Aoun in Washington: Die Libanesen haben wenig Hoffnung auf Veränderung

Libanesische Frauen laufen an zerstörten Häusern in Froun, Südlibanon, vorbei

Stand: 21.07.2026 • 06:32 Uhr

Mit der Hoffnung auf eine stabile Waffenruhe in seinem Land reist Libanons Präsident Aoun nach Washington. Seine Landsleute hegen keine großen Erwartungen - zumal die Hisbollah immer noch nicht mit am Verhandlungstisch sitzt.

Stella Männer

In der Küche des Beiruter Restaurant Jacaranda herrscht geschäftiges Treiben: Koch Mohamad Salameh zerhackt Kräuter für die Marinade des Hühnchens. Jeder seiner Handgriffe ist Routine - und doch ist es ein besonderer Tag für den 36-Jährigen. Statt die normalen Gerichte der Karte zuzubereiten, kocht er heute ein selbst kreiertes Acht-Gänge-Menü, inspiriert von den Gerichten seiner Heimat im Südlibanon.

Er schwärmt vom Geruch der Kräuter: "Da ist Basilikum drin, Majoran, Rosengeranie, Petersilie. Unsere Mütter haben all diese Kräuter zu Hause angepflanzt. Im Supermarkt sind sie schwer zu finden." An vier Abenden kocht Salameh im Rahmen der kulinarischen Veranstaltung "Düfte des Südens" sein Menü - aus Solidarität mit den Menschen im Südlibanon.

"Der Süden ist Teil von unserem Land. Nur weil die israelischen Bombardierungen hier aufgehört haben, sollten wir den Süden nicht vergessen", meint er. Drei Monate nach Verkünden der Waffenruhe ist in Libanons Hauptstadt Beirut wieder Normalität eingekehrt. Lediglich das laute Dröhnen der israelischen Drohnen erinnert daran, dass der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz noch immer nicht beendet ist.

Entwaffnung der Hisbollah gestaltet sich schwierig

Anders sieht es im Süden des Landes aus: Dort attackiert die israelische Armee noch immer regelmäßig Dörfer und hält mit ihren Truppen weiterhin Teile des Landes besetzt. Hunderttausende Menschen können noch immer nicht in ihre Häuser zurückkehren.

Abziehen will die israelische Armee erst, wenn die Hisbollah vollständig entwaffnet ist. Kein leichtes Unterfangen. Zwar möchte auch die libanesische Regierung die Entwaffnung der Miliz, doch das Land ist pleite. Und die eigene Armee kann der vom Iran unterstützten Hisbollah kaum etwas entgegensetzen.

Und so wird weiter über einen möglichen Frieden verhandelt. Zum ersten Mal fliegt der libanesische Präsident Joseph Aoun dafür nun selbst nach Washington, will mit US-Präsident Donald Trump persönlich reden.

Hisbollah verhandelt nicht mit

In Beirut erhoffen sich die wenigsten eine Veränderung. "Dieses Treffen hätte vor langer Zeit stattfinden müssen, um noch etwas zu bewirken", stellt ein Passant desillusioniert fest. Eine Skepsis, die auch Analystinnen und Analysten teilen. Politikwissenschaftlerin Zeina El Helou sieht gleich mehrere Gründe, die gegen eine baldige Lösung des Kriegs sprechen. Allen voran, dass die Verhandlungen ohne die Hisbollah geführt werden:

Ich weiß nicht, was Präsident Aoun anbieten soll, wenn er selbst nicht kontrollieren kann, was die Hisbollah tut. Was ist der Sinn von Verhandlungen, wenn der Hauptakteur dieses Kriegs nicht mit im Tisch sitzt und jede Vereinbarung mit ein paar Raketen zunichtemachen kann?

Während die Verhandlungen andauern, schafft die israelische Regierung Tatsachen. Man wolle eine Rückkehr der libanesischen Bevölkerung in die "Sicherheitszonen" verhindern, sagte etwa der israelische Verteidigungsminister Israel Katz. In den letzten Monaten hat die israelische Armee ganze Dörfer in die Luft gesprengt. Satellitenbilder zeigen, was von Kindergärten, Schulen und Wohnhäusern übrig geblieben ist: grauer Schutt.

Tief mit der Heimat verbunden

Eines der zerstörten Dörfer ist Bint Jbeil, die Heimat von Koch Mohamad Salameh aus dem Beiruter Restaurant Jacaranda. Wegen der anhaltenden israelischen Besatzung weiß auch er nur anhand von Fotos, dass sein Elternhaus zerstört wurde. "Ich zerbreche fast daran, dass ich physisch nicht an den Ort kann, an dem einst mein Haus stand", erklärt er. Jeder würde um den Verlust seines Zuhauses trauern wollen. "Es ist ja nicht nur ein Haus, sondern der Ort, an dem Erinnerungen leben. Dort habe ich als Kind geweint und gelacht; dort habe ich mit meiner Mutter und meinem Bruder gespielt."

Zeit zur Verarbeitung dieser Gefühle hat Salameh in diesem Moment aber keine. In der Küche muss jetzt der Nachtisch angerichtet werden. Vorsichtig platziert der Koch eine Schokoladenmousse auf einem Bett aus braunen Kekskrümeln. Es folgt ein Schuss Olivenöl. Der fertige Teller sieht aus, als hätte jemand mit Absicht Erde darauf verteilt. "Weil wir im Süden tief mit unserem Land verbunden sind. Wir sind bekannt für unsere Landwirtschaft und unsere Oliven."

Mohamad Salameh möchte mit seinem Menü eine Botschaft senden, sagt er: Dass die Menschen aus dem Süden trotz allem weiterleben. Eines Tages, so hofft er, wird er die Kräuter für seine Gerichte wieder im Garten seiner Eltern in Bint Jbeil pflücken können.