklärte bereits Monate vor Beginn der Fußball-WM öffentlich, praktisch alle 104 Spiele seien ausverkauft, und verwies auf die enorme Nachfrage. Dennoch brachte die FIFA in den folgenden Wochen weitere Ticketkontingente für zahlreiche Spiele auf den Markt. Kritiker warfen der Organisation deshalb vor, durch den Eindruck künstlicher Knappheit zusätzlichen Kaufdruck erzeugt zu haben.

Ermittlungen wegen FIFA-Praktiken

Von einer solchen Verknappung profitieren auch Wiederverkaufsplattformen. Wer glaubt, reguläre Tickets seien nicht mehr erhältlich, weicht eher auf den Zweitmarkt aus und akzeptiert dort deutlich höhere Preise. Die Generalstaatsanwältinnen der Bundesstaaten New York und New Jersey ermitteln deshalb gegen die FIFA.

Sie untersuchen unter anderem, ob öffentliche Aussagen der FIFA, der gestaffelte Verkauf weiterer Ticketkontingente und die Preisgestaltung zu den stark gestiegenen Ticketpreisen beigetragen haben. Außerdem geht es um Vorwürfe, Fans seien über Sitzplatzkategorien und die Verfügbarkeit bestimmter Plätze irreführend informiert worden. Die FIFA weist die Vorwürfe zurück.

Viagogo weist Vorwürfe zurück

Viagogo verteidigte sein Geschäftsmodell. Das Unternehmen versteht sich als Marktplatz zwischen Käufern und Verkäufern und argumentiert, vielen Fans überhaupt erst den Zugang zu ausverkauften Veranstaltungen zu ermöglichen. Laut Unternehmensangaben lagen im Jahr 2025 mehr als 70 Prozent der auf der Plattform verkauften Tickets durchschnittlich unter 116 Euro.

Als eigentliche Ursachen für die Probleme nannte Viagogo den knappen Ticketbestand bei beliebten Veranstaltungen, den Einsatz von Bots beim Erstverkauf sowie die Preisgestaltung der Veranstalter. Verbraucherschützer halten dagegen, dass insbesondere überhöhte Wiederverkaufspreise und mangelnde Transparenz zulasten der Fans gehen.